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Neue Bürokratie in Russland: Jetzt müssen Hühner zum Amt

Hühnerfarm in der Region Moskau, 28. Januar 2016.
Geflügelfarm in der Region Moskau, 28. Januar 2016. Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Yulia Averyanova, Sergey Dubina
Zuerst veröffentlicht am
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Kein Monty-Python-Sketch: In russischen Bürgerbüros stapeln sich Videos zufolge Käfige mit Hausvögeln. Halter mit mehr als zehn Tieren müssen sie nun offiziell registrieren lassen.

Schwer durchschaubare Verwaltungsreformen und skurrile Behördenvorgaben gehören in Russland längst zum Alltag. In den vergangenen Tagen sorgten jedoch einige Schlagzeilen und Hashtags in den sozialen Netzwerken selbst bei routinierten Beobachtern für Kopfschütteln.

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"Hühner stürmen die MFCs" (Mehrfunktionszentren – staatliche Dienstleistungsstellen in Russland, die nach dem Prinzip der "einzigen Anlaufstelle" arbeiten). "Rosselchosnadsor ruft die Russen auf, keine Hühner in die MFCs zu bringen." "Neue Hühnergesetze."

Das alles klingt fast wie ein Sketch von Monty Python. Oder wie bislang unveröffentlichte Seiten von Gogol oder Saltykow-Schtschedrin, den bissigen Chronisten der absurden Seiten der russischen Wirklichkeit.

Seit dem 1. September 2026 gilt in Russland eine neue Regierungsverordnung. Sie verpflichtet Halter von Hausgeflügel, Kamelen und Rentieren, ihre Tiere registrieren zu lassen. Für viele ist völlig unklar, was das im Alltag konkret bedeuten soll. In den sozialen Netzwerken ließ der Spott jedenfalls nicht lange auf sich warten.

Worum geht es eigentlich?

Bei der Registrierung tragen die Behörden im föderalen System "Chorriot" den Zweck und den Standort der Tierhaltung ein. Hinzu kommen Angaben zu Rasse, Fell- oder Gefiederfarbe, Geschlecht und Halter. Die Vorschriften sehen außerdem vor, den Tieren Nummern zuzuweisen und sie in gekennzeichneten Gehegen zu halten. Wer seine Tiere nicht kennzeichnet, riskiert ein Bußgeld: bis zu 1.000 Rubel (bis zu 10 Euro) für Privatpersonen und bis zu 20.000 Rubel (rund 200 Euro) für Unternehmen.

Unternehmen droht zusätzlich die Schließung für bis zu 60 Tage. In den MFCs der Republik Kabardino-Balkarien lagen die Nerven zunächst blank. Dort stellte man am Mittwochmorgen, dem 2. September, klar: Die Zentren registrieren keine Tiere.

Geflügelhalter müssten sich dafür an die regionale Veterinärbehörde wenden. Rosselchosnadsor beruhigte daraufhin die Besitzer von Hühnern, Straußen und Kamelen: Sie müssen ihre Tiere nirgendwohin schleppen. Mitarbeitende des Veterinärdienstes kommen direkt zu den Ställen und Höfen, zählen den Bestand und vergeben eine Identifikationsnummer. Für Hausgeflügel ist zudem eine Sammelkennzeichnung vorgesehen.

Nicht jedes einzelne Tier muss also separat markiert werden. Die russischen Behörden begründen die neuen Vorgaben vor allem mit einem besseren Überblick über mögliche Ausbrüche von Tierseuchen. Ein weiterer Zweck der Registrierung ist die Rückverfolgbarkeit von Agrarprodukten. Die erfassten Informationen seien notwendig, um die Waren legal in den Handel bringen zu können.

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