Deutschland ist Lebkuchen-Export-Weltmeister. Jedes Jahr werden rund 20 Millionen Kilogramm im Wert von 120 Millionen Euro in alle Welt exportiert. Dieses Jahr fällt die Produktion auf ein Siebenjahrestief. Warum und sollte man sich deshalb schon jetzt für Weihnachten eindecken?
Lebkuchen haben eine lange Tradition und zählen zu den ältesten Backwaren Europas. Ihre Entstehung reicht bis ins Mittelalter zurück. Dort wurden sie in Klöstern zunächst als haltbares, süßes Brot aus Honig, Nüssen und Gewürzen hergestellt. Besonders in deutschen Städten wie Nürnberg und Aachen, entwickelten sich spezialisierte Bäckerhandwerke, die Lebkuchen verfeinerten und ihn seitdem in unterschiedlichen Formen und Varianten produzieren.
Die Hauptsaison für das würzige Traditionsgebäck hat auf dem heimischen Markt gerade erst begonnen. Aktuelle Zahlen zeigen jedoch einen deutlichen Rückgang der Produktion. Im vergangenen Jahr stellten die Hersteller in Deutschland laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden nur noch rund 72.800 Tonnen Lebkuchen her. Das waren mehr als zehn Prozent weniger als 2024 - da liefen noch gut 81.000 Tonnen vom Band. Die Produktionsmengen liegen auch dieses Jahr auf dem gleichen Level wie im Vorjahr.
Liegt es an gestiegenen Produktionskosten, einer schwächeren Nachfrage oder anderen Faktoren?Die Branche nennt mehre Gründe für den Engpass.
"Die Produktionskosten für Lebkuchenprodukte, lagen im letzten Jahr überdurchschnittlich hoch und waren angetrieben durch deutliche Kostensteigerungen etwa in den Bereichen Rohstoffe, Energie, Transport/Logistik, Verpackung und Personal", sagt Martin Heinen von der Lambertz-Gruppe, einer der größten Lebkuchenhersteller Deutschlands.
Einen wesentlichen Kostentreiber stelle der exorbitante Preisanstieg beim Kakao dar, der sich in der Spitze verdreifacht hatte. Kakao/Schokolade sei einer der zentralen Rohstoffe. "Entsprechend stiegen auch die Endverbraucherpreise für schokoladige Gebäcke im Handel."
Fakt ist zudem, dass die jeweiligen Wetterverhältnisse für den Verlauf der Saison, die von September bis Dezember geht, von elementarer Bedeutung sind. "Kühlere Temperaturen kurbeln den Verkauf an", so Heinen. "Bis in den November 2025 hinein hatten wir es aber mit hohen, teilweise noch sommerlichen Temperaturen zu tun, was der Nachfrage nach Herbst- und Weihnachtsgebäcken nicht zuträglich ist."
Versorgung zu Weihnachten
Müssen Verbraucher nun damit rechnen, dass bestimmte Lebkuchenprodukte im Supermarkt vor Weihnachten knapp werden oder gar bald ausverkauft sind? Nein, grundsätzlich seien Engpässe in der Belieferung und Versorgung sowie im Handel komplett auszuschließen, sagt Martin Heinen von der Lambertz-Gruppe auf Nachfrage gegenüber Euronews.
Ein rechtzeitiger, bewusster Einkauf, auch von Herbst- und Weihnachtsgebäcken, sei aber eigentlich nie schädlich, fügt er hinzu. "Gerade für dieses Segment gilt, dass die Verbraucher frühzeitig, also oftmals schon ab Anfang September zu diesen Produkten greifen. Wesentliche Verkaufsmonate für Herbst- und Weihnachtsgebäcke sind Oktober und November, wo rund 50 Prozent des Umsatzes mit diesen Produkten getätigt werden."
Natürlich gäbe es im Dezember noch eine Art "Endrallye“. Manche versorgten sich auch erst kurz vor Weihnachten, die meisten deckten sich aber schon früher oder gar viel früher ein.
Lebkuchen-Exportweltmeister Deutschland
Nach Wert gerechnet ist Deutschland Lebkuchen-Export-Weltmeister. Im Jahr 2024 hat die Bundesrepublik 21,5 Millionen Kilogramm Lebkuchen im Wert von 120 Millionen Euro in alle Welt exportiert. Es folgen Kanada (76 Mio. Euro), Polen (56 Mio. Euro) und das Vereinigte Königreich (24 Mio. Euro). Datenbasis der Infografik ist die UN Comtrade Datenbank, eine umfassende, weltweit genutzte Quelle für Handelsstatistiken, die von den Vereinten Nationen bereitgestellt wird.
Zu den wichtigsten Abnehmerländern in Europa zählen Österreich mit rund 4.200 Tonnen, Polen mit etwa 3.700 Tonnen und Frankreich mit rund 2.100 Tonnen. Doch auch außerhalb Europas ist die Nachfrage beachtlich. So werden etwa 1.100 Tonnen in die Vereinigten Staaten exportiert. Weitere wichtige Absatzmärkte sind Australien mit rund 400 Tonnen und Brasilien mit etwa 300 Tonnen.
Nach Deutschland importiert wurden im Jahr 2025 insgesamt gut 10.000 Tonnen Lebkuchen. Der Großteil der Lebkuchen-Importe kam mit 53 Prozent aus Polen (5 300 Tonnen). Weitere 11 Prozent stammten jeweils aus Italien und der Ukraine (je 1 100 Tonnen).