Der Angriff der Ukraine auf Noworossijsk zeigt, auch dort sind Russlands Kriegsschiffe, die von der Krim abgezogen wurden, nicht sicher.
Die Ukraine hat den Hafen Noworossijsk beschossen, Russlands zentrales militärisches Operationszentrum am Schwarzen Meer. Nach anhaltenden ukrainischen Angriffen auf die von Moskau besetzte Krim ist dies inzwischen der letzte große Marinestützpunkt Russlands in der Region.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Attacke als "einzigartige Operation“ und erklärte, die Luftschläge auf die vorgesehenen Ziele seien bestätigt worden.
Details nannte er kaum. Nach seinen Angaben setzte die Ukraine Turbojet-Drohnen vom TypPalianytsia, Neptun-Raketen und unbemannte Marinesysteme ein. Die Angriffe galten Luftverteidigungsstellungen, Anlegern und Hafenanlagen.
Neptun-Raketen hatte die Ukraine schon zu Beginn von Russlands Angriffskrieg eingesetzt, um den russischen Raketenkreuzer Moskwa zu versenken.
„Die Besatzungsflotte und alle sie unterstützenden Strukturen werden nicht sicher sein, solange die russische Aggression anhält“, sagte Selenskyj nach dem Angriff auf Noworossijsk .
Er veröffentlichte außerdem ein Video, das offenbar die russische Luftabwehr über Noworossijsk in der Nacht zeigt.
Noworossijsk und sein Marinestützpunkt liegen mehr als 300 Kilometer von der Front entfernt. Der Angriff aus Kyjiw ist bedeutsam: Er zeigt, dass Moskaus Entscheidung, große Teile der Flotte aus Sewastopol auf der Krim nach Osten zu verlegen, sie nicht außerhalb der Reichweite der ukrainischen Streitkräfte gebracht hat.
Indem Kyjiw den Hafen attackiert, der nach dem Rückzug aus der Krim zu Russlands wichtigstem Marinestützpunkt am Schwarzen Meer geworden ist, will die Ukraine demonstrieren: Für die russische Flotte gibt es nirgendwo im Schwarzen Meer einen wirklich sicheren Zufluchtsort.
Die russischen Behörden legten keinen umfassenden Bericht über mögliche militärische Schäden vor. Lokale Medien meldeten jedoch Explosionen und Luftabwehraktivität im Raum Noworossijsk.
Noworossijsk: Russlands letzter Zufluchtsort am Schwarzen Meer
Noworossijsk gewinnt für Russland zunehmend an Bedeutung, seit die Ukraine große Teile der Schwarzmeerflotte zum Abzug aus der von Moskau besetzten Krim gezwungen hat.
Über Jahre hinweg war Sewastopol der wichtigste Stützpunkt der Flotte.
Doch ukrainische Angriffe mit Raketen und Marinedrohnen machten den Hafen auf der Krim zunehmend gefährlich. Sie beschädigten Kriegsschiffe und Infrastruktur und schränkten Russlands Möglichkeiten ein, im westlichen Schwarzen Meer zu operieren.
Seit 2023 verlegt Russland Teile seiner Marineverbände nach Osten, nach Noworossijsk und andere Festlandshäfen.
Mit der Verlegung wollte Russland die Flotte aus der Reichweite ukrainischer Waffen bringen. Kyjiw versucht nun zu zeigen, dass allein die Entfernung nur begrenzten Schutz bietet.
Noworossijsk ist nicht nur ein Marinestützpunkt. Der Hafen ist auch ein bedeutendes Handels- und Energie-Drehkreuz, über das große Mengen Fracht sowie russisches Rohöl und andere Erdölprodukte laufen – neben der militärischen Nutzung.
Anhaltende Angriffe auf die Stadt könnten deshalb weit über militärische Ziele hinaus wirken. Sie würden Logistik und Seeverkehr stören, Öllieferungen beeinträchtigen und das Bild erschüttern, dass Russlands rückwärtige Gebiete sicher sind.