Die US-Notenbank erwägt die erste Zinserhöhung seit Jahren, weil der Iran-Krieg die Energiepreise in die Höhe treibt und die Inflation klar über Ziel schiebt.
Eine ranghohe Vertreterin der US-Notenbank stellt erstmals seit Jahren wieder eine Zinserhöhung in Aussicht. Sie warnt, der Krieg mit Iran und seine Folgen für die Treibstoffkosten könnten die Inflation der Kontrolle der Zentralbank entziehen.
Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, sagte der Nachrichtenagentur AP am Montag, sie wolle den Leitzins noch „für eine ganze Weile“ unverändert lassen. Bleibe die Inflation jedoch hartnäckig hoch, könne eine Anhebung nötig werden.
„Ich kann mir vorstellen, dass wir die Zinsen anheben müssen, falls die Inflation dauerhaft über unserem Ziel bleibt“, sagte sie.
Das wäre eine deutliche Kehrtwende gegenüber Ende vergangenen Jahres, als die Fed ihren Leitzins dreimal senkte. Hammack schloss weitere Senkungen nicht aus, allerdings nur, falls der Arbeitsmarkt spürbar einbricht.
„Ich kann mir Szenarien vorstellen, in denen wir die Zinsen senken müssen, wenn sich der Arbeitsmarkt deutlich verschlechtert“, sagte sie.
Niedrigere Zinsen verbilligen Kredite. Unternehmen investieren dann eher und stellen neue Leute ein. Zu diesem Instrument greift die Fed üblicherweise, wenn die Arbeitslosigkeit steigt und die Konjunktur einen Schub braucht.
Inflation steuert in falsche Richtung
Die Daten deuten bereits nach oben. Ökonomen erwarten für März eine jährliche Teuerungsrate von drei Komma eins Prozent, nach zwei Komma vier Prozent im Februar. Hammacks eigene Prognosen legen nahe, dass die Rate im April auf drei Komma fünf Prozent steigen könnte, den höchsten Wert seit 2024.
„Die Inflation liegt nun seit mehr als fünf Jahren über unserem Ziel“, sagte sie. Ein weiterer Anstieg bedeute, dass sie „in die falsche Richtung läuft, weg von unserem Ziel von zwei Prozent“.
Die US-Regierung veröffentlicht am Freitag den Inflationsbericht für März. Er liefert erstmals ein klares Bild, wie stark die jüngsten Energiepreissteigerungen seit Beginn des Konflikts am 28. Februar durchschlagen.
Teurer Sprit an der Zapfsäule
Die Benzinpreise sind seit Ausbruch des Krieges kräftig gestiegen. Am Montag lag der landesweite Durchschnitt bei vier Komma zwölf US-Dollar (drei Komma achtzig Euro) je Gallone, rund achtzig Cent mehr als vor einem Monat.
Für Hammack, deren Distrikt Ohio sowie Teile von Pennsylvania, West Virginia und Kentucky umfasst, ist die Botschaft aus der Bevölkerung eindeutig.
„Steigende Spritpreise sind das Thema Nummer eins in meinem Distrikt“, sagte sie.
„Wir wissen, dass das die Menschen persönlich hart trifft, weil der Sprit einen immer größeren Teil ihres Einkommens auffrisst.“
Fed zwischen zwei Fronten
Der US-Kongress verpflichtet die Fed per Gesetz zu zwei Zielen: niedrige Inflation und möglichst hohe Beschäftigung. Der Krieg mit Iran gefährdet derzeit beides zugleich.
Höhere Energiekosten könnten die Konsumenten zum Sparen zwingen. Das bremst das Wachstum und treibt die Arbeitslosigkeit nach oben. Unter normalen Umständen würde die Fed darauf mit Zinssenkungen reagieren, doch die hartnäckige Inflation drängt in die entgegengesetzte Richtung.
Wie stark der Konflikt die US-Wirtschaft am Ende prägt, hängt von seiner Dauer und vom weiteren Verlauf der Energiepreise ab.
Als die Fed sich zuletzt am siebzehnten und achtzehnten März traf, hatte Hammack nicht mit einem so langen Krieg gerechnet. Inzwischen dauert er bereits die sechste Woche.
Faktor Trump
Eine Zinserhöhung würde die Fed fast zwangsläufig auf Kollisionskurs mit US-Präsident Donald Trump bringen. Er attackiert die Zentralbank immer wieder, weil sie ihm die Zinsen nicht schnell genug senkt, und fordert, den Leitzins auf ein Prozent zu drücken – weniger als ein Drittel des aktuellen Niveaus von rund drei Komma sechs Prozent.
Auch andere Notenbanker zeigen sich grundsätzlich offen für weitere Anhebungen, darunter Austan Goolsbee, Präsident der Federal Reserve Bank of Chicago.
Das Protokoll der Fed-Sitzung im Januar zeigt: Mehrere der neunzehn Mitglieder des Zinsausschusses wollten Formulierungen, die ausdrücklich auch „Anpassungen nach oben“ erwähnen.