Ein geplanter 5-Mrd.-Dollar-Gasring (4,45 Mrd. Euro) soll fünf zentralasiatische Staaten verbinden, Lieferungen teilen und Winterbedarf decken. Finanzierung und Abkommen der Regierungen sind noch offen.
Der Central Asia Gas Ring soll Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan über mehr als 3.000 Kilometer neuer und modernisierter Pipelines miteinander verbinden.
Der Vorschlag wurde auf dem zweiten Central Asia Oil and Gas Forum in Taschkent beraten.
Der kasachische Energieexperte Askar Ismailov hatte die Idee erstmals auf der Auftaktveranstaltung des Forums im Jahr 2025 vorgestellt.
Er schätzt, dass die zentrale Infrastruktur rund 5 Mrd. US-Dollar (4,46 Mrd. Euro) kosten würde. Davon entfielen 2 Mrd. US-Dollar (1,78 Mrd. Euro) auf Neubauten und 3 Mrd. US-Dollar (2,68 Mrd. Euro) auf Modernisierung und Digitalisierung. Das Netz könnte nach seinen Angaben etwa 20 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren.
Gemeinsames Gasnetz: fünf Länder könnten profitieren
Der Plan trägt den unterschiedlichen Gasvorkommen, Infrastrukturen und Nachfragestrukturen in Zentralasien Rechnung. Turkmenistan mit seinen großen Reserven könnte zusätzliche Abnehmer in der Region gewinnen. Die anderen Länder bekämen mehr Versorgungsoptionen.
Ismailov berät inzwischen das in Genf ansässige Global Gas Centre, eine gemeinnützige Plattform für Führungskräfte und Fachleute der Gasbranche. Das Zentrum treibt den Vorschlag aktiv voran.
„Das Gas-Ring-Projekt ist sehr interessant, denn es erhöht die Versorgungssicherheit in allen beteiligten Ländern“, sagte die Geschäftsführerin des Zentrums, Valérie Ducrot, gegenüber Euronews.
Usbekistan ist zugleich ein großer Gasproduzent und -verbraucher; im Winter steigt der Bedarf deutlich. Auch Kasachstan fördert Gas, doch ein Großteil der Vorkommen liegt im Westen, fern der großen Ballungsräume.
Kirgisistan ist auf Gasimporte angewiesen. Tadschikistan erzeugt den Großteil seines Stroms aus Wasserkraft, importiert aber ebenfalls Gas. Nach Angaben des Energieministeriums bezog das Land im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 126,4 Millionen Kubikmeter Gas aus Usbekistan.
Die Länder handeln bereits grenzüberschreitend mit Gas. Der geplante Ring würde auf diesen Verbindungen aufsetzen, neue Abschnitte ergänzen und bestehende Leitungen modernisieren. So ließen sich Gasströme flexibler steuern.
„Wenn Usbekistan oder andere zentralasiatische Staaten wie Kirgisistan oder Tadschikistan im Winter mehr Gas benötigen, können wir die Flüsse umkehren“, erklärte Assylbek Jakiyev, Vorsitzender des Branchenverbands PetroCouncil Kazakhstan.
Er beschrieb damit die technische Möglichkeit von sogenannten Reverse-Flows, nicht eine bereits vereinbarte Betriebsweise.
Vom Konzept zur Investition
Ismailov berichtet, dass der staatliche usbekische Öl- und Gaskonzern Uzbekneftegaz nach Vorgesprächen Interesse signalisiert hat.
Außerdem habe das Global Gas Centre im Mai eine Absichtserklärung mit den Behörden von Karakalpakstan unterzeichnet, einer autonomen Republik innerhalb Usbekistans.
Er verweist auf Gespräche mit potenziellen Investoren aus China und dem Nahen Osten.
Über die Finanzierung hinaus braucht das Vorhaben Vereinbarungen zu Liefermengen, Transitregeln und zum Betrieb der miteinander verbundenen Leitungen. Dazu gehört auch, welche Abschnitte Gas in beide Richtungen transportieren können.
Eine endgültige Finanzierungsstruktur, eine Einigung aller fünf Regierungen oder ein Zeitplan für den Bau liegen öffentlich noch nicht vor. Kosten und Kapazitäten basieren weiterhin auf Schätzungen der Befürworter des Projekts.
Usbekistan baut Exploration aus, Gasförderung sinkt
Usbekistan will neben neuen regionalen Verbindungen die heimische Gasförderung stärken. Große Industrieunternehmen erzeugten von Januar bis August 2026 insgesamt 24,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das sind laut amtlicher Statistik 16,3 % weniger als im Vorjahreszeitraum.
Bei einer Auswertung im Oktober meldeten die Behörden, in diesem Jahr seien fünf neue Gas-Kondensat-Lagerstätten entdeckt worden. Zwischen Januar und September wurden 80 Bohrungen abgeteuft, weitere 40 sind für das letzte Quartal geplant.
„Erdgas bleibt ein Eckpfeiler des usbekischen Energiesystems“, sagte Denis Borodenok von UNG Overseas, einer hundertprozentigen Tochter von Uzbekneftegaz und Mitveranstalter des Forums in Taschkent.
Die Regierung treibt außerdem die Tiefenexploration in der Ustyurt-Region voran und ergreift Maßnahmen, um die Förderung aus bestehenden Feldern zu steigern.
Inländische Bohrungen und grenzüberschreitende Verbindungen decken unterschiedliche Aspekte der Energiesicherheit ab: Sie sollen die Produktion erhöhen und die Verteilung der Lieferungen erleichtern.
Breitere Energieverbindungen mit Aserbaidschan und Europa
Auf dem Forum in Taschkent ging es auch um Möglichkeiten, die Energieverbindungen zwischen Zentralasien, Aserbaidschan und den europäischen Märkten auszubauen.
Assylbek Jakiyev von PetroCouncil Kazakhstan erklärte, eine engere Zusammenarbeit mit Aserbaidschan und der EU könne den Produzenten in Zentralasien helfen, ihre Exportmengen an Öl und Gas zu steigern.
Einige Partnerschaften nehmen bereits konkrete Formen an. Die aserbaidschanische SOCAR, der britische Energiekonzern BP und Uzbekneftegaz arbeiten in einem Öl- und Gasexplorationsprojekt in der usbekischen Ustyurt-Region zusammen.
Aserbaidschan liefert zudem über den Südlichen Gaskorridor Erdgas in EU-Staaten. Die Lieferungen erreichten nach Angaben der Europäischen Kommission im Jahr 2025 ein Volumen von 12,5 Milliarden Kubikmetern. Die EU und Aserbaidschan bestätigten ihre umfassendere Energiepartnerschaft im März 2026 erneut.