Eine ERSE-Studie ergab, dass die Inlandspreise in den ersten sieben Monaten 2026 den internationalen Kosten folgten. Hinweise auf Missbrauch durch Betreiber gab es nicht. Schon nächste Woche steigen die Kraftstoffpreise wieder stark.
Viele Menschen in Portugal haben den Eindruck, dass die Spritpreise rasant klettern, aber nur langsam wieder fallen. So empfinden sie es jedenfalls an der Zapfsäule, auch wenn die zuständigen Behörden diese Wahrnehmung nicht teilen.
Die Preisschwankungen bei Benzin und Diesel nehmen zu. Grund sind der aktuelle Konflikt im Nahen Osten und die Beschränkungen für die Schifffahrt in der Straße von Hormus. Vor diesem Hintergrund bat Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho die Entidade Reguladora dos Serviços Energéticos (ERSE) um eine detaillierte Untersuchung (Quelle auf Portugiesisch). Die Regulierungsbehörde fand dabei keine Unregelmäßigkeiten und keinen „Sonderprofit“ der Anbieter.
Die am Freitag veröffentlichte Studie zur Entwicklung der Straßenkraftstoffpreise umfasst den Zeitraum vom ersten Januar 2023 bis zum 27. Juli 2026. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Preise an der Zapfsäule sich an den internationalen Notierungen für bereits raffiniertes Benzin und Diesel orientieren und nicht direkt am Preis für Rohöl (Brent). Die „Entwicklung der Kraftstoffpreise in Portugal“ lasse sich daher vor allem durch diese Notierungen erklären.
„Rockets and Feathers“-Effekt
Neben dem besseren Verständnis der Preisschwankungen wollte die Studie vor allem klären, ob internationale Preisanstiege schneller in Portugal ankommen als gleich starke Preisrückgänge.
Diese mögliche Asymmetrie trägt den Namen „Rockets and Feathers“. Sie beschreibt, dass Preise „wie eine Rakete steigen“, wenn die internationalen Kosten zulegen, aber „wie eine Feder sinken“, wenn die Kosten wieder fallen. Nach Angaben der ERSE-Studie (Quelle auf Portugiesisch) wurde ein solcher Effekt nicht nachgewiesen.
„Die Ergebnisse bestätigen keinen anhaltenden ‚Rockets and Feathers‘-Effekt: Preissteigerungen und -senkungen beginnen im selben Zeitraum an die Endkunden weitergegeben zu werden, auch wenn die geschätzten Senkungen beim Diesel anfangs etwas schwächer ausfallen“, heißt es in dem Dokument.
„Beim Diesel zeigte sich in den ersten Wochen ein kleiner Unterschied, der nach vier Wochen statistisch nicht mehr signifikant war. Die Ergebnisse stützen daher nicht die Annahme, dass Preissenkungen dauerhaft langsamer oder weniger vollständig weitergegeben werden als Preiserhöhungen“, so die Analyse.
Der Bericht hält zudem fest, dass er keine Hinweise auf ein Ausnutzen der Lage durch die Marktbetreiber gefunden hat.
„Diese Ergebnisse sind aggregiert und erlauben keine Beurteilung des Verhaltens oder der Gewinne einzelner Unternehmen. Vereinzelte Situationen lassen sich damit nicht ausschließen, doch sie tragen auch nicht die Schlussfolgerung, dass Mineralölgesellschaften die Lage genutzt hätten, um ihre Margen flächendeckend zu erhöhen“, betont die ERSE.
Preisunterschiede zu Spanien: Rolle der Steuern
Wegen der Nähe zur Grenze tanken viele Menschen aus Portugal auf der spanischen Seite, denn dort sind die Preise oft niedriger – ein Umstand, den portugiesische Verbraucher immer wieder hinterfragen. Nach Angaben der ERSE ist die Erklärung einfach: Steuern.
„Im zweiten Quartal 2026 resultierte der Unterschied im Wesentlichen aus der Besteuerung“, so die Behörde. „Ohne Steuern lagen die Preise in Spanien über den portugiesischen – um 5,9 Cent pro Liter bei Benzin und 10,6 Cent pro Liter bei Diesel. Nach Steuern hingegen überstiegen die Preise in Portugal die spanischen um 41,8 Cent pro Liter bei Benzin und 25,1 Cent pro Liter bei Diesel“.
Nach Einschätzung der ERSE lässt sich die Entwicklung der Preise nur zusammen mit der Steuerpolitik verstehen, „die eine wichtige Rolle für den Endpreis spielt, den die Verbraucher zahlen“. Im Jahr 2026 dämpfte ein temporärer Anpassungsmechanismus der Kraftstoffsteuer ISP einen Teil des Anstiegs der Endpreise in der Phase besonders angespannter Märkte.
Neben dem direkten Vergleich mit Spanien enthält die Studie auch einen Vergleich mit anderen EU-Mitgliedstaaten. Demnach entwickelten sich die Preise in Portugal – mit und ohne Steuern – im Einklang mit den Durchschnittswerten der Europäischen Union und der Eurozone.
„In Portugal blieb – ähnlich wie in den meisten Ländern der Europäischen Union und der Eurozone – die Steuerlast im betrachteten Zeitraum in Euro pro Liter konstant, im Gegensatz zu Spanien“, heißt es weiter.
Spritpreise steigen kommende Woche erneut
Schon in der kommenden Woche sollen die Kraftstoffpreise erneut anziehen.
Nach Prognosen des Automóvel Club de Portugal (ACP) (Quelle auf Portugiesisch) könnte Diesel um rund zehn Cent teurer werden, Benzin um etwa neun Cent.
Bestätigen sich diese Erwartungen, steigt der durchschnittliche Dieselpreis ab Montag auf 2,068 Euro pro Liter, Benzin auf 1,977 Euro pro Liter. Damit machen die neuen Preise den Rückgang der vergangenen Woche wieder wett. Je nach Anbieter und Tankstelle kann es Unterschiede geben.
Diese Änderungen sind noch nicht endgültig. Sie hängen vom Verlauf an den Märkten und von einer möglichen Anpassung der Kraftstoffsteuer ISP durch die Regierung ab, die derzeit einen außergewöhnlichen ISP-Rabatt gewährt, sobald der Anstieg mehr als zehn Cent pro Liter beträgt.