Die Militärparade musste ohne jene Soldaten auskommen, die in der krisengeschüttelten Exklave Ceuta Dienst tun. Die Feierlichkeiten zum 12. Oktober, dem spanischen Nationalfeiertag, fanden am Montag inmitten einer politischen Krise statt. Jüngst hatte Ministerpräsident Sanchez Neuwahlen ausgerufen.
Ceuta ist eine spanische Exklave auf dem afrikanischen Kontinent, weit weg von Madrid. Dennoch war die jenseits des Mittelmeers brodelnde Krise in der spanischen Hauptstadt am Montag deutlich spürbar – obwohl keine Einheit aus Ceuta über den Paseo del Prado in Madrid marschierte. Hintergrund war die angespannte Sicherheitslage in der Exklave: Seit einer im Juli ausgebrochenen Krise hält das Verteidigungsministerium dort zusätzliche Kräfte bereit. Auslöser war die illegale Einreise Tausender Migranten aus Marokko.
König Felipe VI. und Königin Letizia verfolgten die Militärparade gemeinsam mit ihren Töchtern, Prinzessin Leonor und Infantin Sofía. Am folgenden Tag reiste das Königspaare nach Ceuta.
Wahlkampf liegt bereits in der Luft
Auch innenpolitisch stand der Nationalfeiertag unter besonderen Vorzeichen. Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte jüngst vorgezogene Parlamentswahlen für den 29. November angekündigt. Zum Zeitpunkt der Parade waren das Parlament bereits aufgelöst. Sánchez nahm dennoch an den Feierlichkeiten teil, wurde von Teilen des Publikums allerdings mit lautstarken Buhrufen und Pfiffen empfangen. Spanien ist polarisiert.
Besonderer Tag für Prinzessin Leonor
Für Kronprinzessin Leonor war es der erste Nationalfeiertag mit Militärparade, seit sie ihre dreijährige militärische Ausbildung abgeschlossen hat. Die Thronfolgerin stand damit besonders im Blickpunkt der Öffentlichkeit.
Für einen kurzen Moment sorgte allerdings ein Missgeschick für Aufregung: Leonor hätte fast den Orden vom Goldenen Vlies verloren. Bevor der zu Boden fallen konnte, griff König Felipe VI. ein und brachte die Auszeichnung wieder richtig an.
Neue Technik prägt die Militärschau
Bei strahlend blauem Himmel umfasste das Flugprogramm 82 Maschinen in 18 Formationen. Den Auftakt bildeten zwei F/A-18-Kampfflugzeuge des 15. Geschwaders. Zuvor hatten Fallschirmjäger den feierlichen Teil der Parade eröffnet. Angeführt wurde der Sprung von Oberstabsgefreitem José Antonio Lago, der eine 24 Quadratmeter große spanische Flagge mit sich zog. Unterstützt wurde er von Stabsfeldwebel Pablo García Matanza.
Am Boden standen vor allem neue militärische Systeme im Mittelpunkt. Erstmals waren drei Schützenpanzer vom Typ 8x8 Dragón des Heeres zu sehen. Hinzu kamen Fahrzeuge der Marineinfanterie, die mit dem Anti-Drohnen-System Aracne ausgestattet sind, sowie zwei Asturcón-Drohnen der militärischen Katastrophenschutzeinheit UME.
Die Neuerungen verdeutlichen, welche Bedeutung unbemannte Fluggeräte und deren Abwehr inzwischen für die Streitkräfte haben. Der Krieg in der Ukraine hat die militärische Nutzung von Drohnen und die Notwendigkeit entsprechender Schutzsysteme verstärkt in den Fokus gerückt.
Empfang im Königspalast
Die Parade verband militärische Tradition mit aktuellen politischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen. Während neue Waffensysteme den technologischen Wandel der Streitkräfte zeigen, machte das Fehlen der Einheiten aus Ceuta deutlich, wie sehr die angespannte Lage an Spaniens nordafrikanischer Grenze inzwischen auch die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag prägt.