Belgien-Kennerin Angela Dansby verrät ihre besten Reisetipps: von sehenswerten Attraktionen bis zu typischen Speisen und Getränken im ganzen Land.
Sollten mehr Menschen Brüssel besuchen? Die Einwohnerinnen und Einwohner der belgischen Hauptstadt sind eindeutig dieser Meinung.
Touristische Hotspots in Europa stellen sich auf einen Ansturm von Gästen im Sommer ein. In Brüssel halten laut einer Studie von iVOX im Auftrag von Ovide-Airbnb 74,6 % von 1.000 Befragten in 19 Gemeinden ihre Stadt für ein „unterschätztes“ Reiseziel.
Rund 3,7 Millionen Menschen reisten 2025 nach Brüssel, ein leichter Rückgang gegenüber 2024 mit 3,71 Millionen Besucherinnen und Besuchern. Für 79 % der Befragten ist der Tourismus „unverzichtbar“, weil er lokale Geschäfte und die gesamte Wirtschaft stützt.
„Zu wenige Menschen wissen, dass Brüssel – und Belgien insgesamt – ein großartiges Reiseziel ist“, sagt Angela Dansby, Autorin von „Best of Belgium (Quelle auf Englisch): The Complete Travel Guide Through Expat Eyes“, im Gespräch mit Euronews Travel.
„Ich finde zwar nicht, dass es Brüssel an Touristinnen und Touristen mangelt, aber die Stadt ist als Reiseziel klar unterschätzt. Meine Gäste – und davon hatte ich viele – sind immer wieder positiv überrascht und stimmen mir zu.“
Dansby arbeitet als Lifestyle-Journalistin und lebt seit 2015 in Belgien. Für ihr jüngstes Buch, das im April 2026 erschien, ist sie Hunderte Kilometer durch das Land gelaufen, um 32 Städte zu fotografieren und zu porträtieren – immer mit ihrer bewährten DSRL-Kamera in der Hand.
Der 200 Seiten starke Reiseführer der selbst ernannten Expertin mit „Belgitude“ führt durch fast 100 Orte. Jeder zeigt, warum dieses mehrsprachige Land auf keiner Europa-Liste von Reisefans fehlen sollte.
Was ursprünglich als bloßes „Ein-Jahres-Experiment“ gedacht war – sie gewann damals von Chicago aus einen Kunden in Brüssel und bekam ein Arbeitsvisum – wurde zu einem Aufenthalt über Jahrzehnte.
Auf die Frage, warum sie so lange geblieben ist, sagt sie: „Mit der Zeit wurde ich Doppelstaatsbürgerin. Ich habe mich in Belgien verliebt – und in einen Belgier.“
Euronews Travel hat mit Dansby über ihre Lieblingsorte in Belgien gesprochen: über Städte und Dörfer, Restaurants, Kultur, Kunst und versteckte Ecken, die viele Touristinnen und Touristen übersehen.
Menschen aus aller Welt treffen
Belgien gilt als faktisches Herz Europas. In dem Land leben knapp zwölf Millionen Menschen, darunter Angehörige von rund 180 Nationalitäten. Dansbys wichtigster Tipp für eine Reise nach Belgien lautet deshalb: „Lernen Sie Menschen aus aller Welt kennen – besonders in Brüssel.“
Wo begegnet man dieser Weltbevölkerung? Dansby empfiehlt, eine kleine „Schlösserjagd“ einzuplanen. Belgien ist eine parlamentarische Monarchie; märchenhafte Schlösser und Burgen findet man fast überall.
„Belgien hat weltweit die meisten Schlösser pro Quadratkilometer“, erklärt sie. Schätzungsweise 3.000 stehen im Land. „Ich liebe es, sie zu entdecken. Wunderschön sind zum Beispiel die Schlösser von Bouillon, Beloeil und Vêves.“
Alle drei Empfehlungen liegen in der französischsprachigen Region Wallonien im Süden Belgiens, die viele ihrer Schlösser und Festungen bewahrt hat. Die Burg Bouillon etwa, die jedes Jahr rund 135.000 Menschen besuchen, bietet einen 360-Grad-Blick auf die mittelalterliche Stadt.
Wer Sehenswürdigkeiten, Kunst, Geschichte und Kultur sucht, kann nach Dansbys Ansicht nahezu überall im Land fündig werden.
Für eine wirklich außergewöhnliche Geschichte empfiehlt sie jedoch Oostduinkerke. Dort ziehen Krabbenfischer hoch zu Pferd ins Meer. Diese Tradition gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Rund 40 Mal im Jahr reiten die Männer hinaus und halten so einen 500 Jahre alten Brauch lebendig.
Belgiens beste Genüsse
Essen zählt zu Dansbys Lieblingsbeschäftigungen in Belgien – kaum verwunderlich. Die Gastronomieszene umfasst Hunderte Restaurants, die im Guide Michelin stehen, und mehr als 100 Sterne-Adressen. „Das ist die dritthöchste Dichte weltweit“, sagt sie.
Wer sich ein besonderes Essen gönnen möchte, sollte nach ihrer Empfehlung in Brüssel, Antwerpen, Brügge oder Knokke-Heist essen gehen.
„Eupen ist ideal für deutsche Klassiker“, sagt sie und nennt etwa Sauerbraten oder Eupener Platz, ein flaches, ovales Briochegebäck mit Rosinen und reichlich Hagelzucker.
Für Kaffee, Fleischbällchen und Waffeln empfiehlt sie Lüttich. Gent sei die Adresse für Waterzooi, eine cremige Hühner-Gemüse-Suppe, Ostende für frischen Fisch und Meeresfrüchte.
Viele denken bei Schnecken sofort an Frankreich. Doch auch Belgien hat eine Tradition: Die Petit-Gris de Namur aus der wallonischen Provinz Namur gelten als ausgefallene Delikatesse. Man serviert sie meist mit Knoblauchbutter, Kräutern und Pilzen.
Mehr als nur Brüssel
Nach Dansbys Erfahrung liegen viele der schönsten Erlebnisse Belgiens abseits der ausgetretenen Touristenpfade.
Brüssel steht zwar für belgische Küche, doch auch Hasselt in Flandern hat eine lebendige Food-Szene, sagt sie.
Laut Tripadvisor gehören zu den drei bestbewerteten Restaurants der Stadt zwei Häuser mit Michelin-Eintrag: Ross mit belgisch-niederländischer Küche und La Fontella mit italienischen und französischen Spezialitäten.
„De Haan ist außerdem ein wunderschöner Küstenort mit Villen, die nach Albert Einstein benannt sind, der hier mehrere Monate verbracht hat“, erzählt sie.
Geschichtsträchtige Orte gibt es viele, etwa Ploegsteert in Wallonien. Dort fand 1914 an der Front der berühmte Weihnachtsfrieden statt, als sich verfeindete Soldaten im Ersten Weltkrieg zu einem Fußballspiel trafen.
Was man tun – und lassen – sollte
Beim Thema Pommes lacht Dansby. Den Ausdruck „French Fries“ sollten Reisende besser vermeiden, sagt sie, weil über die Herkunft des Snacks gestritten wird. „Nennen Sie sie einfach Fritten – und probieren Sie sie mit Mayonnaise statt Ketchup, das ist die belgische Art.“
Weitere Belgien-Tipps: die gut ausgebaute Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs nutzen. Das Land teilt seine Buslinien in drei Netze: De Lijn ist für Flandern zuständig, TEC für den Busverkehr in Wallonien. In Brüssel deckt die STIB Busse und Metro ab.
Belgien lässt sich zudem hervorragend zu Fuß erkunden. Wanderungen durch die vielfältigen Landschaften gehören zu Dansbys Lieblingsaktivitäten. „Besonders in den Ardennen, in der deutschsprachigen Region Ostbelgien oder im Frühjahr durch die ‚lila Teppiche‘ der Hasenglöckchen im Hallebos-Wald“, sagt sie.
Unterwegs sollten Reisende auch die Wochenmärkte und lokalen Feste nicht auslassen. „Bei solchen Veranstaltungen bekommt man einen guten Eindruck von Belgiens Vergangenheit und Gegenwart.“
Ihr letzter Rat: „Scheuen Sie sich nicht, die Einheimischen einfach alles zu fragen.“