Stellenanzeigen mit KI-bezogenen Jobtiteln nehmen in Europa rasant zu. Die meisten neuen Chancen liegen inzwischen in nicht-technischen Bereichen.
Berufsbilder verändern sich: Einige verschwinden, andere entstehen neu. Das Internet hat den Arbeitsmarkt bereits grundlegend umgekrempelt, nun steht die künstliche Intelligenz (KI) im Mittelpunkt.
Viele Menschen fragen sich, wie sich KI auf die Zukunft der Arbeit auswirkt. Viele haben Angst, dass sie dadurch ihren Job verlieren.
Politik und Fachleute diskutieren die Rolle von KI in der Arbeitswelt. Gleichzeitig wächst der Anteil an Stellenanzeigen mit KI-Bezug rasant. Noch wichtiger: Die meisten dieser KI-Stellen liegen inzwischen außerhalb klassischer Tech-Berufe in den großen europäischen Volkswirtschaften, wie Daten der Jobplattform Indeed zeigen.
Die Nutzung von KI-Werkzeugen nimmt in Europa schnell zu: Laut Eurostat setzten im vergangenen Jahr 15 Prozent der 16- bis 74‑Jährigen in der EU generative KI bei der Arbeit ein.
Der Wandel setzte zunächst in Software- und Datenberufen ein. Inzwischen erreicht er Vertrieb, Personalabteilungen, Rechtsdienste, Kundenservice und Verwaltung.
Das deutet darauf hin, dass „KI-bezogene Fähigkeiten, Aufgaben und Werkzeuge zum Standard auf dem Arbeitsmarkt werden“, erklärte Pawel Adrjan, Direktor für Wirtschaftsforschung bei Indeed.
Die Daten der globalen Plattform für Stellenvermittlung zeigen, wie schnell sich der Trend durchsetzt. Indeed stuft einen Jobtitel als „KI-beschriftet“ ein, sobald es im betreffenden Quartal mindestens fünf Anzeigen mit diesem Titel gibt, in denen Arbeitgeber KI direkt im Stellentitel nennen.
Deutschland führt bei KI-Stellentiteln
Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Deutschland 288 Stellentitel mit KI-Bezug. Dahinter folgen das Vereinigte Königreich mit 160, Frankreich mit 138, die Niederlande mit 84 und Spanien mit 81.
Das Wachstum ist deutlich: Im ersten Quartal 2022 lagen die Werte noch weit darunter.
Deutschland stieg von 72 auf 288 Titel, Spanien von acht auf 81, Frankreich von 35 auf 138, das Vereinigte Königreich von 61 auf 160 und die Niederlande von 21 auf 84.
Anteil von KI-Stellentiteln steigt
Diese steigenden Werte spiegeln sich auch im Anteil der KI-Stellentitel an allen Stellenanzeigen wider. Im ersten Quartal 2026 entfallen vier Komma zwei Prozent aller Titel in Deutschland auf KI. Vor vier Jahren lag der Anteil erst bei null Komma acht Prozent.
In Frankreich tragen drei Komma drei Prozent aller Titel ein KI-Kennzeichen, im Vereinigten Königreich sind es zwei Komma sieben Prozent. Spanien (zwei Komma drei Prozent) und die Niederlande (zwei Komma zwei Prozent) liegen ebenfalls über der Marke von zwei Prozent.
In allen Ländern lagen diese Anteile 2022 noch unter einem Prozent, in einigen sogar leicht darunter, wie die Grafik zeigt. Der Anstieg entspricht einem deutlichen Sprung nach oben.
KI-Stellentitel reichen weit über Tech-Berufe hinaus
In vier der fünf europäischen Länder liegt inzwischen mehr als die Hälfte aller KI-Stellentitel außerhalb klassischer Tech-Jobs.
Deutschland führt, mit 59 Prozent der KI-Titel außerhalb der Tech-Branche, dicht gefolgt von den Niederlanden mit 58 Prozent. In Frankreich und im Vereinigten Königreich liegen jeweils 54 Prozent der KI-geprägten Stellentitel außerhalb technischer Berufe.
Spanien bildet die Ausnahme. Dort entfallen noch 64 Prozent der KI-Stellentitel auf Tech-Rollen, 36 Prozent auf andere Bereiche.
„Arbeitgeber stellen nicht nur KI-Spezialistinnen und -Spezialisten ein, sie ergänzen auch bestehende Jobtitel um KI, wenn der Einsatz entsprechender Werkzeuge zur Aufgabe gehört – ein Hinweis darauf, wie KI Jobs bereits umgestaltet“, schrieb Adrjan in seinem Blog.
Neue Stellenprofile außerhalb der Tech-Welt entstehen. Im Vereinigten Königreich sucht etwa eine Vertriebsanzeige eine „Solution Sales Executive - AI, Data and Analytics“. Eine Lehrstelle an einer Hochschule trägt den Titel „Lecturer in Digital Business and AI“.
Juristische Stellenprofile enthalten Bezeichnungen wie „Legal Counsel, Privacy, Product & AI“, Stellen für operative Fachkräfte werben um eine oder einen „Operations Specialist, AI Enablement“.
In Deutschland sucht eine Anzeige für eine Personalmanagerin oder einen Personalmanager jemanden, der „KI im Personalbereich einsetzen kann, um Effizienz zu steigern“. In Frankreich wollen Unternehmen Verkäuferinnen und Verkäufer gewinnen, die KI-Produkte und -Lösungen vertreiben. In den Niederlanden finden sich Stellen für Marketing- und Werbefachleute, die KI einsetzen.
„KI im Stellentitel zu nennen, ist eine bewusste Entscheidung. Sie zeigt vermutlich, dass Arbeitgeber KI als zentral für die Aufgabe sehen“, sagte Adrjan.
Indeed betont, dass die Auswertungen sich auf Stellentitel und nicht auf den gesamten Ausschreibungstext stützen. Im Beschreibungsteil kann KI in vielen verschiedenen Zusammenhängen auftauchen, die nicht unbedingt zum Kern der Rolle gehören.