Klimaversprechen reichen nicht: Oxfam zeigt, wie Superreiche an Umweltkatastrophen Milliarden verdienen.
Ein neuer UN-Bericht zeigt: Mit den derzeitigen Klimazusagen der Staaten bleibt der globale Temperaturanstieg nicht im sicheren Bereich.
Nach den jüngsten Plänen sinken die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2035 im Vergleich zu 2019 nur um sechs Prozent.
Damit liegt die Prognose deutlich unter den zehn Prozent, die im vergangenen Jahr erwartet wurden. Hauptgrund ist der Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen. Von den rund 60 Prozent, die Forschende für nötig halten, um die Erwärmung auf anderthalb Grad Celsius zu begrenzen – die Schwelle, ab der katastrophale und irreversible Klimafolgen drohen –, ist die Welt jedoch weit entfernt.
Der Bericht fasst die Zusagen von 154 Staaten zusammen und erfasst damit 71 Prozent der weltweiten Emissionen. Selbst wenn alle Länder ihre verbindlichen Pläne aus dem Pariser Abkommen vollständig umsetzen und auch ihre zusätzlichen, an Bedingungen geknüpften Ziele erreichen, würden die Emissionen nur um neun Prozent zurückgehen.
Um die Erwärmung zumindest unter der Auffanggrenze des Pariser Abkommens von zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu halten, müssten die Emissionen bis 2035 um 37 Prozent sinken.
Selbst bei erfolgreichen Klimaschutzbemühungen rechnet die UN nach einer Warnung von Anfang des Monats mit einem zeitweisen oder womöglich länger anhaltenden Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze. Die Nachricht führte zu einer EU-Warnung, dass sich Länder auf einen möglichen Temperaturanstieg von bis zu drei Grad bis 2100 vorbereiten müssen.
Können private Investoren die Erderwärmung bremsen?
Ein zweiter Bericht, ebenfalls am 27. Oktober veröffentlicht, zeigt, dass die weltweite Klimafinanzierung zwar steigt, aber noch weit hinter dem notwendigen Umfang zurückbleibt.
Im Zeitraum 2023 bis 2024 lag die globale Klimafinanzierung im Schnitt bei 1,9 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) pro Jahr – ein Plus von 32 Prozent gegenüber 2021 bis 2022. Wachstumstreiber waren vor allem private Investitionen in emissionsarme Technologien, darunter erneuerbare Energien, sowie Ausgaben von Haushalte für Elektroautos, Solarstrom und Wärmepumpen.
Also stellt sich die Frage: Kann privates Kapital die Lücke füllen, die Regierungen offenlassen?
Ein separater Bericht (Quelle auf Englisch) der Hilfsorganisation Oxfam, veröffentlicht im Vorfeld der Klimakonferenz COP31 in Türkiye, kommt zu dem Schluss, dass die Anreize für die reichsten Anleger sie oft in die falsche Richtung lenken.
Die Superreichen heizen die Klimakrise nicht nur durch stark verschmutzende Aktivitäten an. Oxfam wirft ihnen zudem vor, aus dem Leid anderer Profit zu schlagen – teils sogar mit einer „Doppeldividende“: zuerst durch Branchen, die den Klimakollaps vorantreiben, dann durch Geschäfte mit Vorsorge und Wiederaufbau nach Katastrophen.
Klimakrise als Geschäft: Wie Superreiche profitieren
Oxfams neuer „Destroy and Rebuild Index“ im Bericht „Disaster Divide: How climate chaos deepens inequality and enriches the few“ untersucht 217 Unternehmen. Einige stammen aus Branchen, die die Klimazerstörung vorantreiben, andere aus Sektoren, die sich auf Klimakatastrophen vorbereiten oder nach Unwettern wiederaufbauen.
Die im Index erfassten Firmen erwirtschafteten 2025 im Schnitt einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) und zahlten durchschnittlich mehr als 1 Milliarde Dollar an ihre Aktionäre aus. Der globale Markt für Katastrophenmanagement und Wiederaufbau soll bis 2029 von 70 Milliarden Dollar (63 Milliarden Euro) auf 92 Milliarden Dollar (84 Milliarden Euro) pro Jahr wachsen.
Oxfam beziffert die mit den Anlagen der weltweit 1.000 reichsten Milliardäre verbundenen Emissionen für 2025 auf 486 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Wären sie ein Staat, lägen sie damit auf Rang 19 der größten Emittenten weltweit. 71 Prozent ihrer Investitionen fließen in stark verschmutzende Sektoren wie Öl, Gas und Chemie.
Emissionen der Superreichen: Verbindung zu Millionen Todesfällen
Nach Angaben von Oxfam tragen die Reichsten zudem überproportional zur Klimabelastung bei. Das reichste 0,1 Prozent – rund acht Millionen Menschen – verursacht mehr Emissionen als die ärmsten 44 Prozent der Menschheit zusammen, also etwa 3,5 Milliarden Menschen.
Den Berechnungen zufolge gehen seit 1990 rund 20 Prozent der globalen Erwärmung auf das Konto des reichsten einen Prozents. Ein einziges Jahr ihrer Emissionen wird dem Bericht zufolge im Verlauf des kommenden Jahrhunderts zu schätzungsweise 1,9 Millionen zusätzlichen hitzebedingten Todesfällen führen.
Die Organisation bezeichnet Klimakatastrophen als „Ungleichheitsmaschinen“ und verweist auf Forschung (Quelle auf Englisch), die in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist: In Ländern mit stärkerer sozialer Ungleichheit sind die Todeszahlen nach Überschwemmungen demnach siebenmal höher.
Zugleich können sich Reiche deutlich besser schützen – sie kaufen sicherere Häuser, engagieren private Feuerwehren, verkraften höhere Lebensmittelpreise und versichern ihr Eigentum. Ärmeren Menschen bleibt das meist verwehrt; sie wohnen häufiger in gefährdeten Gebieten und in schlechteren Gebäuden und verfügen über nur geringe Rücklagen.
Oxfam fordert Regierungen auf, die Emissionen der Superreichen einschließlich der mit ihren Investitionen verbundenen Ausstöße zu begrenzen, wohlhabende Länder zu deutlich mehr Zuschussfinanzierung für Anpassung zu verpflichten und Profite aus Klimakatastrophen zu beenden.