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Das Rennen um die Spitze der EZB hat offiziell begonnen

ARCHIV: EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht nach einer Ratssitzung am 29. Okt. 2026 in Frankfurt am Main vor Journalisten.
ARCHIV: EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht nach einer Ratssitzung in Frankfurt am Main bei einer Pressekonferenz, 29. Oktober 2026. -  Copyright  AP Photo/Michael Probst
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Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am •Zuletzt aktualisiert
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Die Euro-Länder haben bis Freitag Zeit, Kandidaten für die Nachfolge von Christine Lagarde an der Spitze der EZB zu benennen. Die Finanzminister beraten die Vorschläge am neunten November.

Nach demn rpcktritt von Christine Lagarde beginnt nun das Ringen um ihre Nachfolge. Bis Freitag haben die Regierungen der Eurozone Zeit, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Christine Lagarde zu benennen. Die Finanzminister des Währungsraums wollen die Vorschläge bei ihrem Treffen am neunten November prüfen, sagte ein Sprecher der Eurogruppe, in der die Finanzminister der Eurostaaten zusammenkommen, gegenüber Euronews.

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Nach Lagardes Schreiben an den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, am vergangenen Donnerstag habe „der Rat der EU das Verfahren zur Ernennung eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin für die EZB-Präsidentin eingeleitet“, sagte der Sprecher.

„Die Mitglieder des EZB-Direktoriums werden vom Europäischen Rat ernannt. Er trifft seine Entscheidung auf der Grundlage einer Empfehlung des Rates zu einem Kandidaten oder einer Kandidatin“, erklärte er und bezog sich dabei auf die Staats- und Regierungschefs der EU und die nationalen Minister.

Über diese Empfehlung stimmen nur die Länder ab, die den Euro nutzen. Deshalb bespricht die Eurogruppe die Personalien vorab.

Ihr Vorsitzender, der griechische Finanzminister Kyriakos Pierrakakis, „hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, ihre Vorschläge bis Freitag, dem sechsten November, einzureichen“, fügte der Sprecher hinzu und sagte weiter, „die Eurogruppe wird bei ihrem Treffen am neunten November eine Zwischenbilanz der Nominierungen ziehen“.

Ein Bewerber oder eine Bewerberin braucht die Unterstützung von mindestens 16 der 21 Euro-Länder. Diese müssen zusammen mindestens 65 Prozent der Bevölkerung des Währungsraums vertreten.

Die Staats- und Regierungschefs der EU treffen anschließend die endgültige Entscheidung, nachdem das Europäische Parlament und der EZB-Rat ihre Stellungnahmen abgegeben haben.

Warum Lagarde geht

Lagarde kündigte vergangene Woche an, ihr Amt am siebten Februar 2027 niederzulegen. Damit verkürzt sie ihre auf acht Jahre angelegte Amtszeit um fast neun Monate.

Im Gespräch mit Journalisten in Frankfurt sagte sie später am Tag, der Abschied von der EZB gebe ihr die Freiheit, sich über Fragen der Geldpolitik hinaus zu äußern.

„Ich glaube nicht, dass ich neutral bleiben kann“, sagte Lagarde. „Ich interessiere mich für die Wahrheit, und ich sehe, dass die Wahrheit sehr oft beschädigt wird, ihr durch Fehldarstellungen widersprochen wird.“

Sie wollte jedoch nicht sagen, ob sie bei der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 einen Kandidaten oder eine Kandidatin unterstützen wird.

ARCHIV. EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht nach der jüngsten Ratssitzung in Frankfurt am Main, Deutschland, am 29. Oktober 2026 mit Medienvertretern
ARCHIV. EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht nach der jüngsten Ratssitzung in Frankfurt am Main, Deutschland, am 29. Oktober 2026 mit Medienvertretern AP Photo/Michael Probst

Wie Euronews seit Februar berichtet, bringen Gerüchte ihren Zeitplan das ganze Jahr über mit den Wahlen in Frankreich in Verbindung. Ein früher Abschied verschafft Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz Einfluss darauf, wer sie ersetzt, während die extreme Rechte in Umfragen vor der Abstimmung im April stark abschneidet.

Lagarde versprach „eine perfekte Fortführung der Arbeit“ und bezeichnete die EZB als „solide, stark wie ein Fels“.

Die Notenbank beließ den Einlagenzins von 2,5 Prozent am selben Tag, und Lagarde wird noch zwei weitere Zinssitzungen leiten, im Dezember und im Februar.

Die Favoriten

Im Rennen um die EZB-Spitze liegen zwei Namen vorn. Beide erhielten bereits im September, Wochen vor Lagardes Ankündigung, öffentliche Unterstützung durch ihre Regierungen.

Einer davon ist Pablo Hernández de Cos, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), oft als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet, und ehemaliger Gouverneur der Spanischen Zentralbank von 2018 bis 2024.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach sich am 23. September in einem Bloomberg-Interview für ihn aus und festigte damit Spaniens erste Kandidatur für das Amt des EZB-Präsidenten. Ungewöhnlich ist, dass auch Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo ihn im Oktober vor der Neuwahl in diesem Monat unterstützte.

Der andere Hauptkandidat ist Klaas Knot, der die niederländische Zentralbank 14 Jahre lang bis 2025 leitete. Einen Tag nach Sánchez’ Unterstützung erklärte der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten bei Bloomberg, Knot wäre für viele Länder „die perfekte Besetzung“.

Auch die Prognosemärkte sehen ein Duell zwischen zwei Kandidaten.

Stand Dienstagmorgen räumten Händler auf der Plattform Kalshi Hernández de Cos eine Chance von 34 Prozent auf den Posten ein, Knot kam auf 31 Prozent. Auf Polymarket war der Abstand größer, mit 41 beziehungsweise 30 Prozent.

Auf beiden Plattformen liegt der frühere Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau, der im Februar zurücktrat, auf Platz drei, mit jeweils fünf und 13 Prozent. Allerdings sind auf jeden der Märkte nur einige Tausend Dollar gesetzt worden.

Auch Bundesbankpräsident Joachim Nagel wurde früher bereits genannt als möglicher Kandidat, obwohl noch nie ein Deutscher an der Spitze der EZB stand.

Die Präsidentschaft ist jedoch nur ein Teil der anstehenden Verhandlungen.

Die Deutsche Isabel Schnabel, die bei der EZB die Marktoperationen verantwortet, wechselt am dritten Januar zum IWF. Die Amtszeit des irischen Chefökonomen Philip Lane endet Ende Mai kommenden Jahres.

Da innerhalb von fünf Monaten die Hälfte des sechsköpfigen Direktoriums neu besetzt wird, dürften die Hauptstädte über alle drei Posten im Paket verhandeln.

Paris dürfte eher den Posten des Chefökonomen ins Auge fassen als eine dritte französische Präsidentschaft. Madrid hingegen will nach dem Verlust des Vizepräsidentenamts in diesem Jahr wieder einen Sitz im Direktorium.

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