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Angriffe ohne Kriegserklärung: Wie schützt man sich vor hybriden Bedrohungen?

Polizeiliche Ermittler sichern einen ukrainischen Drohnenfund mit Sprengsatz am Flughafen Leipzig/Halle, Schkeuditz, 5. August 2026.
Polizeiliche Ermittler sichern einen ukrainischen Drohnenfund mit Sprengsatz am Flughafen Leipzig/Halle, Schkeuditz, 5. August 2026. Copyright  Hendrik Schmidt/dpa via AP
Copyright Hendrik Schmidt/dpa via AP
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Sabotage, Spionage, Desinformation und Drohnenangriffe: Hybride Bedrohungen nehmen zu und treffen Deutschland auf immer mehr Ebenen. Doch wie kann sich ein Land gegen Angriffe schützen, die oft schwer zu erkennen und noch schwerer abzuwehren sind?

Bereits hieß es vom Bundeskanzler und Ministern, dass Deutschland sich zwar nicht im Krieg mit Russland befinde, jedoch hybrid von Moskau angegriffen werde.

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Darunter fallen neben Drohnenüberflügen auch Sabotage und Desinformation – und die Bereitschaft, "zunehmend skrupellos auch schwere Sachschäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf zu nehmen", wie Bundeskanzler Friedrich Merz bei einer Pressekonferenz nach dem versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle sagte. Die Regierung machte daraufhin erstmals Russland für den versuchten Angriff verantwortlich.

Seit dem russischen Angriffskrieg wird häufig von hybrider Kriegsführung gegen die Partnerländer Kyjiws geredet, Deutschland ist dabei besonders gefährdet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte deswegen die aktuelle Gefährdungslage von "abstrakt" auf "hoch" hochgestuft. Hybride Angriffe gelten als schwer erkennbar, weil oft unklar ist, wer dahintersteckt und ob einzelne Vorfälle überhaupt zusammenhängen.

Zwar ist auch zunehmend von russischen hybriden Maßnahmen gegen Deutschland die Rede, doch Moskau ist nicht das einzige Land, das auf solche Methoden setzt. Laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gehen auch China, Iran und Nordkorea mit hybriden Maßnahmen gegen Deutschland vor.

Woran erkennt man eine hybride Kampagne?

Allerdings ist "nicht jeder Cyberangriff, Sabotageakt oder Desinformationsversuch automatisch Teil einer hybriden Kampagne", erklärt der Sicherheitsexperte Ferdinand Gehringer auf Anfrage von Euronews. Ihm zufolge sei der erkennbare Zusammenhang zwischen einzelnen Maßnahmen entscheidend. Dazu gehörten "ein gemeinsamer Akteur, ein abgestimmtes zeitliches Vorgehen, wiederkehrende Ziele oder Methoden und vor allem ein gemeinsamer strategischer Zweck".

Ein Beispiel dafür ist der versuchte Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle. Dort wurde eine mit Sprengstoff präparierte Drohne in unmittelbarer Nähe ukrainischer Antonov-Frachtmaschinen entdeckt, die auch Rüstungsgüter für die Ukraine transportieren. In seinem Pressestatement sagte Dobrindt, sie gehen davon aus, dass sogenannte "Wegwerf-Agenten" im Auftrag eines russischen Geheimdienstes beteiligt gewesen sein könnten. Auch das Tatmuster, die eingesetzte Technik und die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse führten die Bundesregierung schließlich zu dem Schluss, dass Russland hinter dem Angriff steckt.

Ukrainische Antonov-Frachtflugzeuge am 5. August 2026 am Flughafen Leipzig/Halle in Schkeuditz, Deutschland
Ukrainische Antonov-Frachtflugzeuge am 5. August 2026 am Flughafen Leipzig/Halle in Schkeuditz, Deutschland Hendrik Schmidt/dpa via AP

Genau hier kommt laut Gehringer das sogenannte Lagebild ins Spiel. Um beurteilen zu können, ob einzelne Vorfälle Teil derselben Operation sind, müssten Informationen aus verschiedenen Bereichen zusammengeführt werden – etwa von Polizei, Nachrichtendiensten, Bundeswehr, Cyberabwehr und Wirtschaft. "Nur wenn technische Spuren, Tatmuster, zeitliche Abläufe und Desinformationsnarrative gemeinsam betrachtet werden, lassen sich Zusammenhänge erkennen", erklärt Gehringer.

Wie sich Deutschland gegen hybride Angriffe wehrt

Hybride Kriegsführung findet häufig unterhalb der Schwelle eines offenen bewaffneten Konflikts statt. Sie zielt darauf ab, Schwachstellen eines Landes auszunutzen, Vertrauen in staatliche Institutionen zu schwächen und eine Gesellschaft zu verunsichern und zu destabilisieren. Doch wie kann sich ein Land und eine Gesellschaft gegen hybride Angriffe oder gar hybride Kriegsführung wappnen und wehren? Gegen mutmaßliche Angriffe, Ausspähversuche oder Desinformation hilft die Aufrüstung der Bundeswehr allein nicht. Auch können hybride Angriffe in den meisten Fällen nicht einfach kinetisch abgewehrt oder bekämpft werden. Doch, wie reagiert ein Staat auf einen Angriff, der unterhalb der Schwelle eines bewaffneten Angriffs bleibt?

Die Bundesregierung hat ihre Vorkehrungen gegen hybride Bedrohungen seit 2022 ausgebaut. Dazu gehört unter anderem eine ressortübergreifende Taskforce, die sich mit Desinformation und anderen hybriden Bedrohungen beschäftigt. Zudem gibt es Verfahren, mit denen Cyberangriffe und ausländische Informationsmanipulation einem möglichen Urheber zugeordnet werden können.

Auf EU-Ebene steht mit der sogenannten "Hybrid Toolbox" außerdem ein Instrument für gemeinsame Reaktionen zur Verfügung. Seit diesem Jahr gibt es zudem das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid). Dort sollen Informationen zu Spionage, Sabotage, Desinformation und anderen hybriden Bedrohungen zusammengeführt werden, um solche Aktivitäten frühzeitig zu erkennen und besser darauf reagieren zu können.

Im Fall des versuchten Drohnenangriffs in Leipzig hat die Bundesregierung "entschlossen, besonnen und verhältnismäßig" reagiert. Maßnahmen wie die Schließung des Generalkonsulats in Bonn, sowie dem Russischen Haus in Berlin wurden angekündigt, sowie die Sanktionierung weiterer Personen aus Russland im Zusammenhang mit hybriden Angriffen auf EU-Ebene, verschärfte Einreisekontrollen, sowie erhöhter Druck auf die russische Schattenflotte.

Bundesinnenminister Dobrindt und Außenminister Wadephul bei einer Pressekonferenz zum Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle, Berlin, 1. September 2026
Bundesinnenminister Dobrindt und Außenminister Wadephul bei einer Pressekonferenz zum Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle, Berlin, 1. September 2026 AP Photo/Ebrahim Noroozi

Die Bevölkerung als Teil der Verteidigung

Laut Gehringer beginnt die Abwehr jedoch bereits vor einer Kampagne: "Ganz allgemein müssen Wir weg von der reinen Reaktion hin zu einem vorausschauenden Ansatz. Ziel muss sein, die Kosten für Angreifer zu erhöhen, Planungswege zu stören und Netzwerke möglichst frühzeitig aufzudecken und auch Angriffen die Wirkung zu nehmen."

Wenn ein Angriff auf ein Umspannwerk beispielsweise zu einem Stromausfall führe, könnten Bevölkerung und Unternehmen diesen mit Notstrom überbrücken, bis der Netzbetreiber den Schaden behoben habe. Im besten Fall sei man irgendwann so gut vorbereitet, dass man hybriden Angriffen vorgreifen könne, indem man entsprechende Handlungen bereits in der Planungsphase erkenne und im Keim ersticke. Gleichzeitig müssten Staat und Gesellschaft kommunikativ auf mögliche Angriffe vorbereitet sein. So könnten nicht nur Schäden begrenzt, sondern auch die einschüchternde Wirkung hybrider Operationen genommen werden. Dies gelinge nur im Dreiklang aus Abschrecken, Abwehren und Aushalten, so der Sicherheitsexperte zu Euronews.

Nach Angaben von Gehringer spielt die Bevölkerung hier "eine ganz große Rolle", wird aber "unberechtigterweise noch in Watte gepackt". "Dabei ist sie Teil der Lösung", ergänzt er und erklärt, dass Desinformation beispielsweise nicht vollständig verhindert werden kann, und das auch nicht das Ziel sein sollte, da ihm zufolge eine offene Gesellschaft immer mit manipulativen Informationen umgehen müsse.

"Unser Ziel muss deshalb Resilienz statt Abschottung sein", so Gehringer. Die Bürger müssen Informationen kritisch einordnen können, Medien unabhängig arbeiten und der Staat müsse "schnell, glaubwürdig und transparent" kommunizierten, erklärt Gehringer.

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