Russland baut seine Streitkräfte weiter aus. Seit März sind fast 48.000 neue Soldaten hinzugekommen. Der ukrainische Präsident Selenskyj warnt vor einer schrittweisen Mobilisierung und nordkoreanischen Truppen.
Am Montag hat der russische Präsident Wladimir Putin ein Dekret zur Aufstockung der Armee um 15.500 Menschen unterzeichnet und dafür Mittel aus dem föderalen Haushalt freigegeben. Die Entscheidung tritt am Tag der Unterzeichnung in Kraft.
"Die planmäßige Stärke der Streitkräfte der Russischen Föderation ist auf 2.441.630 Stellen festzulegen, darunter 1.550.500 Militärangehörige", heißt es in dem Dekret.
Es ist bereits die vierte Erweiterung der russischen Streitkräfte in diesem Jahr. Die vorige erfolgte vor zwei Monaten: Im Juli hat Putin eine Erhöhung um 27.000 Stellen angeordnet. Seit März ist die Gesamtzahl damit um 47.860 Militärangehörige gestiegen.
Putin hat den Grund für die Entscheidung nicht genannt. Sie kommt vor dem Hintergrund steigender Verluste auf russischer und ukrainischer Seite im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
In diesem Jahr haben sich die russischen Truppen langsamer bewegt. Der breite Einsatz von Drohnen macht schnelle Vorstöße größerer Verbände nahezu unmöglich. Außerdem melden die Behörden zuletzt Durchbrüche ukrainischer Einheiten an einzelnen Frontabschnitten.
Zuletzt hat Putin im September 2022 nach einer Reihe von Rückschlägen an der Front eine "teilweise Mobilmachung" von Reservisten verkündet. Das entsprechende Dekret gilt weiterhin.
Hinweise auf neue Mobilisierung?
Die ukrainischen Geheimdienste haben im August berichtet, Moskau plane zusätzlich bis zu 300.000 Menschen noch in diesem Jahr für den Fronteinsatz einzuziehen und im kommenden Jahr noch einmal ähnlich viele. Mehrere Analysten sagten unter Verweis auf vorbereitende Maßnahmen der russischen Behörden vor Ort eine neue Mobilisierungswelle bereits für diesen Herbst voraus, direkt nach den Wahlen zur Staatsduma. Das hat bei vielen Russen "panische Stimmung" ausgelöst und das Interesse an Auswanderung steigen lassen.
Putin hat diese Gerüchte als "völligen Unsinn" bezeichnet. Der Kreml versicherte, der Bedarf der russischen Streitkräfte sei angeblich durch Vertragssoldaten und Freiwillige gedeckt. Unabhängige Analysten halten dagegen, dass die Zahl der Neuverpflichtungen weiter sinkt, trotz der versprochenen hohen finanziellen Prämien.
"Im Grunde hat Russland bereits eine zusätzliche Mobilisierung begonnen, es erweitert den Umfang der Personalrekrutierung und nutzt dafür unterschiedliche Methoden", kommentierte der ukrainische Präsident das Dekret Putins in einer Videoansprache, die am Dienstag auf seiner Seite bei X veröffentlicht wurde. "Außerdem plant es, die Zahl der Ausländer zu erhöhen, und es ist wichtig, dass die Regierungen der Länder, aus denen Russland Menschen für seine Reihen anwirbt, dem entgegenwirken."
Wie Wolodymyr Selenskyj ergänzte, liegen ihm neue Informationen vor, dass Nordkorea die Entsendung von 10.000 eigenen Soldaten nach Russland vorbereitet, zusätzlich zu 8.000, die dort bereits stationiert sind.