Die erwartete Rentenbezugsdauer variiert in Europa stark. Euronews Business zeigt, wann Europäer in Rente gehen und wie lange sie meist Pension erhalten.
In ganz Europa steigt das Rentenalter, weil die Menschen länger leben. Dennoch unterscheiden sich die Länder deutlich darin, wie viele Jahre sie nach dem Renteneintritt voraussichtlich noch leben.
Nach OECD-Daten liegt das gesetzliche Rentenalter in der EU im Jahr 2024 bei 64,7 Jahren für Männer und bei 64 Jahren für Frauen.
Sobald Menschen das Rentenalter erreichen, haben sie Anspruch auf eine Altersrente. Euronews Business stützt sich deshalb auf die Lebenserwartung genau zu diesem Zeitpunkt in jedem Land.
Wer weitere Voraussetzungen erfüllt, etwa genügend Versicherungsjahre, kann mit einer Rentenzahlung über diese Zeitspanne rechnen. Viele Ruheständler arbeiten allerdings auch nach Erreichen des Rentenalters weiter.
Rentenbezugsdauer: 18,4 Jahre für Männer, 21,8 Jahre für Frauen
Männer in der EU leben nach Rentenbeginn im Schnitt noch 18,4 Jahre, Frauen 21,8 Jahre. Grundlage sind die Lebenserwartung zum Rentenalter und Daten von Eurostat und der OECD für das Jahr 2024.
Bei Männern reicht die erwartete Rentenbezugsdauer von 14,7 Jahren in Bulgarien und Ungarn bis zu 27,3 Jahren in der Türkei. Innerhalb der EU liegt Luxemburg vorn: Dort erhalten Männer voraussichtlich 22 Jahre lang Rente.
Die Unterschiede gehen vor allem auf zwei Faktoren zurück: das Rentenalter und die allgemeine Lebenserwartung.
Auch männliche Rentner in Griechenland (21 Jahre), Frankreich (20,7), Slowenien (20,7), der Schweiz (20,4) und Malta (20,2) verbringen voraussichtlich mehr als 20 Jahre im Ruhestand.
Über dem EU‑Durchschnitt von 18,4 Jahren liegen zudem Zypern (19,8), Schweden (19,4), Portugal (19,3), Belgien (19,1), Irland (19), das Vereinigte Königreich (19), Österreich (18,8) und Finnland (18,7).
Deutschland: Unter großen Volkswirtschaften kürzeste Rentenbezugsdauer
Damit gilt: Mit Ausnahme Deutschlands verbringen Männer in den großen europäischen Volkswirtschaften voraussichtlich mehr Jahre im Ruhestand als im EU‑Schnitt. In Deutschland liegt der Wert 1,1 Jahre unter dem Durchschnitt – der Abstand zu Frankreich, Italien und Spanien ist damit deutlich.
Am wenigsten Zeit im Ruhestand haben Männer dagegen in Lettland, Rumänien und Litauen; zusammen mit Bulgarien und Ungarn bleiben sie jeweils unter 16 Jahren.
Für Frauen liegt die erwartete Rentenzeit in der EU bei 21,8 Jahren. Sie reicht von 18,6 Jahren in Ungarn bis zu 34,5 Jahren in der Türkei. In Luxemburg übersteigt sie sogar 25 Jahre.
Frauen in Slowenien, Griechenland, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Malta, Italien, Portugal, Zypern und Finnland verbringen Prognosen zufolge jeweils mehr als 22 Jahre im Ruhestand und beziehen entsprechend lange Rente.
Unter den Frauen liegen nicht nur Deutschland (20,3), sondern auch das Vereinigte Königreich (21) unter dem EU‑Durchschnitt.
Neben Ungarn verbringen Frauen in mehreren Staaten voraussichtlich weniger als 20 Jahre im Ruhestand. Dazu zählen Bulgarien (18,8), Rumänien (19,1), die Niederlande (19,2), Kroatien (19,6), Dänemark (19,7), Lettland (19,8) und Island (19,8).
Rentenalter und Lebenserwartung
Im Jahr 2024 fällt die Türkei unter den 32 betrachteten europäischen Ländern deutlich aus dem Rahmen: Männer können dort mit 52 Jahren in Rente gehen, Frauen mit 49.
In den übrigen Staaten – abgesehen von der Türkei – liegt das Rentenalter für Männer zwischen 62 und 67 Jahren, für Frauen zwischen 60 und 67 Jahren.
In der EU beträgt das Rentenalter 64,7 Jahre für Männer und 64 Jahre für Frauen. Männer erreichen im Schnitt ein Alter von 83,1 Jahren, Frauen von 85,8 Jahren.
Rentenzeit: Unterschied zwischen Männern und Frauen
Im EU‑Durchschnitt verbringen Frauen 3,4 Jahre länger im Ruhestand als Männer. Die Spanne reicht von 1,6 Jahren in Island bis zu 7,2 Jahren in der Türkei.
In Estland, Litauen, Lettland, Bulgarien, Rumänien und Polen beträgt der Abstand ebenfalls vier Jahre oder mehr. Die Erwerbsquote liegt dort allerdings vergleichsweise niedrig.
Ein weiterer Aspekt ist die Rentenlücke zwischen den Geschlechtern. In den OECD‑Staaten erhalten Frauen im Schnitt 23 Prozent weniger Rente als Männer; im Vereinigten Königreich steigt der Unterschied sogar auf 37 Prozent.
Erwerbsaustrittsalter: Besonderheiten in der Türkei
Das tatsächliche Erwerbsaustrittsalter kann deutlich vom gesetzlichen Rentenalter abweichen. In der EU liegt das Rentenalter für Männer bei 64,7 Jahren, das durchschnittliche Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt jedoch bei 63,8 Jahren. Bei Frauen beträgt das Austrittsalter 62,9 Jahre, das Rentenalter 64 Jahre.
Am größten ist die Differenz in der Türkei. Männer können zwar bereits mit 52 Jahren in Rente gehen, verlassen den Arbeitsmarkt aber im Schnitt erst mit 60,8 Jahren. Bei Frauen liegen die Werte bei 49 und 60,5 Jahren.
Nach dem Erwerbsaustritt verbleiben Männern in der Türkei rein rechnerisch 18,2 Jahre, Frauen 22,6 Jahre. Das zeigt: Obwohl die erwartete Rentenzeit dort formal am höchsten ist, fällt sie deutlich geringer aus, wenn man das tatsächliche Austrittsalter zugrundelegt.
Renten sind die wichtigste Einkommensquelle älterer Europäer. Ihr Niveau unterscheidet sich jedoch stark – sowohl beim Auszahlungsbetrag als auch in der tatsächlichen Kaufkraft.