Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Iran-Krieg treibt Düngerkrise an: Sorge um weltweite Ernährungssicherheit

Düngemittelkrise: Warnung vor weltweiter Ernährungskrise
Düngemittelkrise: Weltweite Ernährungssicherheit in Gefahr Copyright  Eric Conover/Hazelton Standard-Speaker via AP
Copyright Eric Conover/Hazelton Standard-Speaker via AP
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus lassen die Düngerpreise explodieren. Hohe Energie- und Transportkosten drücken die Bauern auf ein Vierjahrestief.

Der Iran-Krieg setzt die internationale Ernährungssicherheit unter Druck: Die Produktionskosten schießen in die Höhe, wichtige Exportwege brechen weg. Besonders die angespannte Versorgung mit Düngemitteln hat dazu geführt, dass sich Landwirte so wenig Dünger leisten können wie seit vier Jahren nicht.

WERBUNG
WERBUNG

Davor warnt ein neuer Bericht der Weltbank. Demnach treibt vor allem der starke Anstieg der Erdgaspreise die Kosten nach oben.

Europäische Agrarminister dringen demnach auf rasches Handeln. Sie wollen eine länger anhaltende Lebensmittelpreiskrise verhindern und die Getreideernte für die nächste Saison absichern.

„Europa hat in der laufenden Saison kein Versorgungsproblem. Die relativ hohe europäische Produktion deckt historisch rund siebzig Prozent der Nachfrage, hinzu kommen Rekordimporte im vierten Quartal 2025“, sagte ein Sprecher von Fertilisers Europe gegenüber Euronews.

„Gleichzeitig arbeiten Landwirte in einem sehr komplexen Umfeld und mit knappen Margen. Die EU-Organe sollten die Unterstützung für europäische Bauern ausbauen und zugleich darauf achten, dass diese Hilfen die Wettbewerbsfähigkeit der Düngemittelhersteller in der EU nicht untergraben“, ergänzte er.

Europa kommt in der aktuellen Krise zwar besser durch als viele andere Regionen der Welt. Doch die Sorge um künftige Ernten ist groß, wie auch ein Vertreter von CropLife Europe im Gespräch mit Euronews betonte.

„Europäische Landwirte stehen bereits unter erheblichem wirtschaftlichem und regulatorischem Druck; globale Schocks gießen zusätzlich Öl ins Feuer. Ernährungssicherheit braucht Widerstandskraft. Das heißt, Landwirte müssen rechtzeitig Zugang zu allen Mitteln haben, die sie zum Schutz ihrer Kulturen und zum Risikomanagement brauchen, auch in Phasen großer Unsicherheit“, so der Vertreter.

Energie, Dünger, Nahrung: Engpass in der Straße von Hormus

Im Zentrum der aktuellen Agrarkrise steht der enge Zusammenhang zwischen Energiemärkten und Nahrungsmittelproduktion.

Erdgas ist der wichtigste Rohstoff für stickstoffbasierte Düngemittel. Jede Schwankung auf den Energiemärkten schlägt daher direkt auf die Kosten der Bauern durch.

Die jüngste Bewertung der Weltbank zeigt, dass der Sprung bei Kraftstoff- und Strompreisen zusammen mit dem Stopp regionaler Exporte ein kaum tragfähiges Umfeld für Produzenten weltweit schafft.

„Die Herstellung von Stickstoffdünger in der EU basiert vor allem auf Erdgas. Steigende Gaspreise schlagen deshalb unmittelbar auf die Produktionskosten durch. Kurz gesagt: Dünger ist Energie. Wenn Energie teurer wird, wird Dünger automatisch teurer“, erklärte Fertilisers Europe gegenüber Euronews.

„Europa hat derzeit allerdings kein Versorgungsproblem bei Düngemitteln“, betonte der Sprecher.

In Asien und im Globalen Süden verschärft sich jedoch eine schwere Düngemittelkrise. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) führen Störungen der Schifffahrtsrouten in der Straße von Hormus zu massiven Engpässen.

Eine Bäuerin bringt am 25. März 2026 in Limuru, Kenia, Dünger auf ihrem Feld aus
Eine Bäuerin bringt am 25. März 2026 in Limuru, Kenia, Dünger auf ihrem Feld aus AP Photo/Jackson Njehia

Laut FAO gehören Indien, Bangladesch, Sri Lanka, Ägypten, Sudan und mehrere Regionen in Subsahara-Afrika zu den am stärksten betroffenen Gebieten. Dort steigen die Kosten, die Verfügbarkeit sinkt, und die Gefahr von Ernährungskrisen wächst.

Auch der von der FAO veröffentlichte Lebensmittelpreisindex zieht bereits an. Er bildet zwar einen Korb verschiedener Nahrungsmittel ab, doch die Kosten für Vorprodukte bestimmen maßgeblich die weitere Preisentwicklung.

Analysten weisen darauf hin, dass die Transportkosten steigen und Logistik in Konfliktgebieten immer komplizierter wird. Die „Dünger-Klemme“ dürfte die Lebensmittelpreise daher deutlich über das heutige Niveau hinaus treiben.

Viele Schwellenländer kämpfen ohnehin mit hoher Inflation. Die Entwicklungen könnten sie zwingen, die Geldpolitik zu straffen, um eine breitere wirtschaftliche Instabilität zu verhindern.

Der Weltbank-Bericht warnt außerdem: Wenn Landwirte heute weniger Dünger ausbringen, können die Ernten in den kommenden Saisons deutlich zurückgehen. Die aktuelle Armutskrise könnte sich dadurch weiter in die Länge ziehen.

Europas Alarmruf: Gefahr für künftige Ernten

In Europa richtet sich der Blick vor allem auf die Erträge der nächsten Ernte.

Die Preise für Betriebsmittel liegen auf Rekordniveau. Viele fürchten deshalb, dass Landwirte in entscheidenden Aussaatphasen weniger Dünger einsetzen müssen.

Berechnungen des International Food Policy Research Institute (IFPRI) zeigen: Ein solcher Rückgang würde die Ernten in der nächsten Saison fast sicher deutlich schrumpfen lassen. Das träfe insbesondere die weltweiten Getreidevorräte.

Deshalb braucht Europa trotz derzeit stabiler Düngemittelversorgung rasches und abgestimmtes Handeln. Ziel ist, den Binnenmarkt zu stabilisieren und die heimische Produktion zu stützen.

Nach Medienberichten fordern die Agrarminister Strategien, die die Versorgung mit Düngemitteln sichern und die Folgen hoher Energiepreise für die Landwirtschaft in den EU-Staaten abfedern.

Der Sprecher von Fertilisers Europe betonte gegenüber Euronews, dass es über kurzfristige Maßnahmen zum Umgang mit den Folgen des Iran-Kriegs hinaus einen grundsätzlichen Kurswechsel brauche.

„Langfristig darf die europäische strategische Autonomie bei Lebensmitteln nicht an Hof oder Supermarktregal enden. Sie muss auch die vorgelagerten Inputs einschließen, ohne die Produktion nicht möglich ist“, sagte er.

„Mit Blick auf den kommenden Düngemittel-Aktionsplan haben wir die Europäische Kommission aufgefordert, die europäische Düngemittelindustrie als strategische Säule der Autonomie der EU anzuerkennen“, so der Sprecher weiter.

Die Weltbank warnt, der aktuelle Kurs könne in eine dauerhafte Spirale aus hohen Preisen und knapper Versorgung münden, die vor allem ohnehin gefährdete Regionen hart trifft.

Ohne stabilere Energiemärkte und wieder funktionierende Lieferketten für Düngemittel werden die indirekten Folgen des Iran-Kriegs die weltweite Lebensmittelversorgung noch lange nach dem Abflauen der militärischen Spannungen belasten.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

440 Milliarden Euro gegen die Krise: Experte empfiehlt den Verkauf deutscher Goldreserven

Lohnwachstum in Europa seit 2020: Geht es den Europäern wirklich besser?

Iran-Krieg treibt Düngerkrise an: Sorge um weltweite Ernährungssicherheit