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Fünf europäische Volkswirtschaften wachsen mehr als doppelt so schnell wie die Eurozone

Archivbild: Rauch steigt über der Innenstadt von Kyjiw in der Ukraine nach einem russischen Angriff am Donnerstag, 25. Juni 2026.
Archivbild: Über dem Stadtzentrum von Kyjiw steigt Rauch nach einem russischen Angriff auf, Donnerstag, 25. Juni 2026. Copyright  AP Photo/Evgeniy Maloletka
Copyright AP Photo/Evgeniy Maloletka
Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der IWF rechnet für die Eurozone bis 2031 nur mit einem Wachstum von gut ein Prozent pro Jahr. Dagegen sollen kleinere Volkswirtschaften wie die kriegsgezeichnete Ukraine mehr als doppelt so schnell zulegen.

Europa blickt auf mehrere Jahre mit schwachem Wirtschaftswachstum.

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Hohe Staatsschulden und alternde Gesellschaften bremsen die Konjunktur. Dazu kommen schwache Produktivität, anhaltend hohe Energiekosten und eine fortdauernde geopolitische Unsicherheit. All das dürfte das Wachstum für den Rest des Jahrzehnts klar unter den historischen Durchschnitt drücken.

Nach der jüngsten Ausgabe des World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds soll die Eurozone zwischen 2027 und 2031 im Schnitt nur um 1,2 % pro Jahr wachsen. Im besten Jahr, 2028, wären es gerade einmal 1,4 %.

Die gesamte Europäische Union schneidet etwas besser ab. Für sie erwartet der IWF ein durchschnittliches Jahreswachstum von 1,4 %, mit einem Höchstwert von 1,6 % im Jahr 2028.

Das ist ein ausgesprochen bescheidenes Bild. Die Weltwirtschaft soll im gleichen Zeitraum um rund 3,2 % pro Jahr zulegen. Für das aufstrebende und sich entwickelnde Asien rechnet der IWF mit 4,6 % Wachstum jährlich, für Indien sogar mit 6,5 %. Selbst Subsahara-Afrika liegt mit erwarteten 4,6 % im Plus.

Gleichzeitig gibt es eine Gruppe deutlich kleinerer europäischer Staaten, von der Mittelmeerregion über den Westbalkan bis nach Osteuropa, die deutlich dynamischer wachsen soll. Für sie sagt der IWF in den kommenden fünf Jahren ein Tempo voraus, das mehr als doppelt so hoch ist wie in der Eurozone.

Platz fünf: Moldau, Wachstum dank Reformen und EU-Integration

Für Moldau prognostiziert der IWF zwischen 2027 und 2031 ein durchschnittliches Wachstum von 3,5 % pro Jahr. Das stärkste Jahr wäre 2028 mit rund 3,7 %. Die Erholung folgt auf eine Serie harter Schocks: Krieg an der Grenze, ein Engpass bei der Energieversorgung und eine Dürre, die das Wachstum im Jahr 2024 fast auf null drückte.

Der Wendepunkt basiert auf EU-Geldern und Reformen. Brüssel gewährte Moldau 2022 den Kandidatenstatus und nahm 2024 Beitrittsverhandlungen auf. Der neue EU-Wachstumsplan lenkt nun zusätzliche Mittel in öffentliche Investitionen.

Den Rest des Wachstums trägt vor allem der private Verbrauch. Steigende Reallöhne und Rücküberweisungen, die rund ein Zehntel der Wirtschaftsleistung ausmachen, stützen die Nachfrage. Auf der Angebotsseite liegen IT-Dienstleistungen und andere Services vorn.

Der IWF erklärte zum Abschluss seiner Artikel-IV-Konsultation für 2025 im Februar, die Erholung werde „durch eine gute Ernte, eine starke Inlandsnachfrage und umfangreiche EU-Finanzierung unterstützt“.

Der Fonds hält es für entscheidend, das Reformtempo beizubehalten.

Seine Warnung ist deutlich: Die größten Risiken sind der Krieg in der Ukraine und ein mögliches Nachlassen bei EU-bezogenen Reformen.

Platz vier: Serbien, Investitionsboom hält Dynamik hoch

Serbien liegt mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,52 % knapp vor Moldau. Ungewöhnlich ist, dass die Dynamik erst gegen Ende des Prognosezeitraums zunimmt und um 2030/31 ihren Höhepunkt erreicht.

Kurzfristig prägt jedoch ein einziges Datum die Lage.

Im kommenden Jahr ist Belgrad Gastgeber der Expo 2027, einer Weltausstellung, zu der Millionen Besucherinnen und Besucher erwartet werden.

Die Veranstaltung löst einen regelrechten Bauboom im Bereich Infrastruktur aus, mit neuen Autobahnen, Bahnstrecken und Stadtentwicklung. Dazu kommen eine wachsende industrielle Exportbasis und umfangreiche, von China unterstützte Investitionen im Kupferbergbau. Haupttreiber ist die öffentliche Investition, nicht der Konsum.

Nach Einschätzung des IWF hat Serbien wichtige makroökonomische Puffer aufgebaut. Das Land hat die Inflation deutlich gesenkt und zugleich die Haushaltsdisziplin gewahrt.

Risiken sieht der Fonds in politischen Spannungen vor den Wahlen 2027 und in der Frage, ob die schnellen staatlichen Investitionen tatsächlich zu dauerhaften Produktivitätsgewinnen führen.

Platz drei: Ukraine, Wiederaufbau wird zum Wachstumsmotor

Für die Ukraine veranschlagt der IWF ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 3,8 %. Besonders stark soll 2028 mit rund 4,2 % ausfallen**.**

Diese Prognose beruht auf einem Szenario des Wiederaufbaus. Der IWF geht in seinem Basisszenario davon aus, dass der Krieg abflacht und der Wiederaufbau ernsthaft beginnt. Dann würde eine Welle von Sachinvestitionen einsetzen, gemessen an einem Wiederaufbauvolumen, das die Weltbank inzwischen auf knapp 600 Milliarden Dollar schätzt.

Fällt diese Annahme weg, trübt sich das Bild deutlich ein. Im Risikoszenario des Fonds, in dem die Kämpfe andauern, läge das Wachstum 2027 nur bei einem Prozent.

„Die Aussichten bleiben außergewöhnlich unsicher, da der Krieg weiterhin einen hohen Tribut von Bevölkerung und Wirtschaft fordert“, erklärte der IWF in seiner jüngsten Artikel-IV-Bewertung.

Platz zwei: Kosovo, Inlandsnachfrage bleibt erstaunlich robust

Kosovo dürfte trotz seiner relativ geringen Größe eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas bleiben.

Das Wachstum soll sich bei etwa 4 % einpendeln. Es wird gestützt durch eine starke Konsumnachfrage der Haushalte, öffentliche Investitionen, Zuflüsse aus der Diaspora und eine junge Erwerbsbevölkerung.

„Eine zügige Umsetzung des neuen EU-Wachstumsplans könnte Wachstum und Beschäftigung zusätzlich ankurbeln“, heißt es im jüngsten Artikel-IV-Bericht des Fonds zu Kosovo.

Die Wachstumstreiber sind ungewöhnlich. Überweisungen einer großen Diaspora, vor allem aus Deutschland und der Schweiz, finanzieren sowohl Konsum als auch Unternehmensinvestitionen. Staatliche Ausgaben für Infrastruktur und ein sich vertiefender Bankensektor kommen hinzu.

Die Schwäche ist die Kehrseite derselben Medaille: Das Wachstum ist stark nachfragegetrieben und importlastig, und Kosovo hat noch keine konkurrenzfähige Exportbasis aufgebaut.

Platz eins: Malta, Europas wachstumsstärkste Volkswirtschaft

Malta steht an der Spitze der mittelfristigen Wachstumsrangliste des IWF für Europa. Der Fonds erwartet, dass die Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren um fast 4 % pro Jahr wächst.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Inselwirtschaft im Schnitt um fast 7 % pro Jahr gewachsen. Treiber waren der Tourismus, Online-Glücksspiele sowie professionelle und Finanzdienstleistungen, die viele ausländische Arbeitskräfte angezogen haben.

Dieses Modell stößt nun an seine Grenzen. Die Arbeitslosigkeit liegt nahe historischen Tiefstständen, der Fachkräftemangel nimmt zu. Malta kann sich nicht mehr allein auf ein schnelles Wachstum der Erwerbsbevölkerung verlassen.

Wie der IWF festhält, hat „der Zustrom ausländischer Arbeitskräfte, der die wirtschaftliche Aktivität in der Vergangenheit angetrieben hat, auch die Infrastruktur und öffentlichen Dienstleistungen belastet und damit die Grenzen des derzeitigen arbeitsintensiven Wachstumsmodells aufgezeigt“.

Die nächste Phase des wirtschaftlichen Erfolgs Maltas wird weniger von einem wachsenden Arbeitskräfteangebot abhängen, sondern stärker von Produktivitätsgewinnen.

Nach Einschätzung des IWF ist es entscheidend, die öffentlichen Finanzen zu stärken und zugleich mehr in Infrastruktur, Bildung und Innovation zu investieren. Nur so lässt sich das langfristige Wachstumspotenzial der maltesischen Wirtschaft erhöhen.

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