Loader
Finden Sie uns
Werbung

US-Inflation sinkt im Juli auf 3,4 Prozent: Fed-Entscheid im September weiter offen

Fed-Chef Kevin Warsh spricht auf einer Pressekonferenz in Washington am 29. Juli 2026
Vorsitzender des Federal Reserve Board Kevin Warsh spricht auf einer Pressekonferenz in Washington am 29. Juli 2026 Copyright  AP Photo/Mark Schiefelbein
Copyright AP Photo/Mark Schiefelbein
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Die US-Inflation ist im Juli den zweiten Monat in Folge gesunken. Die Verbraucherpreise stiegen um drei Komma vier Prozent zum Vorjahr nach drei Komma fünf Prozent im Juni – im Rahmen der Prognosen, ohne neue Munition für die gespaltene US-Notenbank vor der nächsten Zinsentscheidung.

In der größten Volkswirtschaft der Welt hat sich der Preisauftrieb im vergangenen Monat erneut verlangsamt, wie am Mittwoch veröffentlichte Daten des Statistikamts des US-Arbeitsministeriums zeigen. Die Entwicklung entsprach allerdings genau den Erwartungen und lässt die Zinsentscheidung der Federal Reserve im September weiter offen.

WERBUNG
WERBUNG

Die Verbraucherpreise stiegen im Monatsvergleich um 0,1 Prozent, nachdem sie im Juni um 0,4 Prozent gefallen waren. Auf Jahressicht liegt die Inflationsrate damit bei 3,4 Prozent und damit deutlich unter den 4,2 Prozent im Mai. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel legte im Monatsvergleich um 0,2 Prozent zu, nach einem Stillstand im Juni, und ging im Jahresvergleich von 2,6 auf 2,5 Prozent zurück.

Jede Kennzahl entsprach der Dow-Jones-Konsensschätzung. Die niedrigeren Jahresraten sind jedoch vor allem dem Vergleich mit einem starken Sommer 2025 geschuldet. Im Monatsverlauf hat sich der Preisauftrieb gegenüber den schwachen Juni-Daten wieder etwas belebt.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung legten die US-Aktienfutures zu. Händler reduzierten zugleich ihre Wetten auf eine straffere Geldpolitik.

Auf dem FedWatch-Tool der Terminbörse CME sank die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September rasch von 48 auf 42 Prozent. Die Geldmärkte rechnen dennoch weiter mit einem schwer einschätzbaren Szenario, in dem die Chancen einer Anhebung und einer Pause fast gleich groß sind.

Fed-Gremium gespalten

Die Fed beließ ihren Leitzins am 29. Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Es war die fünfte Sitzung in Folge ohne Änderung. Drei Präsidenten regionaler Notenbanken stimmten jedoch für eine Erhöhung um einen Viertelpunkt – so viele Abweichler in eine Richtung gab es seit fast zehn Jahren nicht mehr.

Notenbankchef Kevin Warsh, der auf eine vorausschauende Zinsprognose verzichtet und keine eigenen Projektionen mehr veröffentlicht, erklärte, die Fed werde „für Preisstabilität sorgen“ und nicht zögern zu handeln. Zuvor hatte er Inflation bereits als „eine Entscheidung“ bezeichnet.

Das zweite Mandat der Fed drückt in die entgegengesetzte Richtung.

Die US-Wirtschaft verlor im Juli 23.000 Arbeitsplätze, statt der erwarteten rund 83.000 neuen Stellen. Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen im Jahresvergleich um 3,2 Prozent. Die Löhne halten damit nicht mit den Preisen Schritt und die Debatte über Stagflation flammt wieder auf. Die Arbeitslosenquote liegt mit 4,1 Prozent nahe den meisten Schätzungen für Vollbeschäftigung.

Beth Hammack, Präsidentin der Federal-Reserve-Bank von Cleveland und eine der Abweichlerinnen, sagte am Montag, eine einzelne Erhöhung um einen Viertelpunkt bringe wenig und womöglich seien mehrere Schritte nötig. Ihrer Ansicht nach bremsen die aktuellen Zinsen das Wachstum kaum spürbar.

Ihr Kollege aus New York, John Williams, rechnet damit, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte zurückgeht. Auch die Anleger sind gespalten: In dieser Woche pendelten die Chancen für einen weiteren Zinsschritt um die Marke von 50 Prozent, nach 67 Prozent noch vor einer Woche, und ändern sich nun erneut nach den jüngsten Daten des US-Arbeitsministeriums.

Ölproblem bleibt bestehen

Die größte Gefahr für eine Fortsetzung der Disinflation liegt am Persischen Golf.

Die Straße von Hormus ist weiterhin weitgehend blockiert. Derzeit passieren nur sechs bis elf Schiffe pro Tag die enge Passage, zuvor waren es 130 bis 140. Gespräche über eine Wiederöffnung stocken wegen Streit über Entschädigungsforderungen. US-Präsident Donald Trump fordert, Iran solle auch für Schäden aufkommen, für die das Land in Libanon, Syrien, Jemen und Gaza verantwortlich sei.

Die Nordsee-Sorte Brent hat seit Freitag rund 5 Prozent zugelegt und liegt auf dem höchsten Stand seit dem 31. Juli, etwa 25 Prozent über den Tiefstständen vom Beginn des Monats Juli.

Energiepreise trieben die US-Inflation im Mai auf 4,2 Prozent. Nach Berechnungen von Goldman Sachs sind die Flugpreise im vergangenen Monat um 2 Prozent gestiegen, weil die höheren Kosten für Kerosin durchschlagen.

US-Präsident Donald Trump hat signalisiert, dass er den wirtschaftlichen Druck auf Teheran weiter wachsen lassen will, statt eine neue Offensive zu starten. Er sagte dem Portal Axios, Washington halte sich „zurück“. Das deutet auf einen langen Konflikt und einen dauerhaft höheren Ölpreis hin.

Die Daten vom Mittwoch sind noch nicht das letzte Wort zur Inflation. Am Donnerstag folgen die Erzeugerpreise, am Freitag die Einzelhandelsumsätze und Stimmungsindikatoren. Vor der Sitzung der Geldpolitiker im September kommen zudem noch ein weiterer Arbeitsmarktbericht und eine neue Inflationszahl.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Hitze-Sommer in Europa kostet EU-Wirtschaft bis zu 180 Milliarden Euro

Europäische Aktien stürzen im August oft ab: Ist es diesmal anders?

Hitze in Frankreich: Wird Wohnklima zum neuen Kriterium beim Immobilienkauf?