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EZB belässt Zins bei zwei Prozent – Inflation steigt, Wachstum im Euroraum bremst

ARCHIV: Das Euro-Symbol vor Beginn einer Pressekonferenz nach der Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt am Main, Deutschland, 18. Dezember 2025.
ARCHIV: Das Euro-Symbol ist vor Beginn einer Pressekonferenz nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt am Main am 18. Dezember 2025 zu sehen. Copyright  AP Photo
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Von Doloresz Katanich & Una Hajdari & Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins zum dritten Mal in Folge bei zwei Prozent, obwohl die Inflation steigt und das Wachstum im Euroraum nachlässt.

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren belassen. Damit erfüllte sie die Erwartungen der Finanzmärkte.

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Die in Frankfurt ansässige Notenbank ließ den Einlagenzinssatz am Donnerstag zum dritten Mal in Folge bei 2 %.

„Der EZB-Rat hat heute beschlossen, die drei wichtigsten Leitzinsen der EZB unverändert zu lassen“, erklärte die Bank am Donnerstag in einer Mitteilung.

Die EZB erklärte, die jüngsten Daten hätten ihre bisherige Inflationsprognose weitgehend bestätigt. Zugleich verschöben sich die Risiken: Der Preisdruck nehme eher nach oben zu, während die Wachstumsdynamik nachlasse.

Die Notenbank bekräftigte ihr Ziel, die Inflation mittelfristig wieder auf 2 % zurückzubringen.

„Der Krieg im Nahen Osten hat zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise geführt. Das treibt die Inflation und belastet die wirtschaftliche Stimmung“, hieß es weiter.

Die Entscheidung fällt, obwohl die jüngsten Zahlen zeigen, dass die Inflation im Euroraum im April auf 3 % gestiegen ist – deutlich über dem Zielwert der Zentralbank von 2 %.

Dem Zinsbeschluss war eine Phase erhöhter Unsicherheit vorausgegangen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte, das ständige Auf und Ab im Iran-Krieg erschwere die Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten.

Neue Daten, die am Donnerstag veröffentlicht wurden, verstärkten die Sorge um die Konjunktur im Euroraum.

Die Inflation in dem Verbund aus 20 Ländern lag bei 3 %. Die Kerninflation, bei der Energie- und Nahrungsmittelpreise herausgerechnet werden, verharrte bei 2,2 %. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal 2026 im Jahresvergleich nur noch um 0,8 %.

Das Bild erinnert an Stagflation, verstärkt durch geopolitische Spannungen. Große Volkswirtschaften wie Deutschland und Italien haben ihre Wachstumsprognosen gesenkt, weil die Energiekosten steigen. Die EZB muss daher zwischen Unterstützung für eine abkühlende Wirtschaft und dem Kampf gegen die Inflation abwägen.

Die Bank betonte, die Folgen des Iran-Krieges, vor allem die hohen Energiepreise, ließen sich weiterhin nur schwer abschätzen.

Vorerst setzen die Währungshüter auf Abwarten. Sie beobachten, ob der energiegetriebene Preisschub in eine breitere Inflation übergreift.

„Krieg, Waffenstillstand, Friedensgespräche, ihr Scheitern, eine Seeblockade, ihre Aufhebung, ihre Wiedereinführung – all das macht es außerordentlich schwer, Dauer und Tiefe der Folgen abzuschätzen“, sagte Lagarde vergangene Woche.

Am Donnerstagmorgen sprang der Preis für die Nordseesorte Brent zeitweise über 126 Dollar je Barrel. Das erhöhte den Druck auf eine europäische Wirtschaft, die bereits mit Angebotsengpässen kämpft.

Eurozone verliert an Schwung

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, die Turbulenzen hätten einer Eurozonen-Wirtschaft den Wind aus den Segeln genommen, die mit etwas Schwung in das Jahr gestartet war.

„Die Wirtschaft im Euroraum zeigte einen gewissen Schwung, als die aktuelle Turbulenz begann. Dank der soliden Ausgangslage vor dem Konflikt hat die Eurozone zwar Widerstandskraft bewiesen, doch der Krieg im Nahen Osten bleibt ein Abwärtsrisiko“, sagte sie.

Lagarde betonte zudem, wie wichtig es sei, mit der geplanten Spar- und Investitionsunion sowie dem digitalen Euro voranzukommen. Beides könne die fiskalische Landschaft im Euroraum vereinfachen und den Kapitalverkehr stärken.

Sie verwies außerdem auf die anhaltende, umfassende Invasion Russlands in der Ukraine und auf das Risiko weiterer Handelskonflikte. Beides stelle zusätzliche Gegenwinde dar, die die EZB genau beobachte.

„Wir gehen davon aus, dass wir in sechs Wochen eine fundiertere Entscheidung treffen können – entweder, weil der Konflikt ein absehbares Ergebnis hat oder weil die Folgen klarer erkennbar sind“, sagte sie abschließend.

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