Loader
Finden Sie uns
Werbung

EU fordert von Russland Klarheit zu Pestfall in Sibirien

Die EU drängt Russland, Informationen zu dem mutmaßlichen Pestfall offenzulegen.
Die EU drängt Russland, Informationen zu dem mutmaßlichen Pestfall zu liefern. -  Copyright  Alexander Zemlianichenko/Copyright 2021 The AP. All rights reserved.
Copyright Alexander Zemlianichenko/Copyright 2021 The AP. All rights reserved.
Von Jorge Liboreiro
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Die EU, die USA und die WHO drängen Russland auf detaillierte Informationen zu einem mutmaßlichen Pestfall in Sibirien. Moskau weist die Kritik zurück – doch bislang fehlen wichtige Daten zur Einschätzung des Risikos.

Die EU-Kommission erhöht den Druck auf Russland, vollständige Informationen zu einem mutmaßlichen Pestfall in Sibirien vorzulegen. Damit schließt sie sich den Forderungen der USA und der Weltgesundheitsorganisation WHO nach mehr Transparenz an.

WERBUNG
WERBUNG

Moskau weist die Kritik zurück und versichert, es bestehe keine Gefahr eines Ausbruchs. "Ich sage es nun schon zum dritten Mal in dieser Woche im Presseraum: Russland sollte so schnell wie möglich Informationen zur Pest veröffentlichen", sagte am Donnerstag Eva Hrncirova, Gesundheitssprecherin der Kommission. "Wir haben nicht genügend Informationen, um die epidemiologische Lage einzuschätzen, das Risiko für andere Länder zu bewerten und, falls nötig, geeignete Maßnahmen zu ergreifen."

Die Äußerungen folgten einen Tag, nachdem die Kommission den EU-Gesundheitssicherheitsausschuss einberufen hatte. Dort kamen Vertreter der 27 Mitgliedstaaten mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der WHO zusammen. Der Ausschuss koordiniert die Reaktion der EU auf schwerwiegende grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohungen. Die nationalen Behörden können dort Informationen austauschen, Risiken bewerten und mögliche Maßnahmen besprechen. Die Sitzung am Mittwoch endete jedoch ohne konkrete Beschlüsse, da verlässliche Informationen aus Russland fehlten.

Die Kommission erklärte, sie könne den Ausschuss kurzfristig erneut einberufen, sollten neue Erkenntnisse vorliegen oder sich die Lage verschärfen. "Wir brauchen Informationen aus Russland", sagte Hrncirova. "Das gehört zu den Verpflichtungen, die sich aus der russischen Mitgliedschaft in der WHO-Region Europa ergeben: rechtzeitig präzise und verlässliche Daten zu liefern, damit Fachleute die Lage einschätzen können. Denn die Situation könnte grenzüberschreitende Folgen haben."

"Ganze Welt wartet auf Informationen aus Russland"

Nach eigenen Angaben wandte sich die EU-Vertretung in Moskau an das WHO-Büro in Russland, um die Bedenken zu übermitteln. Direkte diplomatische Kontakte zwischen Brüssel und Moskau gibt es seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine kaum noch. "Im Grunde wartet die ganze Welt auf Informationen aus Russland", fügte sie hinzu.

Bei dem Fall geht es um eine Labormitarbeiterin des Forschungsinstituts gegen die Pest in Irkutsk im Südosten Sibiriens. Sie starb am 2. Oktober unter ungeklärten Umständen. Zunächst führten die Behörden ihren Tod auf eine "Lungenentzündung unbekannter Ursache" zurück.

Das löste international Besorgnis und zahlreiche Nachfragen aus. Die Verbraucherschutz- und Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor betonte, die Mitarbeiterin sei "geimpft gewesen und habe Immunität gegen die gefährlichen Erreger gehabt, mit denen sie arbeitete".

Bei fast 5.000 Labortests seien keine gefährlichen Krankheitserreger nachgewiesen worden, teilte die Behörde mit. Mehr als 90 Prozent der Kontaktpersonen hätten nach strenger Überwachung die medizinische Beobachtung bereits abgeschlossen, hieß es weiter. Die WHO verlangte nähere Angaben zum Tod der Labormitarbeiterin, zu dem Erreger, der die Quarantänemaßnahmen ausgelöst hat, sowie zu einem gemeldeten zweiten Fall, den Moskau als "falsch" bezeichnet.

Auch die USA drängten Russland, genaue und zeitnahe Informationen zu liefern. US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe ein Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin angesetzt, um den mutmaßlichen Ausbruch zu besprechen. "Wir haben von der russischen Regierung offiziell zusätzliche Informationen angefordert. Gleichzeitig stehen wir mit anderen Staaten weltweit in offiziellem Austausch, um Daten auszutauschen", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

Die Lungenpest entsteht, wenn die Pestbakterien die Lunge befallen. Sie gilt als schwerste Form der Krankheit und kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Unbehandelt liegt die Sterblichkeitsrate je nach Ausbruch zwischen 30 und 100 Prozent.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Russland weist Transparenzforderungen zu Pestfall in Sibirien zurück

Lungenpest-Verdacht in Sibirien: Trump will Putin sprechen

4 Meter lang: Mysteriöse Schlangenhaut in deutscher Großstadt gefunden