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„Hybride Kriegswaffe“: wie Klimadesinformation zur Gesundheitsgefahr wird

Eine Pferdekopfpumpe fördert am 18. März 2022 Rohöl auf einem Ölfeld im niedersächsischen Emlichheim.
Ein Pumpjack fördert Rohöl in einem Ölfeld bei Emlichheim in Deutschland, am 18. März 2022. -  Copyright  Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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„Klimadesinformation besteht nicht nur aus Gerüchten und Unwahrheiten. Dahinter stecken auch Machtfragen, Anreize und fehlende Verantwortung.“

Mitgliedstaaten der WHO stehen unter Druck, Klimadesinformation als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit anzuerkennen. Interessengruppen mit eigenen Interessen versuchen, „Zweifel und Verwirrung zu säen“.

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Gesundheitsorganisationen und zivilgesellschaftliche Gruppen fordern 194 Staaten auf, Informationsintegrität zu einem Kernelement der Klima- und Gesundheitspolitik sowie der Vorbereitung und Reaktion zu machen.

Der Appell knüpft an eine von der EU unterstützte Grundsatz-Erklärung an, die Falschmeldungen und Verschwörungstheorien eindämmen soll und im vergangenen Jahr beim COP30-Gipfel in Belém vorgestellt wurde.

Ein neuer Bericht mit dem Titel „Protecting Health in the Age of Climate Disinformation“ gilt als die erste umfassende Analyse der Gesundheitsgemeinschaft, wie Klimadesinformation die Gesundheit von Menschen weltweit schädigt – von der Untergrabung von Warnungen und Empfehlungen bis hin zur Verzögerung von Maßnahmen gegen Luftverschmutzung, saubere Energie und fossile Brennstoffe.

Der Bericht, erarbeitet von der WHO Civil Society Working Group on Climate and Health, betont, dass ein „gesünderes Informationsumfeld“ kein Luxus in der Kommunikation sei, sondern eine „Voraussetzung für Klimagerechtigkeit, öffentliche Gesundheit und das Recht auf eine gesunde Zukunft“.

Was ist Klimadesinformation?

Klimadesinformation meint die absichtliche Verbreitung falscher oder irreführender Informationen über den Klimawandel und Klimaschutz.

Dazu gehört die komplette Leugnung der Erderwärmung ebenso wie Verschwörungstheorien.

Sie unterscheidet sich von Fehlinformationen: Damit sind falsche oder aus dem Zusammenhang gerissene Informationen gemeint, die jemand als Fakten präsentiert.

Fehlinformationen entstehen nicht zwingend mit derselben Absicht wie Desinformation. Die Folgen können aber genauso gefährlich sein.

Wie Klimadesinformation die Gesundheit beeinflusst

Der Bericht stellt mehrere Fallstudien vor, in denen Klimadesinformation mit bestehenden Ungleichheiten und Machtstrukturen zusammenspielt.

So kursierten nach den Waldbränden auf Maui im Jahr 2023 online falsche Behauptungen, Bewohnerinnen und Bewohner müssten befürchten, dass ihnen die Katastrophenschutzbehörde FEMA Land oder Eigentum entzieht, wenn sie Hilfe beantragen.

Faktenchecker stellten klar, dass diese Behauptungen falsch waren. Das Gerücht konnte aber Überlebende davon abhalten, genau in dem Moment Hilfe zu suchen, in dem sie Unterstützung bei Unterkunft, Finanzen, medizinischer Versorgung und beim Wiederaufbau brauchten.

„In einer Katastrophensituation ist Fehlinformation nicht nur verwirrend“, heißt es in dem Bericht (Quelle auf Englisch). „Sie kann den Zugang zu lebensrettender und stabilisierender Unterstützung direkt blockieren.“

In Europa geraten Maßnahmen für saubere Luft wie Umweltzonen, die Menschen vor schädlichen Abgasen schützen sollen, häufig ins Visier irreführender Erzählungen.

Die Debatte um Londons Ultra Low Emissions Zone (ULEZ), die Gebühren für Fahrzeuge erhebt, die die Emissionsstandards nicht erfüllen, dreht sich auch um Fragen der Bezahlbarkeit und Umsetzung, besonders für einkommensschwache Haushalte, Beschäftigte, kleine Unternehmen und Menschen, die auf ältere Autos angewiesen sind.

Der Bericht hält jedoch fest, dass solche Sorgen „verstärkt und verzerrt“ wurden – durch Fehlinformationen, politisch motivierte Angriffe auf wissenschaftliche Erkenntnisse zur Luftqualität, erfundene Behauptungen in sozialen Medien und in manchen Fällen sogar gewaltsame Angriffe auf ULEZ-Infrastruktur.

„Die Gegenreaktion auf ULEZ zeigt, wie Desinformation eine Maßnahme für die öffentliche Gesundheit in ein Kulturkampfthema verwandeln kann“, heißt es weiter.

„Statt darüber zu diskutieren, wie sich Luftverschmutzung verringern lässt und gleichzeitig diejenigen geschützt werden, die die Kosten des Umstiegs am wenigsten tragen können, lenken Fehlinformationen den Fokus auf Angst, Misstrauen und falsche Behauptungen. Dadurch kann die Unterstützung für Maßnahmen erodieren, die Lungen, Herzen, Schwangerschaften, Kinder und besonders belastete Gemeinschaften vor verschmutzter Luft schützen.“

Weitere Fallstudien zeigen, welche Interessen und Machtstrukturen „Desinformation gedeihen lassen“. Genannt werden etwa Greenwashing durch die fossile Energiewirtschaft und Interessenkonflikte.

Dr. Jeni Miller, Geschäftsführerin der Global Climate and Health Alliance und Co-Vorsitzende der WHO Civil Society Working Group on Climate and Health, fordert, dass Regierungen Instrumente zum Umgang mit Fehl- und Desinformation in ihre Vorbereitung und Kommunikation zu Hitzewellen, Waldbränden, Überschwemmungen, Stürmen, Dürren und Infektionskrankheiten integrieren.

„Klimadesinformation ist nicht nur ein Problem falscher Gerüchte und Unwahrheiten. Es ist auch ein Problem von Macht, Anreizen und fehlender Rechenschaft“, sagt Miller.

„Die WHO, ihre Mitgliedstaaten, Gesundheitsinstitutionen und die Gesundheitscommunity dürfen sich nicht darauf beschränken, bessere Informationen und Botschaften zu liefern. Sie müssen starke Regeln gegen Interessenkonflikte schaffen – gegen Greenwashing durch fossile Energiekonzerne und gegen Akteure, die Klimadesinformation als hybride Waffe im Krieg einsetzen.“

Dr. Laura Jung, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Umwelt der World Medical Association, warnt, dass die Folgen von Klimadesinformation für die öffentliche Gesundheit „unmittelbar“ sein können.

„Irreführende Informationen können Menschen etwa davon abhalten, bei Waldbränden oder Überschwemmungen zu fliehen. Sie können das Vertrauen in Warnungen vor Hitze oder Luftverschmutzung untergraben, den Zugang zu Katastrophenhilfe erschweren und in Notlagen Verwirrung über Gesundheitsrisiken stiften“, erklärt sie.

Klimadesinformation erkennen

Als Teil der Bemühungen gegen Falschmeldungen startete die Generaldirektion Klimapolitik der Europäischen Kommission kürzlich die Kampagne #ClimateFactsMatter.

Sie soll Menschen „befähigen“, Klimadesinformation zu durchschauen, und legt offen, mit welchen zentralen Techniken die Öffentlichkeit in die Irre geführt wird.

Die Kampagne ruft die Öffentlichkeit dazu auf, stets die Quelle eines Artikels zu prüfen, Kommentare vermeintlicher „Expertinnen und Experten“ zu überprüfen, auf emotional aufgeladene Sprache zu achten und Berichte zu hinterfragen, die schnelle Lösungen für die Klimakrise versprechen.

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