Rund 91 Prozent der Menschen in Europa befürworten laut Umfrage strengere Regeln für soziale Medien für Kinder. Die meisten sind für ein vollständiges Verbot.
Ein neues EU-Gesetzesvorhaben, der KIDS Act, könnte Kindern unter 13 die Nutzung sozialer Medien verbieten und sie für 13- bis 15-Jährige einschränken.
Ziel ist es, Handysucht und endloses Scrollen einzudämmen. Kinder sollen außerdem vor schädlichen Inhalten oder Kontakten sowie vor psychischen und körperlichen Risiken geschützt werden.
Kinderrechtsorganisationen begrüßen den EU KIDS Act, einige warnen jedoch, dass eine Einschränkung des Zugangs zu Social Media Jugendliche in noch gefährlichere Online-Gruppen drängen könnte.
Die große Mehrheit der EU-Bürgerinnen und -Bürger, nämlich 91 %, sind der Meinung, dass es mehr Maßnahmen zur Regulierung der Nutzung sozialer Medien durch Kinder braucht. Das geht aus der Eurobarometer-Umfrage hervor.
Am meisten Zustimmung erhält mit 36 % ein Verbot sozialer Medien für Kinder unter einem bestimmten Alter.
In Griechenland ist die Unterstützung für diese Maßnahme am größten, dort sprechen sich 49 % dafür aus. Dahinter folgen Bulgarien, Rumänien, Portugal, Irland und die Slowakei mit jeweils 44 %. Am wenigsten Zustimmung gibt es in einer Gruppe zentraleuropäischer Länder: Österreich (27 %), Deutschland (28 %) und Tschechien (29 %).
„Die Verantwortung verlagert sich von Plattformen auf Eltern“
Einige Kinderrechtsorganisationen zeigen sich von den EU-Plänen jedoch wenig beeindruckt.
„Wir unterstützen 13 als Mindestalter, aber wir sehen darin kein neues Verbot“, sagte Jeanne-Marie Quashie, EU-Advocacy-Beauftragte bei Terre des Hommes Netherlands, gegenüber Europe in Motion. „Derzeit haben soziale Medien 13 als Zugangsalter für ihre Plattformen festgelegt.“
Sie erklärte, die Altersgrenze des Gesetzes entspreche den Vorgaben aus Artikel 8 der Datenschutz-Grundverordnung (GDPR). Die neue Regelung müsse jedoch nachgeschärft werden, vor allem beim Zugang für 13- und 14-Jährige.
Nach dem derzeitigen Konzept können Jugendliche kein eigenes Konto in sozialen Medien anlegen. Die Eltern müssen den Account für sie eröffnen und bestätigen.
Das Konto wird anschließend über ein verknüpftes Elternprofil oder ein Admin-Dashboard verwaltet. Dort lässt sich etwa eine Begrenzung der Bildschirmzeit festlegen, maximal eine Stunde pro Tag.
Ein großer Teil der Verantwortung liegt damit bei den Eltern.
„Der EU-KIDS Act geht in die richtige Richtung, weil er am Design der Plattformen ansetzt und nicht bei pauschalen Verboten“, sagte Quashie. „Wenn der Zugang jedoch von der Anmeldung durch die Eltern abhängt, verlagert sich die Verantwortung von den Tech-Unternehmen auf die Familien.“
„Für 13- bis 15-Jährige muss Sicherheit eingebaut sein und darf nicht erst eingeschaltet werden“, so die Expertin. „Der Zugang von Kindern zu digitalen Räumen muss an Sicherheit geknüpft sein, nicht an die Zustimmung der Eltern.“
Worum machen sich die Menschen am meisten Sorgen?
Die Sorge über die Nutzung sozialer Medien durch Kinder ist in der EU groß. Rund 70 % der Befragten geben an, sehr oder eher besorgt zu sein wegen Cybermobbing (71 %), sexuellen Übergriffen im Netz (70%) und dem Kontakt mit schädlichen Inhalten (69 %).
Gleichzeitig ist die Sorge über suchterzeugende Designelemente, einem zentralen Ziel des KIDS Act, geringer: Nur 60 % zeigen sich besorgt, davon 28 % sehr besorgt.
Es gibt jedoch Ausnahmen: In Zypern steigt der Anteil der wegen suchterzeugendem Design Besorgten auf 89 %, in Luxemburg liegt er bei 87 %.