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„Trauer, Wut, Zorn“: Ehemaliges NS-Lager wird Gewerbepark und empört Österreich

Archivaufnahme: Luftbild des Geländes des früheren KZ Hirtenberg nahe Hirtenberg/Leobersdorf in Niederösterreich.
Archivbild: Luftaufnahme des Geländes des ehemaligen KZ Hirtenberg nahe Hirtenberg/Leobersdorf in Niederösterreich. Copyright  Wikipedia Commons/basemap.at
Copyright Wikipedia Commons/basemap.at
Von Doloresz Katanich mit AFP
Zuerst veröffentlicht am
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Bau eines Gewerbeparks auf früherem NS-KZ-Gelände: Proteste und Forderungen nach Schutz der letzten historischen Überreste

Auf einem überwucherten Feld stehen nur noch ein paar bröckelnde Betonblöcke. Mehr ist von dem einst weitläufigen NS-Zwangsarbeitslager bei der niederösterreichischen Gemeinde Leobersdorf nicht zu sehen.

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Nun soll auf dem Gelände ein Gewerbepark entstehen, mit einem Kühlhaus und einer Filiale der Diskont-Supermarktkette Lidl. Die Pläne sorgen für Empörung in der Alpenrepublik, die ihre NS-Vergangenheit lange kaum aufgearbeitet hat.

„Für mich ist das ein trauriges Gefühl, weil ein geschichtsträchtiger Ort überbaut und der Wirtschaft geopfert wird“, sagt Erich Strobl, der eine lokale Initiative zur Sicherung eines Teilbereichs des Areals leitet, gegenüber AFP.

Nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland 1938 nutzten die Behörden den Lagerkomplex „Weinberglager“ für Tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.

Später gehörte dazu das Nebenlager Hirtenberg des Konzentrationslagers Mauthausen – eines der größten Frauenlager in Österreich.

Zwischen September 1944 und April 1945 waren dort rund 400 Frauen inhaftiert, vor allem aus der Sowjetunion, aber auch aus Italien und Polen. Sie mussten in einem nahe gelegenen Fabrikkomplex Munition für die Infanterie herstellen.

Einige Fabrikruinen stehen noch. Die Lagerbaracken und die meisten anderen Gebäude wurden nach Kriegsende jedoch nach und nach abgerissen, umgenutzt oder zerstört.

Der Historiker Bertrand Perz, der zum Lager Mauthausen forscht, betont im Gespräch mit AFP, das Gelände in Hirtenberg sei „historisch bedeutsam“. Auch deshalb, „weil die Frauen als Häftlinge in Mauthausen in der Erinnerungskultur marginalisiert worden sind“.

Die Pläne für einen Gewerbepark auf dem Areal rund 40 Kilometer südlich von Wien, teilweise auf ehemaligem KZ-Gelände, wurden 2024 bekannt.

Trauer, Wut, Zorn

Archäologische Untersuchungen haben noch Spuren des früheren Lagerkomplexes nachgewiesen. Das Bundesdenkmalamt kam aber zu dem Schluss, die Reste seien „nicht ausreichend“ für einen umfassenden Denkmalschutz.

Jetzt rollen die Bagger an, und Aktivistinnen und Aktivisten erneuern ihre Forderung, das Gelände zu erhalten.

„Ein ehemaliges Konzentrationslager darf nicht mit neuen Gebäuden überbaut werden“, erklärt das Internationale Mauthausen Komitee.

Vor Ort, wo bereits graue Betonsäulen aus dem Boden ragen, sagt Josef Pumberger, Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitees Österreich, zu AFP, er empfinde „Trauer, Wut, Zorn, dass so etwas in Österreich im Jahr 2026 passieren kann“.

Zusätzliche Brisanz erhält das Projekt, weil das Grundstück zuvor einer Firma gehörte, die mit dem örtlichen Bürgermeister Andreas Ramharter in Verbindung steht. Laut lokalen Medien verkaufte sie das Areal 2022 und 2023 für mehr als 15 Millionen Euro.

Die österreichische Firma TRA LEO GmbH & Co KG, die das Gelände erworben hat, erklärte gegenüber AFP, sie habe angeboten, die Errichtung eines Gedenkorts auf dem Areal zu unterstützen.

Lidl bestätigte die Pläne für eine Filiale in dem geplanten Gewerbepark. Die Kette betont jedoch, der Markt werde „nicht direkt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, sondern auf einem angrenzenden Grundstück“ entstehen.

Gedenkstele erinnert an Lageropfer

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich Österreich lange als Opfer des Nationalsozialismus dar und blendete die Mitverantwortung vieler Bürgerinnen und Bürger aus.

Erst ab Ende der 1980er Jahre begann das Land, in dem Adolf Hitler geboren wurde, seine Rolle im Holocaust ernsthaft zu hinterfragen.

Perz sagt, eine Diskussion wie die jetzige um das Gelände in Hirtenberg „wäre in den 1980er Jahren unmöglich gewesen“. Heute gebe es „mehr Sensibilität“ für ehemalige NS-Orte.

Gleichzeitig prallen in der heutigen Republik Forderungen nach Erinnerung immer häufiger auf „die gegenteilige Tendenz, nämlich zu sagen: ‚Jetzt muss wirklich einmal Schluss sein‘“, so der Historiker.

Die rechtspopulistische FPÖ, gegründet von ehemaligen Nationalsozialisten, wurde bei der Parlamentswahl 2024 stärkste Kraft, fand aber keine Partner für eine Regierungsbildung. In fünf der neun Bundesländer gehört sie dennoch zu den Regierungsparteien.

Im Zentrum von Leobersdorf hatten viele der von AFP angesprochenen Bewohnerinnen und Bewohner entweder noch nichts von dem Projekt gehört oder wollten sich dazu nicht äußern.

2024 entstand eine Gedenkstele für die Opfer des Lagers Hirtenberg.

Für Pumberger reicht das nicht.

„Es ist sehr wichtig, dass es greifbare Spuren der Gebäude gibt, in denen die Nazis Menschen eingesperrt, gefoltert, getötet haben“, sagt er.

„Sonst wird das Gedenken zu einem virtuellen Akt oder existiert nur in Büchern, Fotos und Filmen.“

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