Frank S. wurde zu 12 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Mit System hat der 69-Jährige aus Berlin 14 Frauen betäubt und vergewaltigt und die Taten gefilmt. In einem Folgeprozess sollen 44 weitere Fälle aufgeklärt werden.
Am Ende hieß es 12 Jahre Haft und anschliessende Sicherungsverwahrung für Frank S. Vermutlich wird der 69-Jährige nie wieder frei kommen.
Einer der schlimmsten Serienvergewaltiger der deutschen Geschichte hatte den Ermittlern zufolge 58 Frauen betäubt und vergewaltigt, seine Taten gefilmt und im Netz mit anderen Männern geteilt. Und genau das wurde ihm schließlich zu Verhängnis.
Nach der Festnahme seines Chatpartners kam die Polizei auch Frank S. auf die Spur, druchsuchte seine Wohnung und fand die Videoaufnahmen.
Auf denen hatte Frank S. insgesamt 58 Frauen dabei gefilmt, nachdem er sie mit Getränken betäubt und dann misshandelt hat. Einige der Frauen waren noch bei Bewusstsein, flehten ihn an aufzuhören. Danach konnten sich viele der Frauen wegen der starken Betäubungoft an nichts erinnenr. So kam es, das Frank nie bei der Polizei angezeigt wurde. Oder die Frauen haben das Erlebte verdrängt.
Erst als die Polizei einige Frauen nach den Ermittlungen zu Hause besuchte, erfuhren sie überhuapt erst was Ihnen Frank S. angetan hatte.
Für 22 Vergewaltigungen von 14 Frauen wurde Frank S. nun am Mittwoch am Landgericht Berlin zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. In neun Fällen hat er zusätzlich durch die Bildaufnahmen den höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt.
Für den dreimonatigen Prozess sagten alle 14 Frauen als Zeuginnen aus, sechs von ihnen waren als Nebenklägerinnen aufgetreten. Zusätzlich waren die Videos des Täters Beweismittel.
Die Frauen waren laut Gericht aufgrund der Sedierung durch verschiedene Medikamente völlig hilflos und wehrlos. Das soll Frank S. nach den Feststellungen der Kammer ausgenutzt haben. Der heute 69-Jährige hat seine Taten gefilmt und soll die Videoaufnahmen anschließend "wie in einem Trophäenschrank" digital aufbewahrt haben. Das Gericht ordnete seine Taten als besonders "frauenverachtend" ein.
Trotz des Geständnisses, das S. über seinen Verteidiger zu Beginn des Prozesses ausrichten hat lassen, ordnete das Gericht eine Sicherungsverwahrung nach Ende der Strafe an. Diese Maßnahme gilt als eines der schärfsten Mittel der Justiz. Nach der Haftentlassung wird S. bereits über 80 Jahre alt sein.
Das fortgeschrittene Alter stellte für das Gericht keinen ausreichenden Grund dar, dass S. seine Taten nicht wiederholen würde. Der Vorsitzende hat ausgeführt, der Angeklagte habe nicht wirklich begriffen, was er den Frauen da angetan habe und welche schwerwiegenden Folgen das für die Frauen hat. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig; der Verurteilte hat die Möglichkeit, Revision einzulegen.
Das perfide Vorgehen von Frank S.
Der heute 69-Jährigen hat in dem siebenjährigen Zeitraum von 2016 bis 2022 die 14 Frauen über Datingplattformen kennengelernt und sie belogen. Das Vertrauen der Frauen habe er sich laut einer Gerichtssprecherin "besonders hinterlistig erschlichen". Einmal soll er von sich selbst als Polizeikommissar gesprochen haben, gegenüber einer anderen Frau sagte er, er sei Hubschrauberpilot. Letztendlich lud der gelernte Elektriker die Frauen zu sich in die Lichtenberger Wohnung ein und bot ihnen Drinks an.
Doch die alkoholischen Getränke waren mit Substanzen versetzt, die in Zusammenwirkung mit dem Alkohol dazu führte, dass die Frauen ihm widerstandsunfähig ausgeliefert waren. So haben einige noch versucht, sich verbal zu wehren, doch S. setzte sich darüber hinweg. "Es sei insbesondere darauf angekommen, Macht über diese wehrlosen Frauen auszuüben", erklärte eine Gerichtssprecherin. Die betäubten Frauen vergewaltigte S. teilweise mehrmals in seinem Schlafzimmer, in dem eine Videokamera fest installiert war.
Der Richter wertete das Vorgehen von S. als professionalisiert. Seine Taten hatten System. Auch das Gericht erklärte, er sei wie ein Archivar vorgegangen und sei, wie aus den gesichteten Videos besonders hervorging, routiniert und ruhig vorgegangen. Das Videomaterial soll er sich dann in manchen Fällen mit Zigarette im Mund erneut angesehen haben.
Nach den Vergewaltigungen konnten sich viele Frauen aufgrund der Substanzen nicht erinnern. Vielen eröffnete erst die Polizei, dass sie Opfer einer Gewalttat geworden sind.
Eine Komission aus vier Sachverständigen, darunter Experten für IT, Toxikologie und Psychiatrie hat den Prozess begleitet. Sechs der geschädigten Frauen sind während des dreimonatigen Prozesses als Nebenklägerinnen aufgetreten. Zur Urteilsverkündung kamen zwei von ihnen, öffentlich sprechen wollten sie nicht.
Frauen wollen öffentlich nicht auftreten, Organisationen solidarisieren sich
"Was für mich sehr wichtig ist und auch für meine Mandantin, ist die Sicherungsverwahrung, die jetzt ausgesprochen worden ist, weil tatsächlich der Hang und die Gefährlichkeit, zumindest so wie wir heute dastehen, sehr klar ist", erklärt hingegen Silke Studzinski, Anwältin einer der Nebenklägerinnen.
Auch Laura Leogrande, Anwältin einer weiteren Nebenklägerin, erklärte "dass es schon eine eine Hemmung gab, in der Öffentlichkeit zu sprechen". Das sei allerdings kein Vorwurf. Auf Bitte der Klägerinnen wurden die Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen. Sie haben sich entschieden, unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Vergewaltigungen, die ihnen angetan wurden, zu sprechen.
"Ich finde schon bemerkenswert, dass es so eine Beschämung gab" sagt Leogrande, "dass man in dieser Situation gewesen ist, dass man Opfer von dieser Tat geworden ist und ein Vertrauen hatte, mit zu diesem Mann nach Hause zu gehen und dann passiert sowas". Dabei trifft die Geschädigten keine Schuld.
Vor dem Gerichtsgebäude haben sich Organisationen wie Terre des Femmes und Initiativen wie "Die Scham muss die Seite wechseln" solidarisiert. Sie riefen zu Protestaktionen und Kundgebungen auf.
"Terre de Femmes ist hier, weil wir uns mit den Betroffenen solidarisieren und weil wir ein Zeichen setzen wollen gegen sexualisierte Gewalt", erklärt Sina Tonk, Bereichsleiterin im Interview mit Euronews. "Wir wissen, dass nur ungefähr drei Prozent der Vergewaltigungen überhaupt zur Anzeige kommen und das passiert aus Angst oder aus Scham oder weil den Betroffenen auch ganz viele Hürden in den Weg gelegt werden."
Auf diesen Prozess wird mutmaßlich ein weiterer folgen. Die Polizei geht inzwischen von 58 Geschädigten aus, die Ermittlungen zu 44 weiteren Fällen laufen weiter. Zehn Frauen, die auf den Videos zu sehen sein sollen, konnten bisher nicht identifiziert werden.
Leogrande verdeutlicht, dass es sich nicht um ein neues Phänomen handle. Vielmehr sei die Vergewaltigung nach Betäubung etwas "was jetzt erst an die Oberfläche gestoßen ist, worüber jetzt erst gesprochen wird und wo jetzt ja auch erst wirklich ausführlich ermittelt wird". Spätestens der Fall Pelicot in Frankreich hat in dieser Hinsicht Aufsehen erregt.
Auf Frank S. ist die Polizei Berlin aufmerksam geworden, weil niedersächsische Kollegen aufgrund eines Chatverlaufs einen Hinweis gegeben haben. S. hat sich mit einem mutmaßlichen Vergewaltiger im niedersächsischen Verden über die Taten ausgetauscht. Im März 2026 wurde S. schließlich festgenommen und saß seither in Untersuchungshaft.
Die Vergewaltigungsserie gilt als bislang größter Fall mit sogenannter chemischer Unterwerfung am Landgericht Berlin. Erst vor Kurzem wurden die deutschen Gesetze gegen sexualisierte Gewalt verschärft, etwa beim Einsatz von KO-Tropfen oder dem Aufnehmen von Tatvideos.