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Deutsche U-Boot-Wracks in der Ostsee entdeckt: Seegrab für 80 Matrosen

An der Ostseeküste - Symbolbild
An der Ostseeküste - Symbolbild Copyright  AP Photo
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Von Kirsten Ripper & Sonja Issel
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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1941 und 1943 sind zwei deutsche U-Boote mit vielen jungen Matrosen in der Ostsee gesunken. Jetzt haben Taucher aus Polen die Wracks aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge warnt: "U-Boote werden oft geplündert."

Taucher aus Polen haben vor wenigen Wochen in der Ostsee die Wracks von zwei U-Booten der deutschen Kriegsmarine entdeckt, die vor mehr als 80 Jahren während des Zweiten Weltkriegs gesunken waren.

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Die traurigen Geschichten vom Untergang von U-583 und U-649 mit vielen jungen Matrosen an Bord sind gut dokumentiert, wie der Historiker Dr. Christian Lübcke vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Euronews erklärt. Beide jetzt gefundenen Unterseeboote waren mit anderen deutschen U-Booten zusammengestoßen.

Die U-583, ein U-Boot vom Typ VIIC, haben Mitglieder des Vereins "Stowarzyszenie Wyprawy Wrakowe" (SWW, deutsch: Verein für Wracktauchgänge) im Juli in Zusammenarbeit mit dem hydrografischen Vermessungsunternehmen Geoings Polska gefunden - etwa 90 Kilometer nördlich von Ustka (deutsch: Stolpmünde) an der polnischen Ostseeküste.

"Souvenirjagd macht vor Toten nicht halt"

Eine Bergung der beiden Weltkriegs-U-Boote ist offenbar nicht geplant - zumal Torpedos und andere Sprengstoffe explodieren könnten. Doch Christian Lübcke warnt vor Plünderungen. Er erklärt: "U-Boote werden oft geplündert. Die geschlossenen Stahlkörper sind regelrechte Zeitkapseln. Die Plünderungen - gerade in der Ostsee - sind massiv."

Die Souvenirjagd mache dabei selbst vor den Gebeinen der Toten nicht halt, warnt der Experte. "Wir haben teilweise noch vollkommen intakte Skelette in den Seekriegsgräbern. Manchmal sind es aber auch nur noch Haufen zerfallenen menschlichen Gewebes, in denen Armbanduhren oder Gürtelschnallen stecken."

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge versucht, die Leichname - so gut es geht - zu schützen.

An Bord von U-583 starben 45 meist junge Männer

Am 15. November 1941 um 21.48 Uhr war das Unterseeboot U-583 der Kriegsmarine Nazideutschlands auf einer Übungsfahrt in der Ostsee mit U-153 kollidiert - "und zwar derart ungünstig, dass es innerhalb von Minuten mit Wasser volllief und wie ein Stein in die Tiefe sank", berichtet Christian Lübcke. "Auf U-583 kamen 45 Männer um. Ihr Durchschnittsalter lag bei etwa 24 Jahren. Sie stammten aus dem kompletten Reichsgebiet. Von Schleswig-Holstein bis Bayern."

Das dramatische Ende des 1940 von der Hamburger Werft Blohm & Voss fertiggestellten U-Boots ereignete sich nur ein Jahr nach seiner Inbetriebnahme.

Das Wrack von U-583 entdeckten die polnischen Wracktaucher von Stowarzyszenie Wyprawy Wrakowe im Juli in der Ostsee in einer Tiefe von ungefähr 70 Metern.

11 Soldaten an Bord der U-649 überlebten

Die Kollision von U-649 mit einem anderen deutschen U-Boot in der Ostsee bei schlechter Sicht im Jahr 1943 haben elf Angehörige der Kriegsmarine überlebt, weil die Rettung rasch vor Ort war.

"Das Wasser war im Februar 1943 eisig kalt… Aber die Kollision ereignete sich hier am 24. Februar 1943 gegen 5:00 Uhr morgens. Das zunehmende Licht erleichterte die Rettungsmaßnahmen", erklärt Christian Lübcke. "Auf U-649 kamen 35 Männer um. Hier lag das Durchschnittsalter eher bei 23 Jahren."

Der Historiker erklärt, dass die Brückenwache noch rechtzeitig ins Wasser sprang und dass sich mehrere Besatzungsmitglieder retten konnten, indem sie mit Notausrüstung durch die Torpedorohre nach außen entkommen konnten.

Dass eine Luke und die Backbord-Torpedorohre geöffnet, sind macht die U-649 für Plünderer anfälliger. Und in Fällen besonders hoher Gefährdung bittet die Deutsche Kriegsgräberfürsoge um die Einrichtung von Tauchverbotszonen.

Wie viele Wracks deutscher U-Boote sind noch nicht entdeckt?

In der Ostsee gelten noch zwei deutsche U-Boote aus dem Ersten Weltkrieg (SMU-10 und SMUC-57) und zwei weitere aus Zweiten Weltkrieges (U-479 und U-745) als vermisst. Geschichtswissenschaftler Lübcke sagt: "Sie sind irgendwo im finnischen Meeresbusen verschwunden. Abgesehen vom 28jährigen Kommandanten von U-745, Kapitänleutnant Wilhelm von Trotha, dessen steifgefrorene Leiche hinterher von finnischen Fischern geborgen wurde, haben wir noch keine Hinweise auf ihren Verbleib".

Im Ersten Weltkrieg wurden etwa 200 deutsche U-Boote zerstört, im Zweiten Weltkrieg waren es über 750 - so Christian Lübcke. Jeweils etwa 45 U-Boote aus beiden Weltkriegen gelten bis heute als vermisst. Einige Wracks liegen im Atlantik, in der Nordsee, Ostsee, dem Mittelmeer, dem Indischen Ozean und im Pazifik.

"Tatsächlich werden aktuell verhältnismäßig oft U-Boot-Wracks gefunden", sagt der Historiker. "In den letzten 5 Jahren gab es kein Jahr ohne mehrere Wracksichtungen. Grund dafür sind oft Meeresbodenuntersuchungen, etwa zur Einrichtung von Offshore-Windparkanlagen."

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