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Wer in Europa am meisten Einkommensteuer zahlt – und wo Kinder den größten Unterschied machen

Ein Rentner hält bei einer Kundgebung in Paris am Donnerstag, 14. Juni 2018, ein Schild mit der Aufschrift: „Macron bestiehlt alte Männer und Frauen“.
Ein Rentner hält auf einer Kundgebung in Paris am Donnerstag, 14. Juni 2018, ein Schild mit der Aufschrift „Macron bestiehlt alte Männer und Frauen“. Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
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In Europa unterscheiden sich die Steuersätze auf Einkommen deutlich. In einigen Ländern senken unterhaltsberechtigte Kinder die Steuerlast.

Die Sätze der Einkommensteuer für Privatpersonen unterscheiden sich in Europa deutlich. Steuerpolitik und -systeme tragen wesentlich dazu bei.

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Einkommenshöhe, Familienstand und Zahl der unterhaltsberechtigten Kinder bestimmen maßgeblich, wie viel vom Bruttolohn an den Fiskus geht.

Welche europäischen Länder verlangen also die höchsten, welche die niedrigsten Einkommensteuern auf Bruttolöhne?

Euronews Business stützt sich dabei auf den OECD-Bericht „Taxing Wages 2026“ und blickt genauer auf die Einkommensteuersätze. Sozialabgaben sind in diesen Werten nicht enthalten.

Alleinstehende ohne Kinder

Im ersten Szenario verdient eine alleinstehende Person ohne Kinder das durchschnittliche Arbeitsentgelt. Im Jahr 2025 reicht die Einkommensteuer in diesem Fall unter 27 europäischen Ländern, davon 22 EU-Staaten, von 6,6 Prozent in Polen bis 35,3 Prozent in Dänemark.

Der Durchschnitt der zweiundzwanzig EU-Staaten liegt bei 17,2 Prozent, der OECD-Schnitt etwas darunter bei 15,5 Prozent.

Nur Dänemark überschreitet die Marke von 30 Prozent. Island (27,1 Prozent) und Belgien (25,6 Prozent) liegen über 25 Prozent. Mehr als 20 Prozent fallen in Estland (21,6 Prozent), Finnland (21,1 Prozent), Irland (21 Prozent) und Norwegen (20,4 Prozent) an.

Unter den großen Volkswirtschaften Europas liegen Italien (19,1 Prozent) und das Vereinigte Königreich über dem EU-Durchschnitt. Deutschland (17,2 Prozent) entspricht exakt dem Schnitt. Spanien (17,1 Prozent) und Frankreich (16,7 Prozent) liegen knapp darunter.

Neben Polen bleibt auch Tschechien mit 9,7 Prozent im einstelligen Bereich. Auch die Schweiz und die Slowakei liegen noch unter zwölf Prozent.

Einverdiener-Paar mit zwei Kindern

In den meisten Ländern zahlt ein Einverdiener-Paar mit zwei Kindern weniger Einkommensteuer als eine alleinstehende Person ohne Kinder. Das zeigen auch die Durchschnittswerte: In der EU sinkt der Satz von 17,2 auf elf Prozent, in der OECD von 15,5 auf ebenfalls elf Prozent.

In diesem Szenario reicht die Spanne von minus 6,5 Prozent in der Slowakei bis 31,8 Prozent in Dänemark. Ein negativer Satz bedeutet, dass Haushalte unter dem Strich Geld vom Staat zurückbekommen. Deutschland liegt nahe an dieser Schwelle und erhebt nur 0,7 Prozent.

Ein Einverdiener-Paar mit zwei Kindern zahlt außerdem weniger als fünf Prozent in Polen (1,1 Prozent), Tschechien (3,3 Prozent), Portugal (4,5 Prozent) und Slowenien (4,7 Prozent).

Trotz Familienbonus liegt der Satz hier in Estland (21,6 Prozent), Finnland (21 Prozent), Island (20,4 Prozent) und Norwegen (20,4 Prozent) weiterhin über 20 Prozent.

Zweiverdiener-Paar mit zwei Kindern

Im dritten Szenario verdienen beide Partner eines Paares mit zwei Kindern jeweils den Durchschnittslohn. Ein solcher Zweiverdiener-Haushalt zahlt etwas weniger Einkommensteuer als eine alleinstehende Person ohne Kinder. Die Durchschnittssätze liegen bei 15,5 Prozent für die EU‑22 und 14,3 Prozent für die OECD.

Hier reichen die Sätze von 4,7 Prozent in der Slowakei bis 35,3 Prozent in Dänemark.

Alex Mengden, Ökonom bei der Tax Foundation, erläutert: In einem System mit einheitlichem Einkommensteuersatz zahlen Haushalte mit zwei Kindern in der Regel gleich viel, egal ob ein oder zwei Personen verdienen. In progressiven Systemen mit steigenden Steuersätzen müssen Zweiverdiener-Paare dagegen mehr abführen.

Warum der Steuer-Mix die Unterschiede erklärt

Edoardo Magalini, Analyst und Statistiker bei der OECD und Mitautor des Berichts, nennt mehrere Gründe für die Unterschiede zwischen den Ländern.

"Erstens setzen die Länder sehr unterschiedlich auf ihren Steuer-Mix – je nach Finanzierungsbedarf, Wirtschaftsstruktur und historischer Entwicklung ihrer Finanzverwaltung", sagte er Euronews Business.

"Manche Staaten stützen sich stärker auf die Mehrwertsteuer oder auf Abgaben auf verschiedene Einkommensarten, etwa Unternehmens- oder Kapitaleinkommen. Andere holen sich den Großteil über Steuern auf Arbeit."

Einkommensteuer allein zeigt nicht die ganze Last

Magalini betont, dass die gesamte Abgabenlast auf Arbeitseinkommen nicht nur von der Einkommensteuer abhängt, sondern auch von anderen Zahlungen wie Sozialbeiträgen, die Beschäftigte und Arbeitgeber leisten.

So weist Dänemark zwar den höchsten Einkommensteuersatz aus, Beschäftigte zahlen dort aber kaum Sozialbeiträge. Frankreich liegt bei der Einkommensteuer dagegen unter dem EU‑22‑Durchschnitt, finanziert den Staat aber stark über Sozialabgaben.

Mengden hebt hervor, dass der unterschiedliche Einsatz von Sozialbeiträgen der wichtigste Treiber für die Abweichungen zwischen den Ländern ist. Die Beiträge zur Sozialversicherung unterscheiden sich deutlich und beeinflussen, wie viel vom Bruttolohn letztlich ausgezahlt wird.

John Hurley, leitender Forschungsmanager bei Eurofound, betont zudem: Länder mit hohen Abgaben auf Arbeit haben meist auch stärker progressive Steuersysteme – hohe Einkommen werden stärker belastet, Geringverdiener wenig oder gar nicht.

Wo Kinder steuerlich am meisten zählen?

Vergleicht man eine alleinstehende Person ohne Kinder mit einem Einverdiener-Paar mit zwei Kindern, fallen die Unterschiede in einigen Ländern ins Auge. In der Slowakei beträgt die Differenz 17,4 Prozentpunkte, gefolgt von Deutschland mit 16,5, Luxemburg mit zwölf und Belgien mit 11,8 Prozentpunkten – alle liegen mehr als zehn Punkte auseinander.

Wie die Grafik zeigt, ist der Steuersatz in Estland, Norwegen, Litauen, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Schweden und der Türkei identisch.

Mengden erklärt, dass der Abstand der Steuersätze zwischen einem kinderlosen Single und einem verheirateten Paar mit zwei Kindern vor allem widerspiegelt, wie großzügig Kinderleistungen über das Steuersystem gewährt werden.

"Dass es in Ländern wie Estland, Litauen, Norwegen, Schweden und der Türkei keinen Unterschied beim Steuersatz gibt, heißt daher nicht automatisch, dass sie keine großzügigen Leistungen für Familien haben", fügt er hinzu. "Oft laufen diese einfach über andere Kanäle, etwa öffentliche Dienstleistungen, direkte Transfers oder eine kostenlose Mitversicherung der Kinder."

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