Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder soll künftig die Geschäfte der Globus-Hypermarktkette in Russland strategisch unterstützen. Der 82-Jährige wurde in den Aufsichtsrat der russischen Tochter berufen.
Der frühere deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übernimmt eine neue Funktion im Russland-Geschäft der deutschen Globus-Gruppe. Darüber berichtet das unabhängige belarussische Medium Nasha Niva unter Berufung auf den russischen Wirtschaftsdienst RBC und das Unternehmen selbst.
Die Gesellschafter der russischen Tochtergesellschaft Hyperglobus beriefen den Altkanzler demnach in den Aufsichtsrat. Dort soll der 82-Jährige die strategische Entwicklung des Unternehmens unterstützen und an der langfristigen Planung des Russland-Geschäfts mitwirken.
Globus-Eigentümer Thomas Bruch begründete die Berufung mit dem Wunsch nach zusätzlicher Expertise. Schröders langjährige Erfahrung in den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland könne dabei helfen, einen „dialogorientierten Ansatz“ zu verfolgen und unter den derzeitigen Bedingungen Lösungen zu finden, wird Bruch zitiert.
Putin-Freund Schröder und seine Russland-Geschäfte
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler und ist seit seinem Ausscheiden aus der Politik eng mit russischen Wirtschaftsinteressen verbunden. Bereits während seiner Amtszeit setzte er sich für enge Energiebeziehungen zwischen Deutschland und Russland ein. Nach seiner Kanzlerschaft übernahm er unter anderem den Vorsitz des Aufsichtsrats des russischen Energiekonzerns Gazprom sowie später eine führende Funktion beim Betreiber der Nord-Stream-Pipeline.
Seine engen Kontakte zu Russland und Präsident Wladimir Putin werden in Deutschland und Europa teils scharf kritisiert. Auch nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 distanzierte er sich nicht von Putin und hielt er an seinen Beziehungen zu Russland fest. Er plädierte wiederholt für einen Dialog mit Moskau. Putin schlug im Mai vor, Schröder als Vermittler für Friedensgespräche mit der Ukraine einzusetzen. Brüssel und die Bundesregierung lehnten ab.
Schröder selbst betont weiter die Bedeutung wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Europa und Russland.
Schröder: Wirtschaftliche Beziehungen bleiben wichtig
Auch im Zusammenhang mit seiner neuen Funktion bei Globus sagte Schröder, wirtschaftlicher Beziehungen mit und Investitionen in Russland seien wichtig, besonders im Bereich der Lebensmittelversorgung.
"Gerade in Krisenzeiten sind diese Beziehungen besonders wichtig: Sie ermöglichen es uns, einander zuzuhören und Wege in die Zukunft zu finden“, sagte Schröder nach Angaben von Nasha Niva.
Die Berufung Schröders soll womöglich verhindern, was anderen westlichen Handelsketten wiederfährt. Die russischen Geschäfte von Auchan, Metro und Leman waren zuletzt unter staatliche Kontrolle geraten.
Ende September wurden auch für die russischen Geschäfte der deutschen Metro vorübergehende Verwaltungen eingesetzt. Auch Globus war schon mit möglichen Risiken eines Rückzugs konfrontiert, hält aber weiterhin an seinem Russland-Geschäft fest. Globus betreibt mehrere SB-Warenhäuser in Russland.