Russland verstärkt seit Monaten seine täglichen Angriffe. Die Ukraine reagiert mit Drohnen tief im russischen Hinterland und zielt vor allem auf Militär und Energie.
Ukrainische Streitkräfte haben nach Angaben aus Kyjiw und Moskau Öl-Anlagen in Russland und auf der besetzten Krim angegriffen. Damit setzt Kyjiw seine Strategie fort, Russland für die Großinvasion auch wirtschaftlich bezahlen zu lassen.
Der ukrainische Generalstab erklärte, in der Nacht seien Ziele in der südrussischen Region Krasnodar getroffen worden, darunter die Ölumladestation Gruschowaja nahe Noworossijsk.
Der Komplex gehört zu den größten Umschlagplätzen für Öl und Ölprodukte im Süden Russlands. Regionale Behörden in Russland bestätigten, dass eine ukrainische Drohne auf dem Gelände ein Feuer ausgelöst habe. Verletzte gebe es nicht.
Zum Ausmaß der Schäden äußerten sie sich nicht. Nach ihren Angaben waren jedoch 130 Einsatzkräfte an den Löscharbeiten beteiligt.
Auf die Frage nach einer möglichen Treibstoffkrise auf der besetzten Krim sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow, das Energieministerium und andere Behörden arbeiteten an Maßnahmenpaketen, um auf die Lage zu reagieren.
„Es gibt in der Tat derzeit bestimmte Probleme“, sagte Peskow. „Es werden Maßnahmen ergriffen.“
Getroffen worden sei außerdem die Anlage Krasny Jar, eine sogenannte „lineare Produktions- und Versandstation“, in der Region Wolgograd, hieß es weiter.
Dort sei ein Feuer ausgebrochen, heißt es in der Mitteilung. Der russische Gouverneur Andrej Botscharow machte keine Angaben dazu, was in der Anlage produziert wird, betonte aber, es gebe keine Verletzten.
In der Nacht zum Montag griff die Ukraine zudem die Ölbasis Semykolodezkaja auf der von Russland besetzten Krim an und löste dort ebenfalls ein Feuer aus.
Die Basis diene als Treibstofflager für die Versorgung der russischen Streitkräfte, hieß es in der über Telegram verbreiteten Erklärung.
Ukrainische Truppen hätten außerdem ein Tanklager nahe Feodossija auf der Krim getroffen, teilte der Generalstab mit.
Angriffe bei Charkiw
Russische Angriffe haben in der nordostukrainischen Region Charkiw nach Angaben des Gouverneurs am frühen Dienstagmorgen drei Menschen getötet und zehn weitere verletzt.
„Der Feind hat die Stadt Tschuhujiw getroffen“, schrieb der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Synehubow, auf Telegram und fügte hinzu, dass drei Menschen getötet worden seien.
Die Angriffe hätten Brände ausgelöst und mindestens 18 Fahrzeuge beschädigt; in mehrstöckigen Wohnhäusern seien Fensterscheiben zerborsten und Fassaden beschädigt worden, so Synehubow.
Unabhängig davon berichtete Charkiws Bürgermeister Ihor Terechow, in der Stadt seien zehn Menschen verletzt worden.
Die täglichen russischen Angriffe mit zivilen Opfern haben sich in den vergangenen Monaten verstärkt. Die Ukraine reagiert mit eigenen Drohnenangriffen tief im russischen Hinterland und betont, sie richteten sich vor allem gegen militärische und energetische Ziele.
Mindestens 15.850 Zivilistinnen und Zivilisten sind nach einer im April veröffentlichten Schätzung der Vereinten Nationen in von Kyjiw kontrollierten Gebieten getötet worden, seit Russland im Februar 2022 seine Vollinvasion begonnen hat.
Mehr als 2.800 Zivilpersonen kamen demnach in von Russland kontrollierten Gebieten ums Leben. Insgesamt wurden laut UN-Angaben mehr als 44.800 Menschen in ukrainischen und russisch besetzten Gebieten verletzt.
Sanktionen gegen Russland
Unterdessen erklärte der Außenbeauftragte der Europäischen Union, ein neues Sanktionspaket gegen Russland umfasse 80 Einträge, die sich gegen Russlands „militärisch-industriellen Komplex, Menschenrechtsverletzer und Propagandisten“ richteten.
Kaja Kallas sagte am Montag nach einem Treffen der EU-Verteidigungsministerinnen und -minister vor der Presse, die westlichen Sanktionen hätten Moskau bereits schätzungsweise 1,2 bis 1,5 Billionen Dollar (1,04 bis 1,3 Billionen Euro) gekostet.