Der verurteilte Amokläufer Nidal Hasan wird am 3. Dezember auf dem Stützpunkt Fort Hood von einem Erschießungskommando hingerichtet. Der Pentagon will Todesstrafe live im Internet streamen.
Die Hinrichtung des Angreifers der Militärbasis Fort Hood, Nidal Malik Hasan, durch ein Erschießungskommando soll live im Internet übertragen werden. Das hat das Pentagon am Donnerstag mitgeteilt. Es ist die erste militärische Hinrichtung durch ein Erschießungskommando seit dem Zweiten Weltkrieg. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach sich für eine öffentliche Hinrichtung aus.
Die Vereinten Nationen verurteilten die Entscheidung der USA umgehend als Folter.
Öffentliche Hinrichtung laut UN "unmenschliche Behandlung"
„Die Livestream-Übertragung einer Hinrichtung kommt einer öffentlichen Hinrichtung gleich und verstößt gegen das absolute Verbot von Folter“, erklärte das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte.
Das UN-Gremium verwies darauf, dass es ähnliche Stellungnahmen zu öffentlichen Hinrichtungen in Afghanistan und Iran abgegeben hat. Diese „stellen eine Form grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe dar“.
Nidal Hasan, Psychiater der US-Armee, hatte 2009 auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen erschossen und 32 weitere durch Schüsse verletzt.
„Wir werden sicherstellen, dass die Menschen sie ansehen können, dass sie öffentlich ist“, mit diesen Worten kündigte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth die „öffentliche“ Hinrichtung des verurteilten Todesschützen Nidal Hasan an.
„Die Menschen müssen verstehen, dass es für solche Taten schwerwiegende Konsequenzen gibt“, sagte Hegseth, der sich selbst als Kriegsminister bezeichnet.
Die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando ist für den 3. Dezember geplant und soll live übertragen werden. Es wäre die erste Hinrichtung der US-Armee seit mehr als 65 Jahren und die erste Erschießung seit dem Zweiten Weltkrieg.
„Ich mag die Mentalität, die wir im Zweiten Weltkrieg hatten: gewinnen, erkennen, wenn der Feind angreift, und standhalten“, sagte Hegseth.
Auch weitere Pentagon-Vertreter stellten am Donnerstag klar, dass die Hinrichtung live übertragen werden soll. Details sollten folgen.
Hegseths Ankündigung einer öffentlichen Hinrichtung wirft zusätzliche Fragen zur Anwendung der Todesstrafe in den USA auf. Hintergrund ist auch die fehlgeschlagene Tötung durch Giftspritze der Verurteilten Christa Pike in Tennessee.
"Wir sehen ihn am 3. Dezember"
„Er wird, wie es sein sollte, von einem Erschießungskommando von Soldaten getötet“, sagte Hegseth.
In einem Interview mit dem rechtsgerichteten Influencer Jack Posobiec wurde der Pentagon-Chef gefragt, ob Hasan einen letzten Wunsch geäußert habe. „Interessiert mich nicht. Wir sehen ihn am 3. Dezember“, antwortete Hegseth - an diesem Tag soll Hasan sterben.
Der zum Tode Verurteilte könnte sich gegen die Hinrichtung wehren und vor einem Zivilgericht eine Habeas-Petition einreichen, also einen Antrag auf Überprüfung der Rechtmäßigkeit seiner Inhaftierung. Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten könnte das die Durchführung der Todesstrafe deutlich verzögern.
„Sie könnte die amtierende Regierung faktisch überdauern. Und niemand weiß, ob die nächste Regierung dieselbe Einstellung zu Hinrichtungen haben wird“, sagte Eugene R. Fidell, Gastdozent an der Yale Law School und Spezialist für Militärrecht.
Deborah Denno, Jura-Professorin an der Fordham University, meint, eine Liveübertragung könnte das Verfahren „viel transparenter“ machen und die Öffentlichkeit über alle Aspekte der Todesstrafe informieren.
Diese Vorteile seien hilfreich in einer Phase, in der die missglückte Hinrichtung von Pike erneut Fragen dazu aufwerfe, wie Strafgefangene für ihre Verbrechen getötet werden. „Ich denke, es könnte eine gute Idee sein, weil es transparent wäre und die Öffentlichkeit genau wüsste, dass es passiert“, erklärte die Juristin.
Erschießungskommando als Zeichen von "Männlichkeit"
Viele US-Bundesstaaten haben inzwischen Probleme, Hinrichtungen mit der Giftspritze durchzuführen. Sie kommen nur schwer an die erforderlichen Medikamente und finden kaum medizinisches Personal, das mitwirkt. Deshalb gelten Erschießungskommandos zunehmend als weniger unmenschliche Alternative, sagt Brenner Fissell, Professor an der Villanova Law School und Vizepräsident des National Institute of Military Justice.
„Erschießungskommandos können eine schnellere, sauberere und präzisere Form der Hinrichtung sein“, so Brenner. „Ich glaube aber nicht, dass das hier der Antrieb ist. Mit Erschießungskommandos verbindet sich eine vermeintliche Männlichkeit und Militärnähe, die Teil jener Aura ist, die Hegseth betonen will - einer ‚lethality culture‘.“
Elisabeth Semel, Co-Direktorin der Death Penalty Clinic an der juristischen Fakultät der University of California in Berkeley, sieht in Hegseths Ankündigung zahlreiche rechtliche und politische Fragen. Es gehe um die Würde des Verurteilten, darum, wer die Hinrichtung sehen darf und was die Regierung Trump mit diesem ungewöhnlichen Spektakel bezweckt.
Obwohl seit Langem über die Idee einer im Fernsehen oder Internet übertragenen Hinrichtung diskutiert wird, „erinnere ich mich nicht an einen Fall, in dem die Initiative von der Regierung ausging. Das wirft ebenfalls gravierende Fragen nach den Motiven der Regierung auf“, sagte die Jura-Professorin.
„Dieser Präsident setzt auf Inszenierung, und genau das ist die Botschaft, die er nach meiner Auffassung vermitteln will“, so Semel. Sie bezweifelt, dass die Regierung die rechtlichen und gesellschaftlichen Folgen ihrer Entscheidung gründlich bedacht hat.
Medienberichten zufolge hat Trump, der die Hinrichtung Hasans genehmigte, sich kritisch zu öffentlichen Hinrichtungen im Iran geäußert. Er verwies dabei teils auf die Gefahr, dass Demonstrierende von der iranischen Führung getötet würden, und nutzte dies als Begründung für seine Entscheidung, Iran am 28. Februar 2026 anzugreifen.
US-Hinrichtungen nach Fehlversuch verstärkt unter Beobachtung
Texas hat unterdessen die erste Hinrichtung in den USA seit dem gescheiterten Giftspritzenversuch an der zum Tode verurteilten Christa Pike vollzogen. Dem 46-jährigen Jamaal Howard wurde am Mittwochabend eine tödliche Injektion verabreicht, kurz darauf wurde sein Tod festgestellt.
Howards Anwälte hatten beantragt, die Vollstreckung wegen des Falls Pike auszusetzen. Gerichte lehnten dies ab.
Für November sind zwei weitere Hinrichtungen geplant: es geht um die Todesurteile gegen John Rubio und Reinaldo Dennes.
Seit Jahresbeginn haben die US-Behörden 30 Menschen hingerichtet. Im Jahr 2025 erreichte die Zahl der Hinrichtungen mit 47 vollstreckten Todesurteilen den höchsten Stand seit 2009.