Hungarische und französische Tourismusverantwortliche sehen Chancen in engerer grenzüberschreitender Zusammenarbeit, besseren Daten und stärkerem Naturschutz für die Zukunft der Region.
Zentraleuropa könnte sich viel stärker als ein zusammenhängendes Reiseziel vermarkten – statt nationalen Grenzen zu überlassen, wie Gäste die Region erleben. Das forderten Tourismusverantwortliche beim Euronews Travel & Tourism Summit.
Olivér Csendes, Präsident der Ungarischen Tourismusagentur, und Sandrine Buffenoir, Direktorin für die Niederlande, Belgien und Luxemburg bei Atout France, diskutierten in Brüssel mit Moderatorin Mared Gwyn-Jones über die Zukunft des europäischen Tourismus.
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Csendes sah große Chancen für eine engere Zusammenarbeit der Nachbarländer. Reisende versuchen immer häufiger, mehrere Ziele in eine Reise zu packen – ein Trend, den manche „trip-maxxing“ nennen.
„Ich würde mir viel mehr internationale Kooperationen wünschen, in denen wir unsere Lebensweise und unsere Regionen im Grunde als ein gemeinsames Reiseziel darstellen“, sagte er. „Wir müssen unser Denken und die Gestaltung von Erlebnisräumen nicht an Landesgrenzen stoppen.“
Als Vorteil nannte er die relativ kurzen Entfernungen in Europa, die Mehrländer-Reisen erleichtern.
„Aus Sicht der USA oder Asiens sind die Distanzen in Europa sehr klein. Man fährt 100 Kilometer und berührt schon zwei oder drei zentraleuropäische Hauptstädte“, so Csendes.
Als weiteres natürliches Gerüst für grenzüberschreitenden Tourismus nannte er die Donau.
„Wir haben Schätze wie die Donau. Sie fließt durch viele Länder Europas und war immer eine Verbindung, die Kulturen zusammenbringt“, sagte er.
„Warum sollten wir sie nicht bewusst als Teil des Erlebnisses nutzen, das Menschen hier haben – um ihr Leben und ihren Blick auf Europa zu bereichern?“
Csendes lobte außerdem die Rolle der europäischen Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Herausforderungen im Tourismus. Ein Beispiel sei der europäische Datenraum für den Tourismus.
„Ich glaube, Europa leistet hier beeindruckende Arbeit in der Zusammenarbeit“, sagte er.
„Ohne Natur kein Tourismus“
Bessere Daten können Ländern helfen, Besucherströme zu lenken und auf Bedrohungen wie Waldbrände und Extremwetter zu reagieren, fügte er hinzu.
„Erinnern wir uns an alle Debatten über Besucherlenkung, den Schutz von Gästen, rechtzeitige Warnungen bei Gefahr – ob Waldbrand oder andere extreme Wetterlagen. All das gelingt nur, wenn wir die richtigen Daten am richtigen Ort haben“, sagte Csendes.
Der ungarische Tourismuschef betonte außerdem, wie zentral Natur für die Branche ist. Viele Ziele stehen unter wachsendem ökologischem Druck.
„Ohne Natur gibt es keinen Tourismus“, sagte er. „Der Tourismus muss eine positive Kraft sein und die Widerstandskraft der Lebensräume stärken.“
Buffenoir griff den Gedanken des Tourismus als verbindende Kraft in Europa auf.
„Tourismus ist ein zentrales Element der Verbindung zwischen allen Menschen in Europa. Er hilft uns, einander besser kennenzulernen, besser zusammenzuarbeiten und miteinander zu leben“, sagte sie.
„Er ist ein Klassenzimmer, in dem wir übereinander lernen.“