Aserbaidschan macht den Granatapfel mit zweitausend Jahren Kulturgeschichte zur Weltmarke: Exporte von 48,2 Millionen Euro, mehr als 200 Sorten, Konkurrenz für Iran, Türkei und Spanien.
Aserbaidschan hat 2025 Granatäpfel und Granatapfelprodukte im Wert von 48,2 Millionen Euro exportiert. Damit zählt die Frucht zu den am schnellsten wachsenden Exportgütern außerhalb des Ölsektors.
Rund 23.000 Hektar Plantagen liefern inzwischen frische Früchte, Saft, Konzentrat, Wein und Kernöl in 26 Länder – von den Golfstaaten bis nach Asien. Damit tritt Aserbaidschan in Konkurrenz zu etablierten Exporteuren wie Iran, Türkei und Spanien, die Granatäpfel bereits in großem Stil vermarkten.
„Für Aserbaidschan ist der Granatapfel ein fester Bestandteil unseres kulturellen Erbes. Seine Geschichte reicht fast 2000 Jahre zurück und er steht für Fülle, Wohlstand und Gesundheit“, sagte Farhad Garashov, Vorsitzender des Verbands der Granatapfelproduzenten und -exporteure Aserbaidschans, gegenüber Euronews.
Aserbaidschanische Produzenten verweisen auf eine Mischung aus einheimischen Sorten, EU-kompatiblen Pflanzenschutzstandards und der Nähe zu europäischen und Golfmärkten als wichtigsten Pluspunkten. Mehr als 200 Sorten wachsen vor allem in der Kur-Araz-Tiefebene und im Bezirk Goychay.
International am bekanntesten ist die Sorte Guloysha. Sie gilt wegen ihrer dünnen Schale, des hohen Saftgehalts und des süß-säuerlichen Geschmacks als besonders begehrt. Andere Sorten wie Valas, Shah Nar, Nazik Gabig und Bala Mursal bringen unterschiedliche Farben und Aromen hervor, mit denen sich Produzenten in den Supermarktregalen im Ausland abheben.
„Dieses reiche Erbe ist eines der wichtigsten Merkmale, die aserbaidschanische Granatäpfel auf den internationalen Märkten von der Konkurrenz unterscheiden“, so Garashov. Sein Verband vertritt mehr als 500 Bauern und Exporteure.
Längere Haltbarkeit: Vorteil für Exporteure
Frischware dominiert weiterhin, doch verarbeitete Produkte wie Saft, Konzentrat und Öl verlängern inzwischen die Verkaufssaison.
Kühlhäuser, Verarbeitungsbetriebe und eine verbesserte Logistikinfrastruktur ermöglichen es den Produzenten heute, Abnehmer das ganze Jahr über zu beliefern – nicht nur zur Herbsternte.
Ausländische Abnehmer und große Supermarktketten verlangen strengere Pflanzenschutzauflagen, einheitliche Fruchtgrößen und internationale Verpackungsstandards. Diese Anforderungen drängen Kleinbetriebe zu neuen Finanzierungsinstrumenten und Partnerschaften.
„Die Landwirtschaft in Aserbaidschan ist in eine neue Entwicklungsphase eingetreten. Im Mittelpunkt steht nicht mehr nur die Steigerung der Produktionsmengen, sondern auch die Markenbildung bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen mit hoher Wertschöpfung“, sagte Anar Jafarov, Direktor des Agrarischen Innovationszentrums beim Landwirtschaftsministerium, gegenüber Euronews.
Sorge um Folgen des Klimawandels
Yusif Lazgiyev, Betriebsdirektor von Az-Granata – einem privaten Saft- und Getränkehersteller, der 332 Hektar eigene Obstgärten bewirtschaftet und Konzentrat sowie Flaschensäfte in Exportmärkte liefert –, erklärte, die diesjährige Ernte sei deutlich geringer ausgefallen. Kaltes und regnerisches Wetter Ende Mai und Anfang Juni habe die zweite der drei Blütephasen der Granatapfelbäume verhindert.
„Granatapfelbäume blühen normalerweise drei Mal pro Saison. In diesem Jahr haben die Granatäpfel in unseren Gärten wegen des Klimawandels nur ein einziges Mal geblüht, und das hat Produktivität und Ertrag sinken lassen“, sagte Lazgiyev Euronews. „Der Regen hat die bereits vorhandenen Blüten abgewaschen.“
Nach seinen Angaben führen Ernteverluste schon bei nur einem Blühzyklus zu Einbußen von 15 bis 20 Prozent. Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht begünstigen zudem die Ausbreitung von Krankheiten in den Plantagen. Die Weinproduktion lag in diesem Jahr um 30 bis 40 Prozent unter dem Niveau von 2025.
Garashov zufolge setzt die Branche als Reaktion auf steigende Temperaturen und häufigere Dürreperioden vor allem auf Tröpfchenbewässerung, digitale Wassersteuerung und mehr Effizienz beim Wasserverbrauch.
„Klimawandel, steigende Temperaturen, länger anhaltende Trockenperioden und zunehmende Wasserknappheit sind für alle Produzenten zu zentralen Sorgen geworden“, sagte er.
Das Goychay-Granatapfelfest, das jedes Jahr im Oktober im Bezirk Goychay rund 200 Kilometer westlich von Baku stattfindet, zieht jährlich Zehntausende Besucherinnen und Besucher an. Es ist zugleich kulturelles Volksfest und Fachmesse, auf der Produzenten Abnehmer treffen, neue Sorten präsentieren und Exportverträge aushandeln.
Im Jahr 2024 nahm die UNESCO das Fest in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Den Anstoß dazu gab eine Initiative der Ersten Vizepräsidentin Mehriban Aliyeva.
„Diese Anerkennung der UNESCO zeigt den außergewöhnlichen kulturellen Wert des Granatapfels für die Bevölkerung Aserbaidschans und erhöht zugleich die internationale Sichtbarkeit der Marke ‚Made in Azerbaijan‘“, sagte Garashov.