Der Abgeordnete Angelo Bonelli vom links-grünen Bündnis AVS kritisiert mangelnde Information über eine anstehende NATO-Übung in Italien und kündigt eine Anfrage an den Verteidigungsminister an. Vorrausgegangen war eine nicht eindeutige Kommunikation über den Ablauf.
Zwischen dem 13. und 20. Oktober wird Italien Schauplatz einer NATO-Militärübung. Darauf macht Angelo Bonelli aufmerksam, Oppositionsabgeordneter der links-grünen Partei Alleanza Verdi e Sinistra.
Die Übung ist laut Bonelli "dem Einsatz der in Europa stationierten US-Atomwaffen gewidmet". "Wir haben das nicht von der Regierung erfahren. Wir haben es aus einem technischen Dokument für Piloten rekonstruiert, dem Supplement Airac S56/26 des AIP Italia, das (die italienische Flugsicherung) Enav am 20. August veröffentlicht hat . Deshalb werde ich eine parlamentarische Anfrage an Verteidigungsminister Guido Crosetto einreichen", kündigt Bonelli an.
"Mitten in einer internationalen Krise, die die Welt zum Aufrüsten drängt, darf Italien sich nicht darauf beschränken, für den Atomkrieg zu üben. Es muss dem UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen beitreten und den Abzug der Sprengköpfe von unserem Staatsgebiet verlangen. Sicherheit entsteht durch Abrüstung und Diplomatie, nicht durch das Simulieren der Apokalypse über unseren Köpfen", betont Bonelli.
Die ENAV (ursprünglich Akronym für Ente Nazionale Assistenza al Volo) ist die italienische Aktiengesellschaft, die exklusiv die Kontrolle des zivilen Luftverkehrs im italienischen Luftraum verantwortet.
Was im ENAV-Dokument zu den NATO-Übungen in Italien steht
Das Dokument ist öffentlich. ENAV hat es am 20. August 2026 veröffentlicht. Es lässt sich nach kostenloser Registrierung im AIP-Portal von ENAV einsehen. Die enthaltenen Informationen bleiben naturgemäß begrenzt und sind für den zivilen Luftverkehr bestimmt.
Darin heißt es, dass die von der Übung betroffenen Gebiete als vorübergehend reservierte Zonen gelten. Die Bereiche über internationalen Gewässern werden als Gefahrengebiete eingestuft. Die tatsächliche Sperrung der Flugrouten gibt ENAV jeweils am Vortag bekannt.
Außerdem nennt das Dokument den Namen der NATO-Übung: Steadfast Noon 2026. Daraus schließt Bonelli, dass sie dem Einsatz der in Europa stationierten US-Atomwaffen gewidmet ist.
Das Supplement beschreibt Steadfast Noon 2026 als groß angelegte multinationale Übung mit Luft- und Marineoperationen im nationalen und internationalen Raum im Tyrrhenischen Meer.
Aus der Karte geht hervor, dass über dem Tyrrhenischen Meer Flugzeuge aus den NATO-Stützpunkten Ghedi, Aviano, Amendola, Gioia del Colle und Trapani zusammentreffen.
Für jedes Gebiet und jeden Korridor vermerkt das Dokument eine intensive militärische Flugtätigkeit, Schießübungen und Einsätze fernpilotierter Luftfahrzeuge, also Drohnen.
Der Text nennt nicht, welche Drohnentypen eingesetzt werden und welche Rolle sie übernehmen – ob zur Aufklärung, als simulierte Ziele oder zu anderen Zwecken.
Was das ENAV-Dokument über die beteiligten NATO-Stützpunkte nicht verrät
Das Supplement ist, wie angegeben, ein technischer Hinweis. Es erwähnt keine Atomwaffen, nennt keine teilnehmenden Staaten und enthält keine Angaben zur Zahl der eingesetzten Flugzeuge.
Dennoch trägt die Übung denselben Namen wie die wichtigste NATO-Simulation eines Atomangriffs, Steadfast Noon.
In Italien gibt es zwei NATO-Stützpunkte, auf denen nach vorliegenden Informationen US-Atomwaffen lagern: Ghedi in der Provinz Brescia und Aviano in der Provinz Pordenone.
Und die Karte zeigt genau ein System, das Ghedi und Aviano mit den Übungsgebieten über dem Tyrrhenischen Meer verbindet.