Finden Sie uns
Werbung

Brandanschlag auf Starlink-Stützpunkt: Spur führt zu russischem Geheimdienst

Vasts Raumstation Haven-1 (mit angedockter Dragon-Kapsel) verbindet sich per Laserterminals mit dem Starlink-Satellitennetz von SpaceX. (Illustration: Vast)
Die Raumstation Haven‑1 des Unternehmens Vast mit angedockter Dragon-Kapsel, vernetzt über Laserterminals mit dem Starlink-Satellitennetz von SpaceX. (Illustration: Vast) -  Copyright  Business Wire
Copyright Business Wire
Von Aleksandra Galka Reczko
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Hinter dem Brandanschlag auf eine Starlink-Station in Polen könnte laut „Der Spiegel“ eine türkische Mafia-Gruppe stecken, die wohl im Auftrag russischer Dienste handelte.

Der Brandanschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen nimmt immer größere Dimensionen an. Laut „Der Spiegel“ könnte eine türkische Mafia-Gruppe dahinter stecken, die wohl im Auftrag russischer Dienste handelte.

WERBUNG
WERBUNG

Brandanschlag auf Starlink-Bodensation

Rückblick: Am Abend des 23. September ist in Masowien, rund 50 Kilometer südlich von Warschau, eine bodengebundene Starlink-Satellitenstation in Brand geraten. Vor allem die Stromversorgung – die Umspannstation und ein Stromgenerator – geriet in Brand. Feuerwehrleute kämpften mehr als sechs Stunden gegen die Flammen. Die Anlage, an der unter anderem der staatliche Telekommunikationsanbieter Exatel beteiligt ist, spielt eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Internetverkehr, darunter Verbindungen, die die ukrainischen Streitkräfte nutzen. Starlink gilt als Schlüssel für die Koordination der ukrainischen Verteidigung im Krieg gegen Russland.

Die polnischen Behörden stuften den Brand nahezu sofort als gezielten Sabotageakt ein. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Sabotage sowie eines mutmaßlichen terroristischen Delikts im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes ein. Der Inlandsgeheimdienst ABW und die Polizei sicherten DNA-Spuren, Fingerabdrücke und Aufnahmen von Überwachungskameras und rekonstruierten die Route der Täter.

Festnahmen in Deutschland

Nach Angaben des ABW erhoben die polnischen Ermittler auf Basis der gesammelten Beweise am 7. Oktober Anklagepunkte, stellten Haftbefehle aus und anschließend Europäische Haftbefehle. Am 12. Oktober nahmen deutsche Sicherheitsbehörden – das BKA, die Polizei in Baden-Württemberg und der Verfassungsschutz BfV – die beiden Männer fest. Einen Tag später ordnete ein deutsches Gericht Untersuchungshaft an. Die Vorbereitung ihrer Überstellung nach Polen läuft. Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten unter anderem elektronische Geräte, Waffen und Munition sicher.

Über die Festnahme der zwei türkischen Staatsbürger, die für den Brandanschlag auf die Starlink-Station in Wola Krobowska verantwortlich sein sollen, informierte am Montag, dem 12. Oktober, Polens Innenminister Marcin Kierwiński. Er kündigte an, die Verdächtigen würden sich in Polen wegen Sabotage im Auftrag eines fremden Geheimdienstes vor Gericht verantworten müssen.

Die Festnahmen betrafen zwei türkische Staatsbürger: den 38-jährigen Ümit E. und den 34-jährigen Müslüm T. Sie wurden in Nürtingen nahe Stuttgart in der Nähe des Bahnhofs gefasst.

Einer der Männer hatte in Deutschland einen regulären Aufenthaltsstatus, der andere war zur Ausreise verpflichtet. Beide sitzen nun in Untersuchungshaft. Über ihre Auslieferung nach Polen entscheidet das Oberlandesgericht Stuttgart. Die polnischen Behörden werfen ihnen einen Sabotageakt und Tätigkeit für einen ausländischen Geheimdienst vor. Darauf stehen in Polen Freiheitsstrafen von zehn Jahren bis hin zu lebenslanger Haft.

Nach Erkenntnissen von ABW und Polizei lebten die Verdächtigen dauerhaft in Deutschland. Am 23. September reisten sie über den Grenzübergang Świecko nach Polen ein, stoppten zunächst in Łódź und fuhren anschließend nach Wola Krobowska. Nach dem Brandanschlag kehrten sie nach Deutschland zurück. Deutsche Medien, darunter die „Schwäbische Zeitung“, berichteten, die Männer seien mit einem Mini Clubman mit deutschen Kennzeichen aus der Region Karlsruhe unterwegs gewesen. Das Auto war auf eine Firma in Bad Schönborn zugelassen und wurde von einer jungen Türkin im Alter von etwa 24 Jahren gesteuert.

ABW, die Zentralstelle zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (CBŚP) und die Staatsanwaltschaft rekonstruierten den Tatablauf und kamen zu dem Schluss, dass es sich um Brandstiftung handelte. „Die gesicherten Videoaufnahmen zeigen, dass zwei maskierte Personen den Zaun des Geländes überwanden, eine brennbare Flüssigkeit verteilten und die Steuerungsgeräte der Anlage anzündeten. Nach etwa drei Minuten verließen sie das Stationsgelände“, heißt es in einer Mitteilung des ABW.

Nach Recherchen der Zeitung „Rzeczpospolita“ kontrollierte eine polnische Streife die Männer am nächsten Tag in der Gegend von Grójec, ließ sie jedoch wieder fahren. Später soll ein Taxifahrer, der sie in Warschau beförderte, ein Gespräch über eine „Operation“, eine „Basis“ und einen „Satelliten“ mitgehört, aufgenommen und der Polizei übergeben haben.

In dem Verfahren nahmen die Ermittler weitere Personen fest, darunter einen Verdächtigen, der die Logistik im Berliner Stadtteil Spandau unterstützt haben soll, sowie nach einigen Berichten eine Frau, die beim Transport geholfen haben soll. Insgesamt ist von drei bis vier Personen die Rede. Das Verfahren umfasst auch die frühere Auskundschaftung der Anlage.

Ministerpräsident Donald Tusk nannte den Vorfall einen weiteren Akt hybrider Kriegsführung. Der Koordinator der Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, erklärte, es bestehe „kein Zweifel, dass hinter diesem Sabotageakt die russischen Geheimdienste stehen“. Russland greife demnach immer häufiger auf Personen aus dem kriminellen Milieu zurück.

Spur führt zu türkischer Mafia-Bande

Das Magazin „Der Spiegel“ berichtet nun unter Berufung auf übereinstimmende Quellen aus mehreren Ländern, die Spur führe zu einer türkischen Bande der organisierten Kriminalität, die unter dem Namen „Daltonlar“ bekannt ist. Die beiden Männer könnten dieser Gruppe angehört oder in ihrem Auftrag gehandelt haben. Die „Daltonlar“ sollen ihrerseits einen Auftrag der russischen Geheimdienste erhalten haben.

Die „Daltonlar“ gelten als eine der stärksten und brutalsten kriminellen Gruppierungen Europas. Sie agieren nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland und anderen Ländern. Sie sollen Schutzgelderpressung, Waffenhandel und Auftragsmorde organisieren. Ihr mutmaßlicher Anführer, Beratcan Gökdemir, genannt „Can Dalton“, etwa 29 Jahre alt, wurde 2024 in Russland festgenommen. Wie „Der Spiegel“ schreibt, verlangte die Türkei seine Auslieferung. Nach Einschätzung deutscher Sicherheitsbehörden erlaubten ihm die russischen Behörden jedoch, weiter zu agieren, und stellten ihn unter Schutz. Experten gingen davon aus, dass der Kreml dafür eine Gegenleistung erwartete. Ob Gökdemir sich derzeit noch in Russland aufhält, ist unklar.

„Der Spiegel“ betont, ein nachgewiesener Beteiligung der „Daltonlar“ würde auf einen Strategiewechsel der russischen Geheimdienste hindeuten. Bisher nutzten sie bei Sabotageakten in Europa vor allem fest angestellte Agenten sowie sogenannte Agenten niedriger Stufe – kleinere Kriminelle, die für wenig Geld und ohne vollständige Kenntnis der Hintermänner agierten. Nun scheinen professionelle Strukturen der organisierten Kriminalität eingebunden zu werden.

Warnungen aus dem deutschen Innenministerium

Die Zeitung erinnert daran, dass das deutsche Bundesinnenministerium bereits im Mai 2026 in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen davor warnte, die Zusammenarbeit russischer Dienste mit Akteuren der organisierten Kriminalität eigne sich besonders für „Sabotage- oder Tötungsoperationen“. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, warnte vor einem wachsenden Gefahrenpotenzial. Dabei werde „das gesamte Instrumentarium von Angriffsformen und Akteuren genutzt und koordiniert“. Er nannte Russland nicht ausdrücklich, unterstrich jedoch, dass verschiedene Mittel und Akteure abgestimmt vorgingen und mögliche Todesopfer als Kollateralschäden einkalkuliert würden.

Am 9. Oktober 2026 kam es auch in Bulgarien zu einem Brand auf dem Gelände einer Starlink-Station.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Ukraine drängt auf europäische Alternativen zu US-Luftabwehr und Starlink

Nach Starlink-Brand in Polen: Russische Saboteure in Deutschland festgenommen?

Polen: Brand an Starlink-Station – Vizepremier schließt Sabotage nicht aus