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Kampf um Wasser in Ungarn: ausgetrocknete Seen, massives Fischsterben

Rétimajor-Fischfarm: Fische verenden am 10.08.2026
Rétimajor-Fischfarm: verendete Fische am zehnten August 2026 Copyright  Aranyponty Zrt.
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Von Gábor Tanács
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In Ungarns größtem Fischteichkomplex Rétimajor sind wegen Dürre und Wassermangel tonnenweise Fische verendet. Die Betreiber geben der Bewässerung am Oberlauf die Schuld, die Wasserbehörde spricht von korrekter Verteilung.

Im August sind in Rétimajor bei Simontornya, einem der größten Fischteichkomplexe Ungarns, mehrere hundert Tonnen Fisch verendet. Die Anlage mit rund 800 Hektar Wasserfläche geht auf die früheren Sümpfe des Sárrét zurück.

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Eigentümer Ferenc Lévai hat das Gebiet 1994 erworben. Seither entwickelt er es kontinuierlich weiter und betreibt dort ein komplexes Agrar- und Tourismusprojekt, die wichtigsten Einnahmen stammen jedoch aus der Fischzucht.

Das Teichsystem besteht aus nährstoffreichen, flachen Becken unterschiedlicher Tiefe, Schilfgürteln, Inseln und schlammigen Uferabschnitten. Es bietet Wasservögeln einen hochkonzentrierten Lebensraum, der sich kaum ersetzen lässt. Die Rétszilasi-Teiche und ihr Umfeld gehören zu den strengen Schutzgebieten Europas. Sie sind nicht nur Teil des Natura-2000-Netzes, sondern gelten nach der Ramsar-Konvention als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung.

Fische vegetieren in 30 Zentimetern Wasser

Ferenc Lévai führt das Fischsterben darauf zurück, dass die Wasserbehörde – in diesem Fall die Mittel-dunántúler Wasserbehörde – seiner Ansicht nach oberhalb der Teiche Wasser für die Bewässerung zurückgehalten hat. „Durch eine aus unserer Sicht sehr ungünstige Verteilungsregelung ist viel zu wenig Wasser hierher gelangt. Wir konnten nicht einmal den Wasserstand erreichen, der für eines der am strengsten geschützten Gebiete Ungarns vorgesehen ist: den ökologischen Wasserstand, der auf der gesamten Fläche mindestens 50 Prozent Wasser vorschreibt“, sagt Lévai gegenüber Euronews.

„Selbst diese 50 Prozent konnten wir nicht halten. Verdunstung und unzureichende Wasserzufuhr haben zur Katastrophe geführt. Etwa 150 Hektar unseres Gebietes sind bereits trocken. Auf weiteren rund 400 Hektar ‚leben‘ die Fische in 30 bis 40 Zentimetern Wasser, von einem normalen Leben kann keine Rede sein. Nur auf ungefähr 200 bis 250 Hektar liegt der Wasserstand über der Hälfte der üblichen Füllung, dort können wir noch regulär züchten.“

In Rétimajor haben die Betreiber alles versucht, um die Schäden zu begrenzen. Trotzdem sind 300 bis 350 Tonnen Fisch verendet. Nach Lévais Berechnungen entspricht dies einem Verlust von 400 bis 500 Millionen Forint. Der niedrige Wasserstand ließ das Wasser schneller aufheizen, dadurch bildeten sich verstärkt Gase. Die aus dem Schlamm austretenden Gase vergifteten die Fische. Noch gravierender findet Lévai, dass die Austrocknung den geschützten Lebensraum bedroht, denn im Teichsystem leben zahlreiche seltene Amphibien und Vogelarten.

Wasserbehörde: Wir halten kein Wasser zurück

Euronews hat die Mittel-dunántúler Wasserbehörde um eine Stellungnahme gebeten. Sie erklärt, sie habe sich auf eine mögliche Dürre vorbereitet, „das sommerliche Hitzekuppel-Phänomen, das zu einer Ausnahmesituation im ganzen Land führte, war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht absehbar“. Ab dem 26. Juli musste sie regionale Wasserbeschränkungen verhängen. Demnach durfte die Nutzung der Fischteiche höchstens um 20 Prozent und die Bewässerung um 60 Prozent reduziert werden. Diese Vorgaben habe man eingehalten und kein Wasser zurückgehalten, so die Behörde.

Im August habe man vielmehr aus dem Speichersee Fehérvárcsurgó, der größtenteils gereinigtes Abwasser aus Székesfehérvár enthält, innerhalb von zwei Wochen 1,18 Millionen m³ Wasser zur Ergänzung der Teiche abgelassen. Nach Angaben der Wasserbehörde enthält der Speicher derzeit nur wenig mehr, nämlich 1,4 Millionen m³ Wasser.

Nach Berechnungen der Wasserbehörde konnten in der extremen Hitze auf der 800 Hektar großen Wasserfläche täglich bis zu 100.000 m³ Wasser verdunsten. Der Wasserverbrauch für die vorgeschriebene, bereits begrenzte Bewässerung falle daneben kaum ins Gewicht.

„Unserer Meinung nach beeinflusst die (beschränkte) Bewässerung die für den Ausgleich der Verdunstungsverluste in den Fischteichen benötigten, sehr großen Wassermengen nicht wesentlich“, schrieb die Mittel-dunántúler Wasserbehörde an Euronews. „Die Ausnahmesituation dürfte nicht durch die Entnahme von Bewässerungswasser entstanden sein, sondern durch den Sauerstoffmangel im durch die Hitze aufgeheizten Wasser.“

Für die Zukunft braucht es klare Regeln

Ferenc Lévai hatte gegenüber Euronews bereits früher betont, dass er keine Schuldigen sucht, sondern Lösungen. Aus seiner Sicht sollten landwirtschaftliche Betriebe, die Pflanzen anbauen, eigene Speicherbecken errichten, Regenwasser in niederschlagsreichen Zeiten sammeln und es in Trockenperioden nutzen. Dann müsse man nicht mehr um die vorhandene Wassermenge konkurrieren, und Tierhaltung sowie Natur könnten Vorrang haben.

Auch die lokale Wasserbehörde schließt ihren Brief mit dem Hinweis, dass „die Mittel-dunántúler Wasserbehörde die hydrologische Situation des Wassersystems in Form einer Studie untersucht, insbesondere die durch Wasserrechte gebundenen Mengen der einzelnen Nutzer“. Ziel dieser Studie sei es zu klären, wie die Wasserbedarfe künftig gedeckt werden können. Voraussichtlich werde dafür eine Überprüfung der Genehmigungen und der bisherigen Betriebspraxis nötig sein.

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