Mit Finnland vertieft Paris seine nukleare Zusammenarbeit mit einem Land, das auf über 1 300 Kilometern an Russland grenzt. Nun prüft auch Tallinn engere Schritte mit Paris.
Finnland geht in der nuklearen Zusammenarbeit mit Frankreich einen weiteren Schritt. Beim europäischen Arktis-Gipfel haben Paris und Helsinki die Teilnahme Finnlands an der französischen Initiative der „erweiterten nuklearen Abschreckung“ offiziell bestätigt.
In einer gemeinsamen Erklärung betonen beide Länder, diese Entscheidung stehe im Einklang mit ihren internationalen Verpflichtungen und markiere eine wichtige Etappe für die europäische Sicherheit und die bilaterale Zusammenarbeit.
Diese Zusammenarbeit soll insbesondere neue Möglichkeiten für „strategische Signale“ und für das Management von Eskalation „unterhalb der nuklearen Schwelle“ eröffnen, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung aus Frankreich und Finnland.
In den kommenden Monaten wollen beide Seiten eine Steuerungsgruppe für Nuklearfragen einrichten.
„Die französische Initiative ersetzt die nukleare Abschreckung der NATO nicht und legt sich auch nicht darüber. Finnlands Priorität bleibt es, im Rahmen der NATO und der Europäischen Union zu handeln“, betonte Präsident Alexander Stubb auf X.
„Finnland hat nicht vor, in Friedenszeiten Nuklearwaffen auf seinem Staatsgebiet zu stationieren“, fügte er hinzu.
Nach Finnland: folgt Estland?
Könnte sich auch Estland dem französischen Konzept annähern? Ministerpräsident Kristen Michal erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Tallinn sei dazu mit Paris „im Gespräch“.
„Wir stehen bereits unter dem nuklearen Schirm der NATO. Und Frankreich unterstützt unsere Unabhängigkeit zusätzlich durch die Präsenz seiner Truppen in Estland“, sagte der Regierungschef.
„Wenn sich die Zusammenarbeit im Nuklearbereich vertiefen lässt, wird das wahrscheinlich geschehen“, ergänzte er.
Seit März 2017 stationiert Frankreich im Rahmen der verstärkten vorgeschobenen Präsenz der NATO in den baltischen Staaten rund 300 Soldaten in Estland.
Finnland wird zehntes Land unter französischem Nuklearschirm
Finnland ist damit das zehnte europäische Land, das sich dieser Kooperationsstruktur zur französischen nuklearen Abschreckung anschließt.
Zuvor hatten sich acht Staaten beteiligt – das Vereinigte Königreich, Deutschland, Polen, Schweden, die Niederlande, Belgien, Griechenland und Dänemark –, bevor im Mai Norwegen hinzukam.
Die französische Doktrin zielt darauf ab, die nukleare Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten zu vertiefen, vor allem durch gemeinsame Übungen. Sie sieht außerdem vor, dass die teilnehmenden Länder vorübergehend französische Flugzeuge mit Nuklearwaffen aufnehmen können.
Paris behält jedoch die alleinige Kontrolle über sein Nukleararsenal. Die endgültige Entscheidung über dessen Einsatz liegt beim französischen Präsidenten.