Der Fall entfacht die Diskussion über Medizintourismus neu. Thailand gilt als Topziel für ausländische Patientinnen und Patienten, auch für Schönheits-OPs.
Die thailändischen Behörden ermitteln nach eigenen Angaben gegen eine Klinik in Bangkok. Dort ließ sich ein britischer Geschäftsmann und Influencer nigerianischer Herkunft den Penis vergrößern – der Eingriff endete tödlich.
Ein Gerichtsmediziner in London stellte im vergangenen Monat fest, dass der 43-jährige Igho Ubiribo im März in der thailändischen Hauptstadt an den Folgen einer Hyaluronsäure-Injektion starb, die er wenige Stunden zuvor erhalten hatte.
Der Fall heizt die Debatte über Medizintourismus neu an. Thailand zählt zu den wichtigsten Zielen für Patientinnen und Patienten aus dem Ausland, auch für Schönheitsbehandlungen.
Ubiribo, der Berichten zufolge die Spitznamen "Tiny" und "Ego" trug, hatte 185.000 Follower auf Instagram. Dort zeigte er regelmäßig Fotos von sich und seiner Frau Danielle beim Leben im Luxus.
Das thailändische Gesundheitsministerium ordnete Ermittlungen zu seinem Tod an. Am Montag besuchten Beamtinnen und Beamte die Klinik im Zentrum Bangkoks, in der Ärztinnen und Ärzte Ubiribo behandelt hatten.
Die Behörden prüfen nach Angaben eines Vertreters des Gesundheitsministeriums gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, ob die Klinik über eine gültige Lizenz verfügt und die Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften einhielt.
Nach dem Einbringen des Fillers soll Ubiribo zunächst eine Massage erhalten haben. Laut einem Bericht des britischen Gerichtsmediziners aus dem August klagte er dann über Brustschmerzen und brach zusammen. Der Bericht legt offiziell die Todesursache fest.
Ein Krankenwagen brachte ihn mit Verdacht auf eine Lungenembolie ins Krankenhaus. Noch bevor Ärztinnen und Ärzte eine CT-Untersuchung durchführen konnten, verlor er das Bewusstsein.
Das Team versuchte mehr als 100 Minuten lang, ihn zu reanimieren. Gegen ein Uhr morgens erklärten die Ärzte ihn für tot.
"Die Obduktion und toxikologische Untersuchungen ergaben, dass die Todesursache auf die Hyaluronsäure-Injektion zurückgeht", heißt es in dem Bericht.
Ein ranghoher Polizeibeamte aus Bangkok teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, auch seine Dienststelle ermittle in dem Fall.
"Bei medizinischen Eingriffen plädieren wir für äußerste Vorsicht", sagte Thailands Gesundheitsminister Pattana Promphat vor Journalistinnen und Journalisten.
Die Untersuchung solle für alle Fairness gewährleisten und sowohl einheimische als auch internationale Patientinnen und Patienten beruhigen, "dass sie in Thailand eine sichere, hochwertige und sinnvolle Behandlung erhalten", ergänzte er in einer schriftlichen Erklärung.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums erklärte die Klinikleitung, Ubiribo sei seit 2024 ein Stammpatient gewesen. Er habe bereits fünf Injektionen zur Penisvergrößerung erhalten.
Die ersten vier Eingriffe seien 2024 und 2025 erfolgt. Bei seinem fünften Besuch am 5. März erhielt er demnach 40 Milliliter Filler.
Der Arzt habe empfohlen, den Eingriff auf zwei Sitzungen zu verteilen. Nach Angaben der Klinikleitung vor den Ermittlern bat Ubiribo jedoch darum, die gesamte Menge in einer Sitzung zu injizieren.
Hyaluronsäure-Filler sind in der ästhetischen Medizin weit verbreitet. Fachleute stufen sie als minimalinvasiv und vergleichsweise risikoarm ein.
Thailand gilt als Land mit sehr guter medizinischer Versorgung und ist seit Langem ein Zentrum des Medizintourismus. Der Markt für ästhetische Behandlungen wächst rasant.
Laut offiziellen Zahlen gab es 2024 rund 7.000 Schönheitskliniken, davon 2.000 in Bangkok. Für 2027 prognostizieren die Behörden einen Marktumfang von 7,51 Milliarden Dollar (6,4 Milliarden Euro) – etwa dreimal so viel wie 2020.