Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Europa: In diesen Ländern verdienen die Superreichen am meisten

Ein Rentner demonstriert in Paris in Frankreich. Auf seinem Schild steht: „Genug Geschenke für die Reichen.“ Die Aufnahme stammt vom Donnerstag, 14. Juni 2018.
Ein Rentner hält bei einer Kundgebung in Paris am Donnerstag, 14. Juni 2018, ein Schild mit der Aufschrift „Geschenke an Reiche reichen.“ Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
Copyright Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
Von Servet Yanatma
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die reichsten null Komma eins Prozent in Europa kassieren rund vier Komma fünf Prozent aller Einkommen, doch ihr Anteil unterscheidet sich stark von Land zu Land.

Der Einkommensanteil, der an das reichste 0,1 % der Bevölkerung geht, unterscheidet sich in Europa stark. In einigen Ländern liegt er über 6 %, der europäische Durchschnitt beträgt 4,5 %. Fachleute sehen vor allem Steuersysteme und Lohnungleichheit als Triebkräfte dieser Unterschiede.

WERBUNG
WERBUNG

Welche Länder räumen dieser Gruppe – rund einer von tausend Menschen – den größten Einkommensanteil ein?

Zahlen der World Inequality Database zeigen, dass der Einkommensanteil dieser Ultrareichen in den 35 betrachteten Ländern zwischen 1,6 % in den Niederlanden und 10,2 % in Georgien liegt. Erfasst sind EU-Mitglieder, Beitrittskandidaten, EFTA-Staaten und das Vereinigte Königreich.

Die meisten Werte beziehen sich auf das Jahr 2024 oder auf das jeweils jüngste Jahr nach 2020. Eine Ausnahme ist Italien, wo die aktuellsten Daten aus dem Jahr 2015 stammen. Grundlage ist das Einkommen vor Steuern und Sozialleistungen.

Unter den EU-Staaten verzeichnet Estland mit 8,3 % den höchsten Anteil, gefolgt von Bulgarien (7,5 %) und Polen (7 %).

Auch zwei EU-Beitrittskandidaten liegen über 6 %: Serbien (6,9 %) und die Türkei (6,1 %).

Dänemark (5,8 %) und Rumänien (5,1 %) kommen ebenfalls auf mehr als 5 %.

Woran liegen die Unterschiede?

Dr. Pawel Bukowski vom University College London betont, dass Politikgestaltung und Institutionen eine zentrale Rolle spielen.

„Länder unterscheiden sich beim Ausmaß der Umverteilung, also darin, wie stark sie Einkommen über Steuern und Sozialpolitik zu beeinflussen versuchen“, sagte er Euronews Business.

„In dieser Hinsicht ist die Umverteilung in Mittel- und Osteuropa eher gering. In Polen ist das Steuersystem etwa regressiv, das heißt: Reiche zahlen im Verhältnis weniger als Arme“, so Bukowski.

Er weist außerdem darauf hin, dass viele sozialpolitische Maßnahmen so ausgestaltet sind, dass sie Einkommen nicht zwingend angleichen.

Lässt man Italien außen vor, liegen die vier größten Volkswirtschaften dicht beieinander: In Spanien entfallen 5 %, in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Frankreich jeweils 4,9 % auf die Gruppe der Ultrareichen.

Irland (4,8 %) folgt knapp dahinter und liegt damit leicht über dem europäischen Durchschnitt von 4,5 %.

Am unteren Ende liegen mehrere Länder eng beisammen. Die Niederlande verzeichnen mit 1,6 % den niedrigsten Wert, gefolgt von Zypern (2,2 %), Montenegro (2,3 %), Slowenien (2,3 %), Belgien (2,3 %), Albanien (2,4 %) und Lettland (2,4 %). Alle bleiben unter 2,5 %.

Für Italien weist die WID zuletzt 2,0 % aus. Diese Angabe stammt allerdings aus dem Jahr 2015 und ist daher nur bedingt vergleichbar. Eine von der WID veröffentlichte Studie von Guzzardi und Morelli kommt für 2021 auf 3,3 %.

Der Einkommensanteil des reichsten 0,1 % liegt in Griechenland (4,5 %), der Schweiz (4,3 %), Tschechien (4,2 %), Schweden (3,7 %), Finnland (3,5 %) und Norwegen (3,5 %) zwischen 3,5 und 4,5 %.

Dr. Salvatore Morelli von der Universität Roma Tre weist darauf hin, dass höhere Einkommensanteile an der Spitze in manchen Ländern teilweise eine tatsächlich stärkere Konzentration von Löhnen, Unternehmenseinkommen und Vermögen widerspiegeln. Letzteres generiert wiederum Kapitaleinkommen – insbesondere nach den wirtschaftlichen Umbrüchen der neunziger Jahre.

Zugleich spielen Unterschiede bei Rentensystemen, steuerlichen Meldepflichten, der Informalität der Wirtschaft und dabei, wie gut Kapitaleinkommen in Verwaltungsdaten erfasst werden, eine Rolle.

Lohnangleichung und stärkere Tarifbindung

„Studien legen nahe, dass Länder mit stärkerer Lohnangleichung, kräftigen Tarifstrukturen, niedriger Arbeitslosigkeit und gut ausgebauten Sozialversicherungssystemen die Einkommenslücke vor Steuern zwischen Spitzenverdienern und dem Rest der Bevölkerung eher verringern“, sagte Morelli Euronews Business.

„Das könnte erklären, warum skandinavische Länder und mehrere westeuropäische Staaten häufig geringere Einkommensanteile an der Spitze verzeichnen als viele Transformationsökonomien.“

Wächst der Einkommensanteil der Reichsten?

In Europa vereinnahmte das reichste 0,1 % im Jahr 1940 noch 6,43 % des Gesamteinkommens. Dieser Anteil sank anschließend kontinuierlich und lag Anfang der achtziger Jahre bei rund 2,7 %.

Danach stieg er wieder an und näherte sich 2007 der Marke von 5 %, bevor die Finanzkrise ihn erneut drückte. Seit etwa 2010 verläuft die Kurve relativ flach; 2024 liegt der Wert bei 4,54 %.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Europas Superreiche: Wo gibt es die meisten und wo kommen Neue hinzu?

Europa: In diesen Ländern verdienen die Superreichen am meisten

Stellantis plant bis 2030 sechzig neue Modelle: Elektroauto aus Pomigliano