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Einer von tausend: In diesen Ländern Europas verdienen Ultrareiche am meisten

Archivbild: Besucher betrachten am 29. September 2019 in der Schweiz einen Lamborghini Veneno Roadster (Baujahr 2014) vor einer Auktion.
Archivbild: Menschen betrachten einen Lamborghini Veneno Roadster (2014) vor einer Auktion in der Schweiz am 29. September 2019. Copyright  Laurent Gillieron/Keystone via AP
Copyright Laurent Gillieron/Keystone via AP
Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die reichsten 0,1 Prozent der Europäer kassieren rund 4,5 Prozent aller Einkommen. Ihr Anteil unterscheidet sich jedoch stark von Land zu Land.

Der Einkommensanteil der reichsten 0,1 Prozent unterscheidet sich in Europa deutlich. In einigen Ländern liegt er bei über sechs Prozent, im europäischen Schnitt bei 4,5 Prozent. Fachleute sehen vor allem Steuersysteme und Lohnungleichheit als Ursachen.

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Welche Länder räumen dieser Gruppe – etwa einer von tausend Menschen – also den größten Einkommensanteil ein?

Daten der World Inequality Database zeigen: In den betrachteten 35 Ländern reicht der Einkommensanteil dieser ultrareichen Gruppe von 1,6 Prozent in den Niederlanden bis 10,2 Prozent in Georgien. Erfasst sind EU-Mitglieder, Beitrittskandidaten, EFTA-Staaten sowie das Vereinigte Königreich.

Die Werte beziehen sich auf das Jahr 2024 oder auf das jeweils jüngste Jahr nach 2020. Eine Ausnahme ist Italien, dort stammen die aktuellsten Daten aus 2015. Grundlage ist das Markteinkommen, also vor Steuern und Sozialleistungen.

Innerhalb der EU verzeichnet Estland mit 8,3 Prozent den höchsten Anteil, gefolgt von Bulgarien mit 7,5 Prozent und Polen mit sieben Prozent.

Über sechs Prozent liegen auch zwei EU-Beitrittskandidaten: Serbien mit 6,9 Prozent und die Türkei mit 6,1 Prozent.

Dänemark mit 5,8 Prozent und Rumänien mit 5,1 Prozent kommen ebenfalls auf mehr als fünf Prozent.

Warum die Unterschiede?

Nach Einschätzung von Pawel Bukowski vom University College London spielen politische Entscheidungen und Institutionen eine zentrale Rolle.

„Länder unterscheiden sich beim Umfang der Umverteilung, also darin, wie stark sie über Steuern und Sozialpolitik in die Einkommen eingreifen“, sagte er gegenüber Euronews Business.

„In dieser Hinsicht ist die Umverteilung in Mittel- und Osteuropa relativ schwach ausgeprägt. So ist etwa das Steuersystem in Polen regressiv – Reiche zahlen im Verhältnis weniger als Arme.“

Er weist zudem darauf hin, dass viele Sozialleistungen so ausgestaltet sind, dass sie Einkommen nicht unbedingt angleichen.

Ohne Italien liegen die vier größten Volkswirtschaften dicht beieinander: Die ultrareichen Gruppen vereinen sehr ähnliche Anteile auf sich – Spanien fünf Prozent, Deutschland 4,9 Prozent, das Vereinigte Königreich 4,9 Prozent und Frankreich 4,9 Prozent.

Irland folgt mit 4,8 Prozent knapp dahinter und liegt damit leicht über dem europäischen Durchschnitt von 4,5 Prozent.

Am unteren Ende liegen mehrere Länder ebenfalls eng beieinander. Die Niederlande verzeichnen mit 1,6 Prozent den niedrigsten Wert. Dahinter folgen Zypern mit 2,2 Prozent, Montenegro, Slowenien und Belgien mit jeweils 2,3 Prozent sowie Albanien und Lettland mit jeweils 2,4 Prozent – alle unter 2,5 Prozent.

Für Italien weist die WID zuletzt 2,0 Prozent aus, die Angabe stammt jedoch aus dem Jahr 2015 und ist daher nur bedingt vergleichbar. Eine von Guzzardi und Morelli veröffentlichte WID-Studie kommt für 2021 auf 3,3 Prozent.

In Griechenland, der Schweiz, Tschechien, Schweden, Finnland und Norwegen liegt der Einkommensanteil des reichsten 0,1 Prozent der Bevölkerung jeweils zwischen 3,5 und 4,5 Prozent: Griechenland 4,5 Prozent, Schweiz 4,3 Prozent, Tschechien 4,2 Prozent, Schweden 3,7 Prozent, Finnland 3,5 Prozent und Norwegen 3,5 Prozent.

Salvatore Morelli von der Universität Roma Tre betont, dass höhere Anteile der Spitzeneinkommen in einigen Ländern zum Teil auf eine tatsächlich stärkere Konzentration von Löhnen, Unternehmenseinkommen und Vermögensbesitz zurückgehen. Diese erzeugen wiederum Kapitaleinkommen, insbesondere nach den wirtschaftlichen Umbrüchen der 1990er-Jahre.

Zugleich spiegeln die Unterschiede aber auch verschiedene Rentensysteme, Meldepflichten für Steuern, den Umfang der Schattenwirtschaft und die Frage wider, in welchem Ausmaß Kapitaleinkommen in Verwaltungsdaten überhaupt erfasst werden.

Lohnangleichung und starke Tarifbindung

„Studien zeigen, dass Länder mit stärkerer Lohnangleichung, ausgeprägteren Tarifstrukturen, niedrigerer Arbeitslosigkeit und umfassenderen Sozialversicherungssystemen die Einkommensunterschiede vor Steuern zwischen Topverdienern und dem Rest der Bevölkerung meist verringern“, sagte Morelli Euronews Business.

„Das könnte erklären, warum skandinavische und mehrere westeuropäische Länder häufig geringere Spitzeneinkommen-Anteile aufweisen als viele postsozialistische Transformationsökonomien.“

Steigt der Einkommensanteil der Reichsten?

In Europa entfielen 1940 auf das reichste 0,1 Prozent der Bevölkerung 6,43 Prozent des Gesamteinkommens. Dieser Anteil sank anschließend kontinuierlich und lag Anfang der 1980er-Jahre nur noch bei rund 2,7 Prozent.

Danach stieg der Wert wieder an und erreichte 2007 fast fünf Prozent, bevor die Finanzkrise ihn erneut drückte. Seit etwa 2010 bleibt der Anteil relativ stabil und liegt 2024 bei 4,54 Prozent.

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