Erstmals sind ukrainische Aktien in einem in London gelisteten Fonds vertreten. Das Vehikel soll Geld für Wiederaufbau und wirtschaftliche Stabilität des Landes mobilisieren.
Ausländische Anleger, die auf eine langfristige Erneuerung der ukrainischen Industrie setzen, haben inzwischen einen direkteren Zugang zu den großen Konzernen des Landes.
Der in London notierte Ukraine Reconstruction UCITS ETF (UKRN) von HANetf, der im vergangenen Monat aufgelegt wurde, hat offiziell die ersten drei ukrainischen Unternehmen aufgenommen.
Laut einer Mitteilung des Anbieters gehören nun die Drohnensoftware-Firma Swarmer, der Telekommunikationskonzern Kyivstar und der Eisenerzproduzent Ferrexpo zum Fonds.
Der Schritt ist wichtig, denn die Kriegswirtschaft der Ukraine hat die Unternehmen ausgerechnet in dem Moment von ausländischem Kapital abgeschnitten, in dem sie es am dringendsten brauchen.
Die Kosten für den Wiederaufbau werden bereits auf mehr als 420 Milliarden Euro geschätzt – Tendenz steigend. Die Regierung in Kyjiw betont seit Langem, dass weder sie noch westliche Regierungen diese Summe allein stemmen können.
Entscheidend gilt deshalb, ukrainische Firmen vor internationale institutionelle Anleger zu bringen. Nur so lässt sich die Finanzierungslücke schließen und sicherstellen, dass die industrielle Basis des Landes lange genug überlebt, um später wieder aufgebaut zu werden.
ETFs stützen kriegsgebeutelte Wirtschaft
Der UKRN-UCITS-ETF bündelt börsennotierte Unternehmen, die im Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg eine Schlüsselrolle spielen sollen.
Diese strategische Neuausrichtung bedeutet einen deutlichen Wandel für den Fonds. Bislang setzte er vor allem auf internationale Konzerne, die nur am Rande in der Region engagiert waren.
„Um den Bedarf der Ukraine zu decken, müssen wir sowohl öffentliches als auch privates Kapital mobilisieren“, sagte Hector McNeil, Mitgründer von HANetf, in der Mitteilung.
Mit der Aufnahme dieser nationalen Schwergewichte bildet der Fonds die wirtschaftlichen Triebkräfte ab, die den künftigen Wiederaufbau der Ukraine vorantreiben sollen.
Die Entscheidung folgt zudem auf eine gründliche Neugewichtung des EQM Ukraine Recovery Index, der als Referenzwert für den ETF dient.
Da der ukrainische Privatsektor anhaltende Stabilität zeigt, kommt der Indexanbieter zu dem Schluss, dass einige heimische Unternehmen inzwischen die strengen Anforderungen an Liquidität und Marktkapitalisierung für ein UCITS-konformes Anlageprodukt erfüllen.
Außerdem ist die Drohnensoftware-Firma Swarmer nun auch in einem weiteren Produkt von HANetf vertreten, dem Drone UCITS ETF (DRON), der derzeit auf eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als 15 Millionen Euro kommt.
Weg zum wirtschaftlichen Neubeginn wird gestärkt
Die Einbeziehung heimischer Aktien ist mehr als eine technische Anpassung. Sie signalisiert, dass die Finanzinfrastruktur für den Wiederaufbau der Ukraine reifer wird.
Analysten von EQM Indexes betonen, dass der Auswahlprozess Unternehmen bevorzugt, die einen wesentlichen Teil ihrer Umsätze in der Ukraine erzielen oder bedeutende Sachwerte im Land halten.
Das ETF-Modell bietet etwas, das bilaterale Hilfe nicht leisten kann: einen sich selbst verstärkenden Anreiz für ausländisches Kapital, der Entwicklung der Ukraine langfristig zu folgen.
Wer in diesen Fonds investiert, verdient Geld, wenn ukrainische Unternehmen wachsen und gedeihen. Anleger haben damit einen finanziellen Grund, auf den Erfolg der Ukraine zu setzen – nicht nur einen moralischen oder politischen.
Das unterscheidet sich von klassischer Hilfe, bei der Geber Geld geben, ohne eine Rendite zu erwarten.
Die Regierung in Kyjiw wirbt seit Jahren für dieses Modell als den nachhaltigsten Ansatz. Statt sich auf den guten Willen westlicher Regierungen zu verlassen, sollen private Investoren ins Boot geholt werden, die eigenes Geld riskieren. Gelingt der Wiederaufbau der Ukraine, profitieren sie mit.
Die Aufnahme dieser Aktien in einen in London regulierten ETF bietet einen transparenten Zugang für institutionelle und private Anleger. Viele von ihnen scheuen bislang die Komplexität direkter Investitionen in einen vom Krieg betroffenen Markt.
Die Risiken solcher Anlagen bleiben hoch. Doch die Erweiterung des Fonds um lokale Unternehmen deutet auf wachsendes Vertrauen hin, dass ukrainische Firmenwerte langfristig in das breitere europäische Finanzsystem hineinwachsen.