Durch das Rekord-Niedrigwasser wurde in Budapest ein vollständig erhaltenes Wehrmacht-Motorrad in der Donau gefunden. DKW NZ 350-1 aus dem Zweiten Weltkrieg. Wo wurde das Modell eingesetzt? Sind die Toten die Motorradbesatzung? Euronews beleuchtet die Geschichte des Donau-Motorrades.
So tief stand das Wasser in der Donau noch nie. Das Niedrigwasser legt frei, was jahrzehntelang verborgen auf dem Flussgrund lag, darunter auch ein Wehrmachts-Motorrad vom Typ DKW NZ 350-1 aus dem Zweiten Weltkrieg. DKW steht für die Abkürzung von „Dampfkraftwagen“, eine ehemalige deutsche Auto- und Motorradmarke, die aus der sächsischen Motorstadt Zschopau stammt und später von der Auto Union übernommen wurde.
Gefunden wurde das Motorad im Flussbett mitten in Ungarns Hauptstadt Budapest auf der Höhe des ungarischen Parlamentsgebäudes. Für Mitarbeiter des dortigen Instituts und Museums für Militärgeschichte ist es ein echter Jahrhundertfund. Fast vollständig sei das Fahrzeug erhalten, so das Institut. Im Schlamm der Donau sei es konserviert worden.
Bei dem gefundenen Motorrad handelt es sich um ein Modell, das speziell für den Krieg entwickelt wurde und ab 1944 produziert wurde. Es verfügte über einen Zweitaktmotor mit 11,5 PS. Aufgrund ihrer Robustheit und Zuverlässigkeit waren die Kräder bei der Truppe beliebt. Gut zuerkennen ist das DKW 350-1 am seitlichen Packkoffer aus Metall, den auch das Modell aus der Donau aufweist.
Bis Kriegsende im Jahr 1945 wurden etwa 12.000 Stück hergestellt. Die Vorgängerversion DKW NZ 350 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 105 km/h, so der ADAC. Eingesetzt wurden Motoräder bei der Wehrmacht meist als als Melde-, Aufklärungs- oder Kuriermaschinen.
Produziert wurde das Motorrad von der Auto Union AG, einem 1932 gegründeten Auto- und Motorradhersteller, nach Opel damals der zweitgrößte Hersteller. Die Auto Union AG entstand als Zusammenschluss mehrerer Marken, darunter auch Audi.
Bei vorherigen Modellen des Herstellers waren die Rahmenteile noch miteinander verschraubt. Bei der NZ-Reihe wurden sie miteinander verschweißt. Da das zu hohem Strombedarf führte, konnte diese Arbeit nur nachts ausgeübt werden, wenn das Stromnetz nicht anderweitig belastet war.
Auch deutsche Tellerminen 35, die damals gegen Panzer eingesetzt wurden, Reste von Handgranaten und Artilleriegeschosse wurden auf dem Grund der Donau gefunden. Möglicherweise sei der Abschnitt der Donau als "Kriegsschuttgrube" genutzt worden, so das ungarische Militärhistorische Institut.
Ab März 1944 belagerten deutsche Truppen Budapest. Zwischen Oktober 1944 und Februar 1945 kam es schließlich zur Schlacht um Budapest zwischen der sowjetischen Roten Armee sowie deutschen und ungarischen Truppen. Rund 30.000 deutsche, mehr als 17.000 ungarische sowie etwa 80.000 sowjetische und rumänische Soldaten wurden getötet. Am 13. Februar 1945 kapitulierten die verbliebenen deutschen Einheiten.
Die DKW-Fertigungsanlagen wurden nach dem Krieg abgebaut und als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht. In Moskau und weiteren Standorten wurde damit bis 1951 in großen Stückzahlen die weitgehend identische ISCH-350 hergestellt.
Unter dem Motorrad lagen menschliche Überreste. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge übernahm die Bergung und erklärt, dass es sich um die sterblichen Überreste von zwei Wehrmachtssoldaten handelt. Die Besatzung des Motorrades? Ihre Erkennungsmarken sind gut erhalten, man wird sie also identifizieren können. Die beiden Toten sollen auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Budaörs westlich von Budapest beigesetzt werden. Mehr als 16.000 deutsche Soldaten liegen dort begraben.
Der Volksbund ist ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und bestattet. Mehr als 5.500 waren es 2025.