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Polen kurz vor komplettem Autobahnnetz: noch rund 150 Kilometer

Polen nähert sich einem vollständigen Autobahnnetz
Polen nähert sich vollständigem Autobahnnetz. Copyright  Euronews/Paweł Głogowski
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Von Glogowski Pawel
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Polens Autobahn-Grundnetz tritt in die entscheidende Phase. Rund 1.950 km sind befahrbar, nur noch 150 km fehlen.

Der Wandel auf Polens Straßen in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist gewaltig. Als Polen im Mai 2004 der Europäischen Union beitrat, umfasste das nationale Autobahnnetz kaum mehr als 485 Kilometer. Zusammen mit den Schnellstraßen standen damals nicht einmal 720 Kilometer Fernstraßen zur Verfügung.

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Heute sieht das Bild völlig anders aus. Die Gesamtlänge der Autobahnen und Schnellstraßen liegt bei mehr als 5.590 Kilometern, davon rund 1.950 Kilometer Autobahn und über 3.640 Kilometer Schnellstraße. Langfristig soll das Netz der Fernstraßen etwa 7.980 Kilometer erreichen, davon 2.100 Kilometer Autobahn.

Damit hat Polen den größten Abschnitt beim Schließen seiner Infrastruktur-Lücken bereits hinter sich. Neue Projekte betreffen zunehmend nicht nur den Bau völlig neuer Strecken, sondern auch den Ausbau bereits bestehender Straßen, um ihre Kapazität zu erhöhen.

Nach Angaben der Generaldirektion für Landesstraßen und Autobahnen (GDDKiA) wurden im Jahr 2025 mehr als 390 Kilometer neuer Strecken für den Verkehr freigegeben. Für 2026 sind weitere 291 Kilometer geplant.

A2 schließt Lücke bis zur polnisch-belarussischen Grenze

Eines der zentralen Projekte der letzten Ausbaustufe ist die Autobahn A2. Die Strecke führt von der Grenze zu Deutschland über Warschau nach Osten und endet derzeit bei Biała Podlaska.

Östlich der Stadt fehlen noch zwei Teilstücke mit zusammen mehr als 25 Kilometern. Nach ihrer Fertigstellung wird die A2 bis zum Bereich des Autoterminals in Koroszczyn führen. Den Vertrag für den Abschnitt im Raum Kijowiec und Dobrynia unterschrieb die GDDKiA im Juni 2026. Ende Juli schloss sie zudem das Vergabeverfahren für das Teilstück zwischen Biała Podlaska und Kijowiec ab.

Das Projekt ist nicht nur für die Bewohner Ostpolens wichtig. Die A2 gehört zu den bedeutendsten Transportkorridoren zwischen Westeuropa und den zentralen sowie östlichen Teilen des Kontinents. Die Verlängerung der Autobahn verbessert die Bedingungen für den Güterverkehr und dürfte einen Teil des Verkehrs von den untergeordneten Straßen abziehen.

Letzte Kilometer entstehen auch rund um Warschau

Der zweite große Baustein der noch fehlenden Zielnetz-Teile ist die geplante Autobahn A50. Sie soll den südlichen Abschnitt des Autobahnrings der Warschauer Metropolregion bilden.

Die A50 soll zusammen mit den fehlenden A2-Abschnitten östlich von Biała Podlaska einen großen Teil der Lücke schließen, die Polen noch von den angestrebten 2.100 Kilometern Autobahn trennt.

Der Neubau der Strecke rund um die Hauptstadt ist aber mehr als ein Beitrag zur reinen Kilometerzahl. Warschau und sein Umland zählen zu den verkehrsreichsten Regionen des Landes. Das neue Straßensystem soll Transitverkehr leichter an der Metropole vorbeiführen und die Verbindungen zwischen den Hauptachsen in der Region verbessern.

A4 und A1 stehen vor Veränderungen

In den kommenden Jahren plant die GDDKiA weitere Investitionen auch an anderen zentralen Autobahnen.

Bei der A4 ist unter anderem der Ausbau des Abschnitts von Krzyżowa in Richtung Wrocław vorgesehen. Er gehört zu den wichtigsten Teilen des West-Ost-Transportkorridors. Die gesamte A4 mit knapp 670 Kilometern Länge verbindet Zgorzelec mit Korczowa und schafft eine zentrale Achse zwischen Westeuropa und der Ukraine.

Auch die A1 steht vor einem Ausbau. Geplant ist die Verbreiterung des Abschnitts zwischen Toruń und Włocławek. Die A1 bildet eine der zentralen Nord-Süd-Verbindungen: Sie führt vom Raum Dreistadt in den Süden Polens bis zur tschechischen Grenze bei Gorzyczki und ist mehr als 560 Kilometer lang.

Nicht nur neue Straßen: Jetzt zusätzliche Fahrstreifen

Mit dem Abschluss der grundlegenden Autobahn-Bauphase endet die Investitionswelle nicht. Im Gegenteil: Die GDDKiA richtet ihren Fokus immer stärker auf den Ausbau bestehender Strecken.

Zuerst soll auf großer Länge die A2 zwischen Warschau und Łódź umgebaut werden. Der Plan betrifft etwa 92 Kilometer. Auf dem überwiegenden Teil des Abschnitts entstehen zusätzliche Fahrstreifen, zwischen Pruszków und Konotopa sind sogar vier Spuren pro Richtungsfahrbahn vorgesehen.

Der Grund liegt auf der Hand: Autobahnen, die vor einigen oder mehreren Jahrzehnten entstanden, müssen heute deutlich mehr Verkehr aufnehmen, als ihre Planer einst angenommen haben. Besonders deutlich zeigt sich das auf Strecken in der Nähe der größten Ballungsräume.

Autobahnbau endet, Straßenrevolution geht weiter

Bis zum vollständig geplanten Autobahnnetz fehlen noch rund 150 Kilometer. Die wichtigsten Lücken schließt der weitere Ausbau der A2 und der Bau der vorgesehenen A50. Parallel dazu erhalten bestehende Autobahnen zusätzliche Fahrstreifen und werden an das steigende Verkehrsaufkommen angepasst.

Polen nähert sich damit dem Zeitpunkt, an dem man vom weitgehenden Abschluss des grundlegenden Autobahnsystems sprechen kann. Das wird aber nicht das Ende der Straßeninvestitionen sein, sondern der Beginn einer neuen Phase: Modernisierung, weiterer Ausbau und der Kampf um mehr Kapazität auf jenen Strecken, die schon heute das Rückgrat des nationalen Verkehrs bilden.

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