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Europas Wachstumschampions im zweiten Quartal 2026: wer vorne liegt, wer zurückfällt

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Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Das BIP der Eurozone ist im zweiten Quartal 2026 stärker gewachsen als erwartet. Doch der Aufschwung verläuft zwischen den Mitgliedstaaten zunehmend ungleich.

Die Konjunktur in der Eurozone sollte sich im zweiten Quartal 2026 eigentlich abschwächen.

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Doch es kam anders: Die Zahlen überraschten positiv.

Nach der ersten Schätzung von Eurostat legte das Bruttoinlandsprodukt im Quartalsvergleich um 0,4 Prozent zu. Zuvor war die Wirtschaft im ersten Quartal praktisch nicht gewachsen; Analysten hatten nur 0,2 Prozent erwartet.

In der gesamten EU zog das Wachstum auf 0,5 Prozent an, nach zuvor 0,1 Prozent. Auch im Jahresvergleich gewann die Konjunktur an Fahrt: In der Eurozone stieg das Wachstum auf 1,0 Prozent, in der EU insgesamt auf 1,2 Prozent.

Auf den ersten Blick zeigen die Zahlen, dass der Block trotz höherer Energiepreise und anhaltender geopolitischer Unsicherheit robuster ist als befürchtet.

Doch hinter der guten Gesamtzahl steckt eine deutlich spannendere Geschichte.

Das Wachstum verteilt sich immer ungleichmäßiger.

Irland, Litauen und Schweden treiben Europas Wachstum

„Die Wirtschaft der Eurozone hat das Konsensszenario im zweiten Quartal deutlich übertroffen und war sogar stärker als unsere ohnehin optimistische Prognose – trotz des Energieschocks durch den Krieg zwischen den USA und Iran“, sagte Claus Vistesen, Chefökonom für die Eurozone beim Analysehaus Pantheon Macroeconomics.

Unter den Ländern, die bereits Daten für das zweite Quartal vorgelegt haben, verzeichnete Irland mit Abstand den stärksten Zuwachs: Das BIP sprang um 3,9 Prozent.

Nach Berechnungen von Pantheon Macroeconomics steuerte allein die irische Erholung 0,1 Prozentpunkte zum ausgewiesenen Eurozonen-Wachstum bei.

Dahinter folgen Litauen mit einem Plus von 1,7 Prozent und Schweden mit 1,4 Prozent.

Auch Südeuropa zeigt sich widerstandsfähig. Portugal meldete ein Quartalswachstum von 0,8 Prozent, Spanien übertraf mit 0,7 Prozent erneut die großen Volkswirtschaften der Eurozone.

Am anderen Ende der Skala stagnierten Belgien und Österreich; dort gab es im Quartal kein Wachstum.

Deutschland, Frankreich und Italien legten zwar zu, allerdings langsamer als zuvor.

Größte Volkswirtschaft Europas wächst langsamer

Die deutsche Wirtschaft wuchs um 0,2 Prozent. Zuvor waren es im ersten Quartal noch 0,4 Prozent gewesen. Damit übertraf Deutschland aber immer noch die Markterwartung von 0,1 Prozent.

Vistesen von Pantheon Macroeconomics sieht darin „ein Bild der Widerstandskraft im ersten Halbjahr“, unterstützt durch Aufwärtsrevisionen für frühere Quartale.

Aufschlussreich ist auch, woher das Wachstum kommt. „Der wichtigste Treiber des BIP-Zuwachses im zweiten Quartal waren die Nettoexporte. Der Konsum verlor an Tempo, die Investitionen gingen zurück“, sagte Vistesen. Deutschland stützt sein Wachstum damit stärker auf Nachfrage aus dem Ausland als auf die Binnennachfrage.

Auch Frankreich ist wieder gewachsen: Nach einem Rückgang im Vorquartal legte das BIP nun um 0,2 Prozent zu.

Die Details wirken jedoch weniger überzeugend.

„Die Rückkehr zu Wachstum ist ermutigend, doch die Details sind es weniger, vor allem bei den Investitionen“, sagte Vistesen. Trotz der Erholung der Konsumnachfrage bleiben die Unternehmensinvestitionen schwach.

Eine große Volkswirtschaft sticht jedoch heraus: Spanien trotzt den Erwartungen weiter.

Dort beschleunigte sich das BIP-Wachstum auf 0,7 Prozent und setzte damit eine Serie fort, in der Spanien seine Eurozonen-Nachbarn regelmäßig übertrifft.

„Die spanische Wirtschaft scheint vom Energieschock bislang unberührt geblieben zu sein“, sagte Ankita Amajuri, Europa-Volkswirtin bei Pantheon Macroeconomics.

Kräftige Ausgaben der privaten Haushalte, robuste Exporte, staatliche Unterstützung und die wachsende Kapazität an erneuerbaren Energien federn den Preisanstieg bei Energie für die Verbraucher ab.

Italien wuchs ebenfalls um 0,2 Prozent. Zuvor waren es 0,3 Prozent gewesen, doch auch hier übertraf die Wirtschaft die Prognose von 0,1 Prozent.

Amajuri warnte jedoch: „Italiens Wirtschaft reagiert empfindlicher auf den jüngsten Anstieg der Energiepreise als die spanische.“ Bleiben die Kosten im zweiten Halbjahr hoch, gehört Italien zu den am stärksten betroffenen Volkswirtschaften der Eurozone.

Eurozone stabilisiert sich, Inflation zieht wieder an

In der Summe deuten die aktuellen Zahlen darauf hin, dass die Eurozone gefestigter in den Sommer gestartet ist, als viele Ökonomen erwartet hatten.

Gleichzeitig zeigen sie jedoch ein Europa mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Irland verzeichnet das kräftigste Quartalswachstum, Spanien bleibt die dynamischste große Volkswirtschaft. Deutschland, Frankreich und Italien wachsen dagegen deutlich verhaltener.

Kaum gewinnt das Wachstum wieder an Schwung, taucht eine weitere Herausforderung auf.

Frühe Inflationsdaten für Juli deuten darauf hin, dass der Preisdruck in Teilen Europas erneut zunimmt.

Nach Schätzungen von Pantheon Macroeconomics ist die deutsche Gesamtinflation im Juli auf rund 2,7 Prozent gestiegen, nach 2,3 Prozent im Juni. Zuvor hatten regionale Daten einen stärkeren Preisauftrieb in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Hessen gezeigt.

Auch Spanien meldete eine höhere Teuerung. Vorläufige Zahlen zeigen, dass die Verbraucherpreise im Juli im Jahresvergleich um 3,5 Prozent gestiegen sind, nach 3,2 Prozent im Juni und damit auf den höchsten Wert seit Mai 2024. Die Kerninflation ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel kletterte leicht auf 3,0 Prozent.

Der Blick richtet sich nun auf die am Donnerstag anstehenden Eurozonen-Inflationsdaten. Ökonomen rechnen damit, dass die Jahresrate im Juli leicht auf 2,9 Prozent steigt, nach 2,8 Prozent im Juni.

Setzen sich diese Trends fort, könnte die Europäische Zentralbank nach dem Sommer eine weitere Zinserhöhung zumindest nicht ausschließen.

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