Die Börsen weltweit haben am Mittwoch nachgegeben. Die volatile Woche setzt sich fort, getrieben von Sorge vor höherer Inflation, möglichen Zinsanhebungen und wachsender Spannung im Nahen Osten.
Die meisten Aktienmärkte in Asien haben am Mittwoch nachgegeben, nachdem es an der Wall Street zu einer Verkaufswelle bei Technologiewerten gekommen war. Die Ölpreise zogen nach neuen US-Luftangriffen auf Iran an.
Das US-Militär flog die Angriffe, nachdem US-Präsident Donald Trump Vergeltung angekündigt hatte. Er wirft Iran vor, einen Apache-Hubschrauber abgeschossen zu haben, der am Dienstagmorgen in der Nähe der Straße von Hormus abgestürzt sei.
Teheran kündigte eine Antwort an und erklärte, man werde „keinen Angriff und keine Drohung unbeantwortet lassen“.
Die jüngste Eskalation nährt Zweifel an einem dauerhaften Ende des nun seit mehr als drei Monaten andauernden Konflikts. Sie verunsichert die Märkte zusätzlich, die bereits unter starken Schwankungen bei Aktien mit Bezug zu künstlicher Intelligenz leiden.
Trotz der Unsicherheit um eine vollständige Wiedereröffnung der Straße von Hormus lagen die Ölpreise im frühen Handel am Dienstag jedoch leicht niedriger.
Der Frontmonat-Kontrakt auf Brent, die internationale Referenzsorte, und die US-Referenz WTI gaben jeweils um rund null Komma drei Prozent nach und lagen zuletzt bei 91,20 Dollar beziehungsweise 87,90 Dollar je Barrel.
„Die Lage bleibt äußerst volatil“, schrieben die Rohstoffstrategen Warren Patterson und Ewa Manthey von ING in einer Notiz.
Dies zeige erneut, wie schwer sich Iran und die USA damit tun, auf einen nachhaltigen Waffenstillstand hinzuarbeiten, der den freien Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ermöglicht, erklärten die Analysten.
Zudem bleibe die saisonale Nachfrage hoch und trage damit zu einem allgemeinen Aufwärtsdruck auf die Preise bei.
Wall-Street-Verkaufswelle erfasst Weltbörsen
Wichtige europäische Börsen starteten am Dienstagmorgen mit gemischten Vorzeichen.
Der Euro Stoxx 50 lag um null Komma drei Prozent im Minus, der breiter gefasste Stoxx 600 legte im frühen Handel hingegen um etwa null Komma drei Prozent zu.
Der deutsche Dax gewann null Komma zwei fünf Prozent. In Frankreich gab der CAC 40 um null Komma drei Prozent nach, der britische FTSE 100 verlor null Komma fünf Prozent. Der italienische FTSE MIB stieg dagegen um null Komma vier Prozent.
An anderen Börsen gaben vor allem Technologiewerte nach. Anleger fürchten, dass mögliche höhere Zinsen wachstumsstarke Unternehmen treffen, die häufig auf Kredite und hohe Gewinnerwartungen in der Zukunft angewiesen sind.
Händler warten gespannt auf neue US-Inflationsdaten, die am Mittwoch anstehen. Ökonomen rechnen mit dem stärksten jährlichen Anstieg der Verbraucherpreise seit mehr als drei Jahren.
Robuste US-Arbeitsmarktdaten aus der vergangenen Woche haben Spekulationen verstärkt, die US-Notenbank Federal Reserve könnte die Zinsen anheben, um die Inflation zu bremsen.
Die Märkte sind zudem nervös geworden nach einer kräftigen, von KI-Fantasien getriebenen Rally seit März. Einige Anleger stellen die Frage, ob Technologiewerte inzwischen zu hoch bewertet sind, zumal sich SpaceX auf seinen Börsengang am Freitag vorbereitet.
US-Futures gaben leicht nach, nachdem Chipwerte an der Wall Street Verluste verzeichnet hatten, darunter Micron Technology, Advanced Micro Devices (AMD) und Marvell Technology.
Im asiatischen Handel fiel der südkoreanische Kospi um vier Komma sieben Prozent auf 7.720,59 Punkte, nachdem er tags zuvor stark zugelegt hatte. Samsung Electronics, der wertvollste Konzern des Landes und Hersteller von Speicher- und Logikchips, verlor fünf Komma acht Prozent. Aktien des Chipproduzenten SK Hynix gaben sechs Komma drei Prozent nach.
Der japanische Leitindex Nikkei 225 sank um ein Komma vier Prozent auf 64.524,84 Punkte. Zuvor hatten Daten gezeigt, dass die Produzentenpreise im Mai im Jahresvergleich um sechs Komma drei Prozent gestiegen sind – der stärkste Zuwachs seit mehr als drei Jahren.
Aktien der multinationalen Beteiligungsgesellschaft SoftBank Group, die stark in KI-Projekte investiert ist, büßten acht Komma neun Prozent ein. Der Chipproduzent Tokyo Electron legte dagegen um fünf Komma drei Prozent zu.
Der Hang Seng Index in Hongkong verlor ein Komma eins Prozent auf 24.296,62 Punkte. Auf dem chinesischen Festland gab der Shanghai Composite um null Komma sieben Prozent auf 3.980,24 Punkte nach. Offizielle Daten zeigen, dass die Produzentenpreise in China im Mai um drei Komma neun Prozent stiegen – so stark wie seit fast vier Jahren nicht mehr.
Der australische Leitindex S&P/ASX 200 rückte um null Komma zwei Prozent auf 8.624,50 Punkte vor. In Taiwan fiel der Taiex um ein Komma sechs Prozent, in Indien gewann der Sensex null Komma sechs Prozent.
An der Wall Street gab der S&P 500 am Dienstag um null Komma drei Prozent auf 7.386,65 Punkte nach. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um null Komma zwei Prozent auf 50.872,11 Punkte, der technologieorientierte Nasdaq Composite verlor ein Prozent.
Beim US-Chipproduzenten Micron Technology drehte ein anfängliches Plus von vier Prozent in ein Minus von 10 Prozent, am Ende schloss die Aktie ein Komma vier Prozent tiefer. Marvell Technology verlor sieben Komma sechs Prozent, AMD gab drei Prozent ab.
Anleger blicken zudem auf wichtige US-Inflationsdaten, die im Verlauf dieser Woche anstehen. Steigende Energiepreise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg schüren die Sorge vor zusätzlichem Inflationsdruck.
Am Devisenmarkt bewegte sich der US-Dollar kaum und kostete 160,36 Yen. Der Euro kletterte leicht von 1,1543 auf 1,1550 Dollar.
Der Goldpreis fiel im frühen europäischen Handel um zwei Prozent auf 4.197,60 Dollar je Feinunze.
Am Anleihemarkt gaben die Renditen wichtiger europäischer zehnjähriger Staatsanleihen am Mittwoch leicht nach. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg dagegen um zwei Komma drei Basispunkte auf 4,545 Prozent.