CEO Grzegorz Brona warnte, Europa könne noch jahrelang auf US-Raketen angewiesen sein, um seine Satelliten in den Orbit zu bringen.
Der polnische Satellitenhersteller Creotech Instruments will seine Produktionskapazität bis 2029 verzehnfachen, sagte Geschäftsführer Grzegorz Brona im Gespräch mit Reuters. Zugleich warnte er, Europa werde noch jahrelang auf US-Raketen angewiesen sein, um seine Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen.
Das Unternehmen plant, 2029 ein neues Werk in der Woiwodschaft Masowien zu eröffnen. Dort sollen jährlich bis zu 40 Satelliten verschiedener Modelle oder 100 Einheiten eines einzelnen Typs entstehen. Am bisherigen Standort in Piaseczno bei Warschau schafft Creotech derzeit nur zehn Satelliten pro Jahr.
Bronas Aussagen fallen in eine Phase, in der Europa seine Abhängigkeit von US-Technologie verringern will.
Zwei Tage vor dem Interview wurde bekannt, dass Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX auf Anordnung des Weißen Hauses den Zugang der Ukraine zu Starshield, der militärischen Variante des Satellitennetzes Starlink, einschränken sollte.
Donald Trump sagte anschließend: „Ich war es nicht, und ich glaube nicht, dass es Elon war. Ich weiß nicht, ob es überhaupt jemand war. Soweit ich verstehe, ist alles wie immer.“
Die Unklarheit über die Verantwortlichen bereitet bereits Sorgen. Noch schwerer wiegt für europäische Staats- und Regierungschefs jedoch die Aussicht, dass eine Regierung Trump US-Technologie als politisches Druckmittel gegen Verbündete einsetzen könnte.
Beim Raketenstart hinkt Europa den USA deutlich hinterher. Von weltweit 324 orbitalen Starts im vergangenen Jahr entfielen nur acht auf Europa, aber 193 auf die USA. Allein Starlink stellt nach Angaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA über 60 Prozent der aktiven Satelliten.
Auf die Frage, ob die europäische Industrie ein Gegengewicht zu Starlink schaffen könne, sagte Brona, der Kontinent könne zwar Tausende Satelliten bauen, hätte aber niemanden, der sie ins All bringe.
„Trägerraketen entwickeln sich inzwischen zu einem Mittel politischen Drucks auf die Europäische Union in den Händen der Regierung von US-Präsident Donald Trump“, sagte er.
Creotech baut selbst keine Raketen. Das Unternehmen verzichtet in seinen Satelliten bewusst auf US-Technologie, um amerikanische Rüstungsexportvorschriften zu umgehen. Nach diesen Regeln kann Washington den Verkauf von Satelliten blockieren, die auch nur ein kleines US-Bauteil enthalten.
Dennoch ist Creotech weiterhin auf US-Trägerraketen angewiesen. SpaceX brachte alle vier Satelliten ins All, die Creotech für Polens Militärprogramm MikroGlob gebaut hat.
Europa will Startkapazitäten ausbauen
Europa versucht, seine Startkapazitäten auf mehreren Wegen zu erhöhen.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA kündigte im September an, sie prüfe eine Ausweitung der Starts ihrer Raketen Ariane 6 und Vega-C in den kommenden Jahren. Dadurch sollen mögliche Engpässe bei Satellitenstarts vermieden werden.
ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher betonte, eine Entscheidung sei bald nötig, da die Nachfrage deutlich steigen dürfte.
Der Betreiber der Ariane-6-Rakete, Arianespace, plant ab 2027 jährlich neun oder zehn Starts.
Unterdessen erklärte der EU-Kommissar für Verteidigung und Weltraum, Andrius Kubilius, die EU wolle die Zahl der staatlichen Satelliten von 80 auf 630 erhöhen und bis 2034 jährlich 62 Starts von Standorten in Europa und Kanada durchführen.
Damit soll der erwartete Bedarf der EU-Programme Galileo zur Satellitennavigation und Copernicus zur Erdbeobachtung gedeckt werden.
Aschbacher schlug zudem einen zehnjährigen Plan mit einem Volumen von zehn Milliarden Euro vor, um bis zur Stilllegung der Internationalen Raumstation Ende 2030 oder Anfang 2031 ein unabhängiges europäisches Raumfahrzeug für bemannte Missionen und ein Rückholsystem zu entwickeln.
Im März startete die ESA die European Launcher Challenge, die private Firmen und Start-ups beim Aufbau eigener Startdienste unterstützen soll.
Zu den Initiativen gehören Pläne für kommerzielle Weltraumbahnhöfe wie SaxaVord in Schottland und Andøya in Norwegen. Unternehmen wie Isar Aerospace und Rocket Factory Augsburg wollen zudem das Angebot an Trägerraketen für kleinere und mittlere Nutzlasten ausbauen.
Creotech plant weitere Expansion
Creotech Instruments fertigt derzeit Klein- und Mikrosatelliten, die in der Regel zwischen zehn Kilogramm und mehreren Dutzend Kilo wiegen. Grundlage ist die eigene modulare Plattformfamilie Hypersat.
Zum Portfolio gehören die Erdbeobachtungsplattform HyperSat sowie die Modelle Seagull, Eagle 2.0 und Nano 2.0, die PIAST-Konstellation und die MikroGlob-Konstellation, die für die polnische Rüstungsagentur entwickelt und in diesem Monat gestartet wurden.
Das Unternehmen arbeitet auch mit der ESA zusammen und liefert Plattformen und Teilsysteme für Missionen wie Comet Interceptor, JUICE (Jupiter Icy Moons Explorer), LISA (Laser Interferometer Space Antenna), das Plasma Observatory und die Mondmission Twardowski zur Kartierung der Mondoberfläche.
Brona kündigte zudem an, Creotech werde in den kommenden Wochen Tochtergesellschaften in Frankreich und Deutschland eröffnen. Bis 2032 strebt das Unternehmen die Fertigung von Satelliten mit einem Gewicht von bis zu 500 Kilogramm an.