Die von Trump bei der Wahl 2024 gewonnenen Bundesstaaten stellen vierundsiebzig Prozent der neu installierten Solarkapazität im ersten Quartal 2026.
US-Präsident Donald Trump setzt weiter auf Kohle statt auf saubere Energien. Gleichzeitig erreicht die Solarenergie in den USA neue Rekorde und bleibt die wichtigste Quelle für zusätzlichen Strom.
Daten, die der globale Energiethinktank Ember am zehnten Juni veröffentlicht hat, sowie ein Bericht des Branchenverbands Solar Energy Industries Association (SEIA) und des Analyseunternehmens Wood Mackenzie zeigen den weiteren Aufstieg der Solarenergie und den Rückgang der Kohle in den USA – trotz der Energiepolitik in Washington. Im Mai lieferte Solarstrom nach Angaben von Ember erstmals mehr Elektrizität als Kohle: 12,8 Prozent des landesweiten Stroms. Kohle kam nur auf 12,2 Prozent und erreichte damit ihren viertniedrigsten Monatsanteil.
„Seit Jahren gewinnt die Solarenergie im US-Strommix an Gewicht“, sagt Nicolas Fulghum, leitender Energie- und Datenanalyst bei Ember. „Im gleichen Zeitraum hat die Kohle ihre frühere Rolle zuerst als wichtigste Stromquelle verloren und ist dann Schritt für Schritt weiter abgerutscht.“
Solarstrom war im Mai zudem die drittgrößte Stromquelle in den USA, hinter Erdgas und Atomkraft, so Fulghum. Die Kohleverstromung fiel im April auf ein historisches Monatstief und legte im Mai nur leicht zu. Das eröffnete der wachsenden Solarproduktion den Weg, um an der Kohle vorbeizuziehen.
US-Strombedarf steigt
Elektrizität entsteht, wenn Energiequellen – fossile Brennstoffe, erneuerbare Ressourcen und Atomkraft – in Strom umgewandelt werden. Beim Verbrennen von Kohle, Öl und Erdgas entsteht Kohlendioxid. Es hält Wärme in der Atmosphäre fest und treibt die Erderwärmung an. Solar-, Wind-, Geothermie- und Wasserkraft sowie Atomstrom gelten dagegen als klimaneutral.
Nach rund zwei Jahrzehnten mit nahezu konstantem Stromverbrauch steigt der Bedarf in den USA wieder. Rechenzentren für künstliche Intelligenz, der Ausbau der heimischen Industrie sowie mehr Elektrofahrzeuge und elektrische Heizungen treiben die Nachfrage. Fulghum rechnet damit, dass es künftig häufiger Monate geben wird, in denen Solarstrom mehr Elektrizität liefert als Kohle – bevor Solar die Kohle in einigen Jahren auf Jahresbasis überholt.
Diese Wegmarken zeigen, dass die Solarenergie „bleibende Kraft“ hat – und das in einer Phase, in der es auf Bundesebene weniger politische Unterstützung für erneuerbare Energien gibt, sagt er.
Zusammen haben Wind- und Solarenergie die Kohle bereits mehrfach überholt. In besonders windreichen Frühlingsmonaten lag Windstrom allein vor Kohle. Ember stützt sich bei seinen stündlichen und monatlichen Analysen auf Daten der US-Energiebehörde EIA.
Weltweit wächst die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien rasant. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (Quelle auf Englisch) werden Erneuerbare bis 2030 zur wichtigsten Energiequelle weltweit und liefern dann fast 45 Prozent der Stromproduktion.
Trump stärkt Kohleindustrie und bremst Solar- und Windkraft
In der vergangenen Woche kündigte Trump an, die angeschlagene US-Kohlebranche mit knapp 700 Millionen Dollar (606 Millionen Euro) zu unterstützen. Das Geld soll Kohlekraftwerke und Kohleexporte absichern. „Kohle ist ein großartiges Geschäft“, sagte Trump bei einem Auftritt im Weißen Haus. „Wenn es um Energie geht, gibt es eigentlich nichts Vergleichbares.“
Martin Pochtaruk, Geschäftsführer und Gründer des kanadischen Solarmodulherstellers Heliene, meint, Trump könne zwar behaupten, die Kohle komme zurück. Investoren würden ihr Geld aber dort einsetzen, wo sie die beste Rendite erwarten. In der Stromerzeugung sei das die Solarenergie – und deshalb wachse sie schneller als jeder andere Energieträger, sagt er.
Eine Sprecherin des Weißen Hauses verteidigte die Energiepolitik der Regierung. Sie diene der Stärkung der nationalen Sicherheit.
„Der Präsident hat die verheerende Politik der Linken beendet, die amerikanische Kohleindustrie gerettet, die Stilllegung von mehr als 17 Gigawatt Kraftwerksleistung verhindert und in Phasen hoher Nachfrage Menschenleben geschützt“, erklärte Taylor Rogers in einer Mitteilung.
Solar bleibt wichtigste Quelle für neue Kraftwerkskapazitäten
Trump versucht, den Niedergang der Kohleindustrie umzukehren. Gleichzeitig ist Solarenergie laut SEIA seit fünf Jahren die wichtigste Quelle für neue Stromkapazitäten. SEIA und Wood Mackenzie berichten, dass im ersten Quartal fast ausschließlich Solarprojekte und Batteriespeicher gebaut wurden. Zusammen machten sie 91 Prozent der neu installierten Leistung aus.
Die Trump-Regierung hat Solar- und Windprojekte gestoppt, Verfahren für Genehmigungen im Bereich sauberer Energie verlangsamt und Fördermittel in Höhe von sieben Milliarden Dollar (6,06 Milliarden Euro) für bezahlbare Solarprojekte im ganzen Land gestrichen.
„Der Strombedarf schießt in die Höhe, doch politische und regulatorische Angriffe bremsen genau die Technologien aus, auf die wir setzen“, sagt Darren Van’t Hof, kommissarischer Präsident und Geschäftsführer von SEIA. „Wer den einzigen Sektor ausbremst, der tatsächlich neue Kraftwerke baut, geht ein riskantes Spiel ein – und treibt am Ende nur die Stromrechnungen der Verbraucher nach oben.“
Mehrere Organisationen haben die Umweltbehörde EPA verklagt, nachdem diese das Programm „Solar for All“ eingestellt hatte. Ein Bezirksgericht wies die Klage in der vergangenen Woche mangels Zuständigkeit ab. Die Kläger haben eine weitere Eingabe beim Court of Federal Claims anhängig.
In einer Entscheidung vom Sonnabend, dem sechsten Juni, kassierte ein Bundesrichter zudem eine Anweisung des US-Finanzamts, die Steuervergünstigungen für Wind- und Solarprojekte beschränkt hatte.
Trump hat erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom für stark gestiegene Energiekosten verantwortlich gemacht. Energieanalysten verweisen hingegen auf eine wachsende Nachfrage, eine alternde Infrastruktur und immer häufigere Extremwetterereignisse, die der Klimawandel verschärft. Zuletzt hat auch der von Trump begonnene Krieg gegen Iran die Energiekosten in die Höhe getrieben.
Solarhochburgen stimmten für Trump
Bundesstaaten, die Trump bei der Wahl 2024 gewonnen hat, standen im ersten Quartal 2026 für 74 Prozent der neu installierten Solarkapazität, berichtet SEIA. Texas, Florida, Ohio, Indiana, Michigan, Arizona und Mississippi gehören zu den zehn Bundesstaaten mit den meisten neuen Solaranlagen. Insgesamt sind in den USA inzwischen mehr als sechs Millionen Solarinstallationen in Betrieb – von großen Solarparks über gewerbliche Anlagen und Bürgersolarprojekte bis hin zu Photovoltaik auf Hausdächern.
Johanna Neumann vom Environment America Research and Policy Center sagt, es sei „eine gute Nachricht für unsere Gesundheit und unseren Planeten, dass die Solarenergie weiter wächst“ – und zugleich wenig überraschend.
„Heute können wir Solarstrom günstiger nutzen als jede andere Energiequelle. Er lässt sich in jeder Größenordnung ausbauen. Und er ist unsere reichlichste erneuerbare Energiequelle“, sagt Neumann, Senior Director der Kampagne des Zentrums für hundert Prozent erneuerbare Energie. „Gute Ideen lassen sich nur schwer aufhalten – vor allem, wenn auch die wirtschaftlichen Argumente für sie sprechen, so wie es bei Solar der Fall ist.“
Das Energiedashboard von Environment America zeigt, dass im vergangenen Jahr zweiunddreißig US-Bundesstaaten mindestens zehn Prozent ihres Stromverkaufs an Endkunden aus Solar-, Wind- und Geothermieanlagen gedeckt haben. 2016 waren es noch achtzehn Bundesstaaten. Vor allem im Süden boomt die saubere Energie, besonders in Florida, Arkansas und Mississippi, sagt Neumann.
„In den Vereinigten Staaten gibt es das Missverständnis, saubere Energie sei etwas für Küstenregionen und liberale Großstädte“, sagt sie. „Die wirkliche Geschichte der erneuerbaren Energien ist eine Geschichte aller fünfzig Bundesstaaten.“