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Tödliche Drohnenangriffe im Schwarzen Meer: Kann die EU die Region sichern?

Rumänische Marinekommandos patrouillieren mit Schnellbooten auf der Donau nahe Mahmudia bei einer Übung der Marine am 30. März 2023.
Rumänische Marinekommandos patrouillieren mit Schnellbooten auf der Donau bei Mahmudia in Rumänien während einer Übung der Marine am 30. März 2023. -  Copyright  AP Photo
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Von Angela Skujins
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Die EU will das Schwarze Meer besser schützen. Doch Drohnen haben vor Rumänien und Bulgarien Handelsschiffe versenkt und zwei Menschen getötet. Nun wächst der Zweifel, wie Brüssel das Meer sichern kann.

Drohnen haben im Schwarzen Meer eine Spur der Zerstörung hinterlassen: Sie haben Handelsschiffe versenkt, Schiffe in Brand gesetzt und Zivilisten getötet. Das zeigt, wie schwer es Europa fällt, eine seiner verwundbarsten Seeregionen zu schützen.

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Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew nannte den Drohnenangriff rund 130 Kilometer vor der landeseigenen Küste am Dienstag "absolut inakzeptabel". Ein Frachtschiff sank, ein weiteres wurde beschädigt. Radew vermied vorerst Schuldzuweisungen, die Ermittlungen zu den Vorfällen laufen noch.

Rumäniens Außenministerin Oana-Silvia Țoiu sprach einen Tag zuvor nach einem tödlichen Vorfall vor der rumänischen Küste von "einem eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht".

Von der Leyen: Lage sei zunehmend besorgniserregend

Am Montag geriet vor Rumänien ein türkisch betriebenes Frachtschiff mit ukrainischem Getreide in Brand und sank wenig später. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, das Schiff sei von russischen Drohnen angegriffen worden. An Bord kamen zwei Menschen ums Leben.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte beide Vorfälle. "Die Lage im Schwarzen Meer wird zunehmend besorgniserregend", sagte sie. "Angriffe auf die zivile Schifffahrt sind inakzeptabel."

Die Zwischenfälle lenken den Blick erneut auf die Frage, wie gut Europa Handelsschiffe und kritische Infrastruktur im Schwarzen Meer überhaupt schützen kann – mehr als ein Jahr nachdem die EU eine Sicherheitsstrategie für die Region aufgelegt hat.

EU-Sicherheitsstrategie für Schwarzes Meer

Als die Sicherheitsstrategie für das Schwarze Meer im Mai 2025 vorgestellt wurde, warnte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, die Region trage die Folgelasten von Russlands großangelegter Invasion in der Ukraine.

"Die Region des Schwarzen Meeres ist Hauptziel hybrider Aktionen. Die Europäische Union will die Zusammenarbeit verstärken, um Cyberangriffe, Desinformation und andere feindliche Aktivitäten zu bekämpfen", sagte sie.

"Wiederholte Verletzungen des Luftraums und Angriffe auf Häfen und Schifffahrtsrouten machen diese Realität deutlich."

Die Strategie soll den Sicherheitskorridor auf dem Meer absichern und kritische Infrastruktur wie Offshore-Anlagen und Unterseekabel schützen.

Bulgarische Behörden bringen ein verletztes Besatzungsmitglied ins Krankenhaus, nachdem zwei Handelsschiffe am 6. Oktober 2026 auf offener See angegriffen wurden, Warna, Bulgarien.
Bulgarische Behörden bringen ein verletztes Besatzungsmitglied ins Krankenhaus, nachdem zwei Handelsschiffe am 6. Oktober 2026 auf offener See angegriffen wurden, Warna, Bulgarien. AP

Die Strategie verspricht zudem den Aufbau eines Maritime Security Hub für das Schwarze Meer. Dieses Zentrum soll Hilfsangebote koordinieren und unter anderem die Zusammenarbeit der Küstenwachen stärken. Es soll auch Daten von Meeresbodensensoren auswerten und Partner frühzeitig vor Gefahren und drohenden Bedrohungen warnen.

Strategischer Schutz der Region noch im Aufbau

Auf die Frage nach der Wirksamkeit der Politik angesichts der jüngsten Zwischenfälle sagte Kommissionssprecher Christian Wigand, in der Region seien infolge der Strategie 65 Projekte im Wert von 200 Millionen Euro gestartet worden.

"Zur Ergänzung dieses Rahmens hat die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs den rumänischen und bulgarischen Behörden ihre Unterstützung angeboten – im Einklang mit ihrer Aufgabe, maritime Sicherheit und Lagebilder auf europäischer Ebene zu liefern", erklärte er.

"Rumänien und Bulgarien haben nach den Angriffen Satellitenbilder angefordert, um die Lage besser einschätzen zu können, und wir liefern diese Aufnahmen derzeit."

Zum Sicherheitszentrum für das Schwarze Meer sagte Wigand, es handle sich um ein von Rumänien und Bulgarien geführtes Projekt, das "helfen soll, das maritime Lagebild und den Schutz kritischer Infrastruktur zu verbessern".

Ein Bericht der Europäischen Kommission zur Umsetzung der EU-Strategie für das Schwarze Meer vom Juli bestätigt, dass beide Länder gemeinsam ein Konzept für das Zentrum erarbeitet haben. Es soll unter anderem komplexen hybriden Bedrohungen entgegenwirken.

Im Zuge des Vorfalls vor Bulgarien erklärte die rumänische Außenministerin Țoiu am Dienstag, das Zentrum solle in den beiden wichtigsten Häfen der Länder entstehen, in Konstanza und Warna.

Defizite bei Europas Verteidigungsfähigkeiten

Doch eine durchgesickerte Fassung des wegweisenden Annual Defence Readiness Report der EU zeigt erhebliche Defizite bei den Verteidigungsfähigkeiten Europas – besonders im Bereich der Seekriegsführung.

Das Dokument, das von der Europäischen Verteidigungsagentur unter Mitwirkung der Kommission und des Europäischen Auswärtigen Dienstes erstellt wurde, bewertet, ob die 27 Mitgliedstaaten bis 2030 ausreichend verteidigungsbereit sein werden.

Obwohl die Regierungen der EU von 2024 bis 2029 rund 98,9 Milliarden Euro in maritime Fähigkeiten investieren wollen, beeinträchtigen die bestehenden Lücken zahlreiche Marineoperationen.

"Kritische Lücken bestehen weiterhin bei Marine-Munition und Raketenbeständen, bei der integrierten Luft- und Raketenabwehr zur See (IAMD), bei weitreichenden Schlagfähigkeiten sowie beim Schutz der Infrastruktur am Meeresboden", heißt es in dem Bericht.

Um gegenzusteuern, empfiehlt der Bericht drei zentrale Maßnahmen: den Ausbau der maritimen Lageerfassung, ein ausgewogenes Verhältnis von Investitionen in große Kampfplattformen und in Schlagfähigkeiten zur See sowie zusätzliche Mittel für unterstützende Fähigkeiten wie den Schutz des Meeresbodens.

Ein Boot passiert die rumänische Fregatte Marasesti, die nach der Explosion einer Marinedrohne im Schwarzen Meer am 5. Juni 2026 im Hafen von Konstanza, Bulgarien, liegt.
Ein Boot passiert die rumänische Fregatte Marasesti, die nach der Explosion einer Marinedrohne im Schwarzen Meer am 5. Juni 2026 im Hafen von Konstanza, Bulgarien, liegt. AP

Mihai Sebastian Chihaia, Experte für maritime Sicherheit beim European Policy Centre, kritisiert, das Schwarze Meer habe in der europäischen Verteidigungsdebatte zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Strategien allein reichten seiner Ansicht nach nicht aus.

"Wir haben einige Strategien, wir haben einige Vorgaben, aber um das Schwarze Meer wirklich zu sichern, braucht es tatsächliche Fähigkeiten", sagte er Euronews. Dazu zählten etwa Aufklärungsmaßnahmen mit Sensoren und Radar.

Experte schlägt zusätzlichen NATO-Plan vor

Chihaia ist der Ansicht, dass die NATO – das Fundament der kollektiven Verteidigung Europas – ebenfalls eine eigene Strategie für das Schwarze Meer entwickeln könnte.

Nach den Drohnenangriffen zu Wochenbeginn betonen Rumänien, Bulgarien und die Türkei, dass sie ihre Anstrengungen zur Stärkung der Sicherheit in der Region abstimmen.

Doch Chihaia bemängelt, dass weiterhin eine übergeordnete Vision für die künftige Sicherheitsarchitektur im Schwarzen Meer fehlt. Trotz jahrelanger Diskussionen habe die NATO eine solche bislang nicht vorgelegt. "Das ist nicht passiert", sagte er.

Chihaia sieht die Rolle der Kommission vor allem darin, den Mitgliedstaaten Orientierung und Ideen zu geben – einschließlich Finanzierungsmöglichkeiten wie dem Darlehensprogramm Security Action For Europe (SAFE).

"Es soll die Mitgliedstaaten dazu bringen, enger zusammenzuarbeiten, neue technische Lösungen zu entwickeln und diese zu integrieren", erklärte er.

Kommissionssprecher Thomas Regnier betonte, Bulgarien und Rumänien "spielen eine entscheidende Rolle bei der Verteidigung unserer östlichen Flanke" und fügte hinzu, beide Länder erhielten im Rahmen von SAFE zusammen 20 Milliarden Euro.

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