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Bildungsausgaben in Europa: Welche Länder investieren am meisten und lohnt sich das?

Archivbild: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Kindern in einer Schule in La Cluze-et-Mijoux nahe Besançon im Osten Frankreichs am Donnerstag, 27. April 2023.
Archivbild: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Kindern in einer Schule in La Cluze-et-Mijoux nahe Besançon in Ostfrankreich am 27. April 2023. Copyright  Raphael Lafargue/Pool via AP
Copyright Raphael Lafargue/Pool via AP
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Schweden gab 2023 rund 6,8 Prozent des BIP für Bildung aus, Rumänien knapp drei Prozent. Ob mehr Geld die Kompetenzen stärkt und Jugendliche besser auf Europas Wandel vorbereitet, ist jedoch umstritten.

Zusammen gaben die Regierungen der EU im Jahr 2023 rund 806 Milliarden Euro für Bildung aus. Das entsprach 4,7 % des Bruttoinlandsprodukts der EU.

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Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben am BIP ist im vergangenen Jahrzehnt leicht gesunken: von 4,96 % im Jahr 2014 auf 4,65 % im Jahr 2023, wie aktuelle Zahlen von Eurostat zeigen.

Zwischendurch stieg der Wert im Jahr 2020 kurz auf 5,02 %. Hauptgrund war der wirtschaftliche Einbruch in der Pandemie, nicht ein entsprechend kräftiger Anstieg der Bildungsetats.

Unter den von Eurostat erfassten europäischen Ländern verzeichnete Schweden mit 6,8 % den höchsten BIP-Anteil für Bildung. Auch Finnland, Island, Belgien und Dänemark gaben jeweils mehr als 6 % aus. Rumänien und Griechenland lagen mit 2,97 % beziehungsweise 3,33 % nahe am unteren Ende der Skala.

Bildungsausgaben je Schüler: Wo die EU am meisten investiert

Der Vergleich von Bildungsausgaben als BIP-Anteil blendet Unterschiede beim Wohlstand eines Landes und bei der Zahl der Schülerinnen und Schüler aus.

Die BIP-Kennzahl zeigt, wie viel ein Staat insgesamt in Bildung investiert. Die Ausgaben je Schüler machen deutlich, welche Kaufkraft tatsächlich hinter jeder Person im Bildungssystem steht.

Größe der Volkswirtschaft, Zahl der Schülerinnen und Schüler und die Verteilung der Mittel auf die einzelnen Bildungsstufen können das Ranking deutlich verändern.

Die Werte sind in Kaufkraftstandards (PPS) angegeben, einer künstlichen gemeinsamen Einheit, die Preisunterschiede zwischen den Ländern ausgleicht und Ausgaben vergleichbarer macht. Euronews Business nutzt Daten aus dem Jahr 2022, dem jüngsten Jahr mit Angaben für alle großen Volkswirtschaften der EU.

Der Vergleich offenbart große Unterschiede zwischen dem Anteil des Nationaleinkommens für Bildung und den Ressourcen, die tatsächlich je Schüler zur Verfügung stehen.

Luxemburg gab 2022 nur 3,74 % seines BIP für Bildung aus und lag damit unter dem EU-Durchschnitt von 4,66 %. Gleichzeitig verzeichnete das Land die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben je Schüler im Block: 18.422 PPS, mehr als doppelt so viel wie der EU-Durchschnitt von 8.246 PPS.

Bulgarien zeigt das Gegenbeispiel. Der BIP-Anteil lag mit 4,5 % nahe am EU-Durchschnitt, doch die Ausgaben je Schüler waren mit 3.097 PPS die niedrigsten im gesamten Block.

Unter den großen Volkswirtschaften gab Frankreich 2022 5,33 % seines BIP für Bildung aus, den fünfhöchsten Anteil unter den EU-Ländern mit verfügbaren Daten. Die Ausgaben je Schüler betrugen jedoch 8.151 PPS und lagen damit leicht unter dem EU-Durchschnitt.

Italien investierte gemessen am BIP deutlich weniger, nämlich 4,07 %. Mit 7.945 PPS je Schüler lag das Land direkt hinter Frankreich, aber ebenfalls knapp unter dem EU-Durchschnitt.

Deutschland verwendete einen nahezu durchschnittlichen Anteil von 4,79 % des BIP auf Bildung, gab je Schüler aber 10.363 PPS aus. Das sind rund 26 % mehr als der EU-Durchschnitt.

Weitere Unterschiede fallen auf. Malta investierte mit 4,12 % einen unterdurchschnittlichen BIP-Anteil, wies aber überdurchschnittliche Ausgaben je Schüler aus. Die Slowakei erreichte den gleichen BIP-Anteil wie die EU insgesamt, gab je Schüler jedoch 22 % weniger aus.

Leistungen und Ausgaben im Vergleich

Mehr Geld garantiert keine besseren Ergebnisse. Die größten Bildungsausgeber Europas sind nicht durchgehend die Länder mit den stärksten Grundkompetenzen.

Das Programm zur internationalen Schülerbewertung (PISA) der OECD liefert einen Ansatz zum Vergleich der Ergebnisse. Es misst die Kompetenzen von 15-Jährigen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, kann aber nicht alle Aspekte der Bildungsqualität abbilden.

PISA stuft Schülerinnen und Schüler, die das Niveau zwei nicht erreichen, als leistungsschwach ein. Niveau zwei gilt der OECD als Mindestvoraussetzung, um vollständig am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Im Jahr 2022 gehörten auffällig viele Schülerinnen und Schüler in der EU zu dieser Gruppe: 26,2 % im Lesen und 29,5 % in Mathematik. Beide Werte haben sich seit 2012 deutlich verschlechtert, damals lagen sie bei 18 % beziehungsweise 22,1 %.

Länder mit höheren Ausgaben je Schüler erzielen tendenziell bessere Mathematik-Ergebnisse, doch dieser Zusammenhang ist alles andere als eindeutig.

Estland verzeichnete mit 15 % den niedrigsten Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler in Mathematik. Es folgten Irland und Dänemark mit jeweils rund 19 bis 20 %. Dieselben drei Länder hatten auch im Lesen die geringsten Anteile.

Dänemark gehört zu den größten Bildungsausgebern Europas. Für Estland und Irland liegen die dafür nötigen Eurostat-Zahlen nicht vor.

Lettland erzielte mit begrenzten Mitteln vergleichsweise gute Ergebnisse. Das Land gab 4.999 PPS je Schüler aus, rund 39 % weniger als der EU-Durchschnitt, lag bei den Anteilen leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Lesen jedoch jeweils unter dem EU-Mittelwert.

Malta hingegen gab 9.658 PPS je Schüler aus, rund 17 % über dem EU-Durchschnitt, schnitt aber deutlich schlechter ab. Etwa 32,6 % der Schülerinnen und Schüler galten in Mathematik als leistungsschwach, im Lesen waren es 36,3 %.

Zypern investierte je Schüler annähernd so viel wie der EU-Durchschnitt, erzielte aber einige der schwächsten Ergebnisse im Block. Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler, 53,2 %, war leistungsschwach. Bulgarien lag mit 53,6 % ähnlich hoch und kombinierte dies mit niedrigen Ausgaben.

Eurostat weist für 2022 keine PISA-Daten zu Luxemburg und der Schweiz aus. Im Jahr 2018, als Luxemburg die höchsten Ausgaben je Schüler verzeichnete, galten 27,2 % der 15-Jährigen in Mathematik und 29,3 % im Lesen als leistungsschwach. Das zeigt, dass hohe Ausgaben nicht automatisch zu besseren Leistungen führen.

Unter den großen Volkswirtschaften lag Frankreichs Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler im Lesen bei 26,9 % und damit leicht über dem EU-Durchschnitt. Deutschland entsprach im Fach Mathematik exakt dem EU-Durchschnitt von 29,5 %, Italien lag mit 29,6 % knapp darüber.

Grundkompetenzen: Europa verfehlt 2030-Ziel deutlich

In der EU erreicht fast jede dritte Schülerin und jeder dritte Schüler das Mindestniveau in Mathematik nicht. Europa ist damit noch weit entfernt von seinem Ziel, den Anteil der Leistungsschwachen bei den Grundkompetenzen bis 2030 auf unter 15 % zu senken.

Die Ergebnisse machen zudem eine deutliche sozioökonomische Kluft sichtbar. In PISA 2022 verfehlten 48 % der Schülerinnen und Schüler aus dem unteren Viertel der sozialen Skala das Mindestniveau in Mathematik, im oberen Viertel waren es nur elf Prozent.

Der demografische Wandel dürfte auch die Bildungsfinanzierung verändern. Der Bericht „Investing in Education 2025“ der EU-Kommission prognostiziert, dass die EU im Jahr 2030 rund 2,5 Millionen weniger Menschen im Alter von drei bis 18 Jahren haben wird als 2022.

Diese Bevölkerungsgruppe dürfte insgesamt um 3,5 % schrumpfen. Am stärksten ist der Rückgang in Italien mit 13 %, in Griechenland mit 12 % und in Spanien mit elf Prozent zu erwarten. Deutschland hingegen wird voraussichtlich einen Anstieg um 9 % verzeichnen.

Die kleiner werdende Zahl von Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter könnte Spielraum schaffen, mehr in jede einzelne Person zu investieren. Nach Berechnungen der Kommission würde die Pro-Kopf-Ausgabe je Schüler im EU-Durchschnitt bis 2030 um 19 % steigen, wenn die Gesamtbudgets der Schulen lediglich mit einer jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent mitwachsen.

Der Bericht der Kommission betont, dass bessere Grundkompetenzen Produktivität, Innovation und Wirtschaftswachstum stützen würden. Schätzungen zufolge könnte das BIP der europäischen Länder bis 2030 um 8 bis 10 % höher ausfallen als derzeit prognostiziert, wenn mehr Menschen ein ausreichendes Niveau bei den Basisfertigkeiten erreichen.

Kleinere Klassen, stärker personalisierter Unterricht, modernisierte Lehrpläne, bessere Aus- und Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte sowie ein sinnvoller Einsatz von Technologie könnten laut Bericht den Weg dafür ebnen.

Die Ländervergleiche zeigen jedoch, dass der Erfolg nicht allein von der Höhe der staatlichen Ausgaben abhängt, sondern auch davon, wohin die Mittel fließen und ob sie das Lernen tatsächlich verbessern.

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