Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

440 Milliarden Euro gegen die Krise: Experte empfiehlt den Verkauf deutscher Goldreserven

440 Milliarden Euro: Ökonom empfiehlt Verkauf deutscher Goldreserven
440 Milliarden Euro: Ökonom empfiehlt Verkauf deutscher Goldreserven Copyright  Copyright 2017 The Associated Press. All rights reserved.
Copyright Copyright 2017 The Associated Press. All rights reserved.
Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Um die Verbraucher in Deutschland zu entlasten, schlägt DIW-Chef Marcel Fratzscher vor, Teile der deutschen Goldreserven zu verkaufen. Diese sind derzeit rund 440 Milliarden Euro wert.

Deutschland hat die weltweit zweitgrößten Goldreserven nach den USA. Der Wert des Edelmetalls ist zuletzt fast stetig angestiegen. "Die deutschen Goldreserven haben einen Wert von heute knapp 440 Milliarden Euro", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu t-online.

WERBUNG
WERBUNG

Er bezeichnete die Reserven als "riesiges Sparschwein für Krisen". DIW-Präsident Fratzscher schlägt vor: "Einen zumindest kleinen Teil davon sollten wir zur Bekämpfung dieser Krise und zur Entlastung von Bürgerinnen und Bürgern und Unternehmen nutzen." Der Erlös könne laut Fratzscher auch in Bildung oder Infrastruktur investiert werden.

Die Verbraucherpreise steigen derzeit weiter an. Der Kraftfahrer-Index, der die Entwicklung von Waren und Dienstleistungen rund ums Autofahren zusammenfasst, lag im März 2026 um 6,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat, wie eine Auswertung des Statistischen Bundesamts zeigt. Zur Entlastung wurde ein Tankrabatt beschlossen, weitere Maßnahmen sind geplant.

3350 Tonnen Gold: Unantastbare Reserven?

Die Deutsche Bundesbank besitzt 3350 Tonnen Gold. Nur die USA haben noch größere Reserven. Danach folgen Italien, Frankreich, Russland und China. In Zeiten wachsender Unsicherheit hat der Wert des Edelmetalls immer wieder neue Rekorde gebrochen.

Zwischendurch stieg der Wert aufgrund geopolitischer Spannungen auf mehr als 5.000 US-Dollar, im Jahr 2025 hielt sich der Goldpreis unter 3.500 US-Dollar pro Feinunze - also etwa 31,10 Gramm. Derzeit steht der Goldpreis bei rund 4700 US-Dollar.

Die deutsche Bundesbank hat einen Großteil der Reserven in Frankfurt am Main gelagert. Doch rund 1236 Tonnen - etwa ein Drittel der deutschen Reserven - sollen in New York liegen, weitere 404 Tonnen in London. Verwaltet wird es trotzdem von der Bundesbank. Fratzschers Forderung richtet sich demnach nicht direkt an die Politik. "Selbst ein Bundeskanzler kann nicht einfach sagen: Ihr müsst jetzt das Gold verkaufen", so der DIW-Chef. Doch er sprach sich dafür aus, mit dem "Tabu" zu brechen, diese Reserven anzutasten.

Die Bundesbank sieht das Gold als langfristige Reserve und hat in der Vergangenheit Forderungen nach Verkäufen abgelehnt, da es das Vertrauen in die Währung stützt.

Politiker fordern: Geld nach Deutschland zurückholen

Zuvor gab es immer wieder Kritik, man solle insbesondere das in den USA gelagerte Gold zurück nach Deutschland holen. Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten habe "mit der Politik von Trump stark gelitten", so sagt Michael Jäger, Vizepräsident des BdSt und Präsident des Europäischen Steuerzahlerbunds, im Euronews-Interview.​ Deshalb sei es "höchste Zeit", die Goldreserven zurückzuholen.

Viele plädieren aus Gründen der Sicherheit und Unabhängigkeit dafür, das fehlende Drittel aus den USA zurückzuholen. Das Gold wäre auf heimischem Boden im Falle eines geopolitischen Konflikts schneller und direkt verfügbar. Die Bundesbank bestärkte in der Vergangenheit allerdings, dass weiterhin ein großes Vertrauen in die Federal Reserve in den USA, wo das Gold gelagert ist, bestehe.

Die AfD forderte im März 2026 in einem Antrag im Bundestag, "deutsches Staatsgold" vollständig nach Deutschland zurückzuholen. Die Fraktion fordert die Bundesregierung auf, mit der Bundesbank einen Zeitplan für die Heimholung sämtlicher deutscher Auslandsgoldreserven zu erarbeiten und zeitnah umzusetzen. Dabei sei sicherzustellen, dass die Goldreserve künftig ausschließlich innerhalb der Bundesrepublik gelagert werde, "um für Deutschland die Option einer (teilweisen) Golddeckung einer künftig möglicherweise wieder nationalen Währung post Euro zu erhalten".

Bei der ersten Lesung des Antrags im Bundestag nannte CSU-Politikerin Mechthilde Wittmann das Vorhaben der AfD einen "Comic-Antrag". Die Goldreserven seien das Stabilitätsfeld auf dem Finanz- und Kapitalmarkt im Zusammenhang mit Währungsschwankungen für Deutschland. Mit diesen Reserven dürfe man "eben nicht mit Alarmismus, nicht mit Schlagworten, nicht mit ideologischem Bling-Bling und schon gar nicht politisch fahrlässig" umgehen.

"Dieses Gold halten wir nicht, weil es einen inhärenten Wert besäße, sondern um es theoretisch, im absoluten Krisenfall, gegen Güter oder Devisen eintauschen zu können", erklärte auch Philipp Rottwilm von der SPD. Er sprach sich außerdem dafür aus, das Gold weiterhin in den USA zu lagern, weil es Flexibilität biete.

Auch Sebastian Schäfer (Bündnis 90/Die Grünen) warf der AfD vor, erneut eine Scheindebatte vom Zaun zu brechen. "Das Gold der Bundesrepublik Deutschland ist auch in den Tresoren der Federal Reserve Bank in New York City sicher", sagte der Abgeordnete.

Doris Achelwilm von den Linken regte an, über das Volumen der Goldreserve nachzudenken. Sie stellte, wie DIW-Chef Fratzscher in Frage, ob nicht ein relevanter Teil verkauft werden könne. Der Antrag wird nun federführend im Finanzausschuss beraten.

Warum lagert deutsches Gold in New York?

Gold gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten, auch wenn es Anlegern keine Rendite bringt. Bereits 2017 hatte die Bundesbank Gold nach Deutschland zurückgeholt. Bis dahin lagerten 374 Tonnen bei der Banque de France in Paris. Die Verlegung wurde damit begründet, dass Frankreich wie Deutschland den Euro hat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland mit exponentiell wachsenden Exporten Reichtum erwirtschaftet, der zu großen Handelsüberschüssen mit anderen Ländern führte. Diese Überschüsse wurden im Rahmen des Bretton-Woods-Systems in Gold umgewandelt.

Das Bretton-Woods-System war eine Währungsordnung, die die Vorteile eines flexiblen Wechselkurssystems mit denen eines festen vereinte. Nach dem Zweiten Weltkrieg unterzeichneten 44 Staaten dieses Abkommen. Alle teilnehmenden Länder vereinbarten feste Wechselkurse zum US-Dollar.

Im Gegenzug verpflichtete sich die US-Notenbank, Zentralbanken aller Teilnehmerländer Dollar gegen Gold zu einem festen Kurs von 35 US-Dollar pro Feinunze zu tauschen. Es wurde Anfang der 1970er Jahre aufgegeben - die Institutionen bestehen jedoch mit teils veränderten Zuständigkeiten fort.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Vier Jahre Ukraine-Krieg: "Putin hat die einfachen Leute unterschätzt"

Intel-Aktie steigt nach Gewinnsprung und optimistischem Ausblick um 20 Prozent

Meta streicht 8.000 Stellen und investiert mehr in KI - Microsoft zieht nach