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Europas Steuergefälle: Deutschland und Frankreich besteuern Arbeit stärker als Großbritannien

Ein Gelbwesten-Demonstrant hält bei einem Marsch in Paris am Samstag, dem 4. Mai 2019, ein Schild mit der Aufschrift „Frankreich Steuerweltmeister“.
Ein Gelbwesten-Demonstrant hält bei einem Marsch in Paris am Samstag, dem vierten Mai 2019, ein Schild mit der Aufschrift „France World Champion Taxes“. Copyright  Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
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In Europa unterscheiden sich Lohnnebenkosten und Abgaben stark. Großbritannien liegt im unteren Bereich, doch die Kennzahl verdeckt Unterschiede bei der Besteuerung von Arbeit.

Die Steuerlast auf Arbeit entscheidet maßgeblich darüber, wie viel Beschäftigte netto behalten. Sie liegt jedoch nicht nur auf den Schultern der Angestellten. Auch Arbeitgeber tragen hohe Kosten über Lohnsteuern und Sozialbeiträge.

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Hier kommt der sogenannte Steuerkeil ins Spiel.

Er misst, welcher Anteil der gesamten Arbeitskosten an den Staat fließt – über Steuern und Sozialabgaben – und nicht beim Beschäftigten als Nettoeinkommen ankommt.

Der Steuerkeil liegt in Deutschland und Frankreich rund 50 % über dem Niveau im Vereinigten Königreich. Schon dieser Vergleich zeigt die großen Unterschiede in Europa.

Welche Länder belasten Arbeit also am stärksten? Und warum unterscheiden sie sich so deutlich?

Steuerkeil: Was dahintersteckt

Er umfasst drei Bestandteile: die Einkommensteuer, die Sozialbeiträge der Beschäftigten und die Sozialbeiträge der Arbeitgeber. Kurz gesagt zeigt er nicht nur, was ein Arbeitnehmer auf dem Papier verdient, sondern auch, welche Zusatzkosten der Arbeitgeber über das Bruttogehalt hinaus tragen muss.

Laut dem Bericht der Tax Foundation für das Jahr 2026 reicht der Steuerkeil in 28 europäischen Ländern – den EU-Staaten plus dem Vereinigten Königreich – von 26,4 % in Zypern bis 50,8 % in Belgien. Grundlage sind die Steuern für das Jahr 2025, berechnet für eine alleinstehende Person ohne Kinder mit durchschnittlichem nationalem Einkommen. Je nach Familiensituation und Verdienst fallen die Sätze unterschiedlich aus.

Vereinigtes Königreich: Warum der Steuerkeil deutlich niedriger ist

Die Unterschiede bei den Abgaben auf Arbeit in Europa spiegeln vor allem wider, wie die Staaten öffentliche Dienstleistungen und ihre Sozialsysteme finanzieren.

Deutschland und Frankreich setzen auf Sozialversicherungssysteme. Krankenversorgung, Renten, Arbeitslosenhilfe und andere Leistungen werden dort vor allem über verpflichtende Sozialbeiträge finanziert. Arbeitgeber und Beschäftigte teilen sich diese Beiträge, was den Steuerkeil auf Arbeit insgesamt nach oben treibt.

Deutschland weist mit 46,6 % den zweithöchsten Steuerkeil auf, Frankreich folgt mit 44,6 % knapp dahinter. Im Vereinigten Königreich liegt er nur bei 29,2 % – dem drittniedrigsten Wert unter den 28 Ländern.

Auch Italien (42,5 %) und Spanien (40,1 %) liegen über der Marke von 40 %.

Damit liegt der Steuerkeil in Deutschland 59,4 % über dem Wert im Vereinigten Königreich, in Frankreich sind es 52,7 %.

„Das liegt zum Teil daran, dass die britische Regierung einen geringeren Anteil des BIP [für öffentliche Güter, Dienstleistungen und soziale Sicherung] ausgibt als die anderen großen europäischen Volkswirtschaften – Spanien ausgenommen“, sagte Alex Mengden, Ökonom bei der Tax Foundation, gegenüber Euronews Business.

Mehrwertsteuer und Council Tax: Besondere Rolle im Vereinigten Königreich

Mengden verweist zudem darauf, dass das Vereinigte Königreich einen relativ großen Teil seiner Ausgaben über Haushaltsdefizite finanziert – 2025 rund 5,4 % der Wirtschaftsleistung – und nicht über laufende Steuereinnahmen.

„Mehrwertsteuer und die Council Tax, eine kommunale Abgabe für Haushalte, die an Immobilienwerte gekoppelt ist, steuern einen größeren Anteil zu den britischen Steuereinnahmen bei. Dadurch lässt sich Arbeit niedriger besteuern“, fügte er hinzu.

Mengden verweist außerdem darauf, dass die Abgaben auf Arbeit in Deutschland – einschließlich der Sozialbeiträge – nur moderat progressiv sind. Die Last verteilt sich dadurch auf eine breite Basis; mehr als die Hälfte der Haushalte gehört zu jedem Zeitpunkt zu den Nettozahlern. Zugleich sinkt der Anreiz, bei einem Einkommen über dem Durchschnitt weniger zu arbeiten.

Belgien ist das einzige Land, in dem der Steuerkeil über 50 % liegt; Zypern, Malta, das Vereinigte Königreich, Irland, Kroatien und Griechenland verlangen weniger als ein Drittel.

Der Durchschnitt von EU und Vereinigtem Königreich liegt bei 38,9 %. In der großen Mehrheit der EU-Staaten überschreitet der Steuerkeil jedoch 40 %.

Steuerkeil: Zusammensetzung entscheidend

Der Steuerkeil fasst zusammen, wie viel der Staat insgesamt aus den Arbeitskosten abschöpft. Wie sich diese Last zwischen Beschäftigte und Arbeitgeber verteilt, unterscheidet sich jedoch deutlich von Land zu Land.

Dänemark erhebt zum Beispiel mit 35,3 % den höchsten Einkommensteuersatz, weist aber dennoch einen etwas niedrigeren Steuerkeil auf – dank Geldleistungen des Staates und minimaler Sozialbeiträge von Beschäftigten und Arbeitgebern von jeweils unter einem Prozent.

Am anderen Ende der Skala liegen in manchen Ländern die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung sehr hoch, in Rumänien etwa bei 34,2 %. Arbeitgeberbeiträge überschreiten in Staaten wie der Slowakei ebenfalls 25 %.

Die reine Höhe des Steuerkeils erzählt daher nur einen Teil der Geschichte. Erst der Blick auf die Zusammensetzung zeigt, wer die Last tatsächlich trägt – Beschäftigte, Arbeitgeber oder beide.

Nur drei weitere europäische Länder zahlen ebenfalls Geldleistungen aus, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau.

Schweiz mit dem niedrigsten Steuerkeil in Europa

Die OECD betrachtet mehrere Länder, die im Bericht der Tax Foundation nicht vorkommen. In dieser Gruppe weist die Türkei einen Steuerkeil von 40,3 % auf, Norwegen liegt bei 36,4 %. Die Schweiz kommt mit 23 % in beiden Datensätzen auf den niedrigsten Wert in Europa. Steuerwettbewerb vor Ort zwischen Kantonen und Gemeinden spielt dort eine wichtige Rolle.

Die Schätzungen der Tax Foundation fallen tendenziell niedriger aus als die der OECD. Ein Grund sind unterschiedliche Methoden, etwa bei der Messung von Progression und Geldleistungen.

Der Euronews-Artikel „From gross pay to take-home“ zeigt die tatsächliche Lohnsituation in Europa für verschiedene Szenarien – darunter Haushalte mit Kindern sowie Familien mit einem oder zwei Verdienern.

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