Frankreich, Deutschland, Italien und 14 weitere Staaten vereinbaren eine gemeinsame Erklärung für grenzüberschreitende Tests autonomer Fahrzeuge in Europa.
Mit siebenjähriger Verspätung sollen Tests mit autonomen Fahrzeugen in den kommenden Monaten endlich in ganz Europa ausgeweitet werden.
Am Montag unterzeichneten 18 europäische Verkehrsministerinnen und -minister gemeinsam mit dem EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus, Apostolos Tzitzikostas, eine Erklärung, die grenzüberschreitende Großtests mit autonomen Fahrzeugen unterstützt.
Ziel ist es, Tests zu erleichtern, indem ein gemeinsamer Rahmen für alle teilnehmenden Staaten geschaffen wird.
Damit rückt Europa von vielen verstreuten nationalen Pilotprojekten ab und bewegt sich hin zu einem koordinierten europäischen Ansatz, um autonome Fahrzeuge zu erproben und sie auf den künftigen Einsatz vorzubereiten.
Eine der größten Hürden für die Branche ist bisher das Flickwerk nationaler Regeln in Europa gewesen. Unterschiedliche Testgenehmigungen, Zulassungsverfahren sowie Anforderungen an Straßen und Daten haben es Unternehmen erschwert, Dienste über Grenzen hinweg aufzubauen.
Die Erklärung unterzeichneten Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich, Belgien, Kroatien, Zypern, Tschechien, Estland, Finnland, Griechenland, Ungarn, Irland, Luxemburg, Litauen, die Niederlande, Polen und Schweden.
Die Initiative konzentriert sich auf Bereiche wie den öffentlichen Verkehr, den Gütertransport und die Logistik.
Die teilnehmenden Länder wollen gemeinsame Zulassungsgrundsätze und abgestimmte Genehmigungsverfahren entwickeln und parallel dazu großangelegte Testprojekte in ganz Europa durchführen.
Rückendeckung erhält das Vorhaben auch im Europaparlament. Pierfrancesco Maran von der Fraktion der Sozialdemokraten, der am geplanten Gesetzespaket „Automotive Omnibus“ mitarbeitet, nannte die Vereinbarung „einen wichtigen Schritt nach vorn“ und forderte Europa auf, schneller einen echten Binnenmarkt für Innovationen im Bereich autonomer Fahrzeuge zu schaffen.
Europa müsse autonome Fahrtechnologien nicht nur entwickeln, sagte er, sondern auch die Voraussetzungen schaffen, um sie in großem Maßstab zu testen und einzusetzen. Maran fügte hinzu: „Wenn autonome Fahrzeuge anderswo getestet werden, entstehen auch dort die industriellen Ökosysteme, das Know-how und die Arbeitsplätze.“
Gleichzeitig nimmt die Entwicklung rund um autonome Fahrzeuge auf dem Kontinent Fahrt auf.
Ebenfalls am Montag öffneten Uber und das britische Start-up Wayve in London eine öffentliche Warteliste für Fahrten mit autonomen Taxis. Der Dienst soll in den kommenden Monaten starten, zunächst mit Sicherheitsfahrerinnen und -fahrern an Bord. Es ist das erste Mal, dass sich die Bevölkerung im Vereinigten Königreich für einen Robotaxi-Service registrieren kann.
Robotaxis in Europa: Wo der Start bevorsteht
In den Vereinigten Staaten und in China fahren selbstfahrende Taxis bereits in großem Stil. Nun versucht Europa aufzuholen; große Unternehmen starten Testbetriebe in vielen Ländern.
Zagreb entwickelt sich nach Angaben von Uber zum ersten Markt für einen kommerziellen Robotaxi-Dienst in Europa. Das Unternehmen startete am 8. April einen der frühesten Robotaxi-Tests des Kontinents in der kroatischen Hauptstadt. Gemeinsam mit der chinesischen Firma Pony.ai und dem kroatischen Start-up Verne brachte Uber rund 10 autonome Taxis auf die Straße.
Gleichzeitig bereitet sich London auf Tests durch drei große Betreiber noch in diesem Jahr vor: Waymo, eine Tochter der Google-Mutter Alphabet, Wayve in Partnerschaft mit Uber und Apollo Go, eine Sparte des chinesischen Technologiekonzerns Baidu.
In Madrid hat das chinesische Unternehmen WeRide einen Testbetrieb mit Uber angekündigt, München soll Robotaxis mit Technik des chinesischen Anbieters Momenta bekommen.
In der Schweiz arbeitet Apollo Go bei einem Pilotprojekt mit der Schweizerischen Post zusammen, Stellantis und Pony.ai planen einen Test in Luxemburg.
Fahrdienst-Plattformen wie Uber, Lyft und Bolt sind zu zentralen Partnern vieler dieser Projekte geworden.
Waymo gibt an, rund 3.000 fahrerlose Taxis in einem Dutzend US-Städten zu betreiben. Apollo Go meldet eine ähnlich große Flotte in 27 chinesischen Städten sowie in Dubai. Pony.ai verfügt über etwa 1.700 Fahrzeuge und will die Flotte bis Ende 2026 auf 3.500 ausbauen, WeRide ist mit rund 1.000 Wagen unterwegs.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) haben sich die Flotten fahrerloser Taxis in China und den Vereinigten Staaten im Jahr 2025 auf rund 8.000 Fahrzeuge mehr als verdoppelt; sie sind inzwischen in mehr als zwei Dutzend Städten unterwegs. Bis 2035 rechnet die IEA weltweit mit zwischen 700.000 und drei Millionen Robotaxis.
Die Unternehmensberatung BCG hält bis dahin sogar rund drei Millionen Robotaxis weltweit für möglich, darunter 850.000 in China, 350.000 in den Vereinigten Staaten und 120.000 in Europa.
Expertinnen und Experten führen das langsamere Tempo in Europa auf strengere Sicherheitsvorschriften und eine stärker ausgeprägte Kultur des öffentlichen Verkehrs zurück.
Doch die Dynamik nimmt zu.
„London ist bereit, Madrid ebenfalls“, sagt der Experte für autonome Mobilität Hervé de Tréglodé. „Wir könnten bis 2027 kommerzielle Angebote sehen.“