Usbekistans Staatsfonds UzNIF bereitet große Telekom-, Luftfahrt-, Banken- und Energieunternehmen auf Börsengänge vor. Uztelecom ist dank Reformen und frischem Kapital derzeit am weitesten.
Usbekistan bereitet sich darauf vor, mehrere seiner größten staatsnahen Unternehmen an die Börse zu bringen. Der nationale Telekommunikationsanbieter Uztelecom gilt inzwischen als aussichtsreichster Kandidat für eine internationale Börsennotierung.
Das Programm umfasst Telekommunikation, Luftfahrt, Banken und Energiewirtschaft. Es soll mehr privates und internationales Kapital anziehen und die großen Unternehmen zugleich an die Transparenz- und Governance-Standards heranführen, die Börsenanleger verlangen.
Für internationale Anleger könnte das den Zugang zu einigen der größten Unternehmenswerte des Landes eröffnen. Für Usbekistan ist es ein Test, ob die Reformen am Kapitalmarkt über UzNIFs Börsengang in London hinausreichen und eine breitere Palette börsennotierter Unternehmen hervorbringen.
Vorangetrieben wird der Prozess vom Nationalen Investitionsfonds Usbekistans (UzNIF), den Franklin Templeton verwaltet. Der Fonds hält Beteiligungen an 13 großen usbekischen Unternehmen und ist im Mai selbst an der Londoner Börse gestartet.
Nächster Schritt: Unternehmen gehen an die Börse
Uztelecom steht in der möglichen IPO-Pipeline am weitesten vorne, sagt Marius Dan, Zentralasien-Chef von Templeton Global Investments.
Das Unternehmen ist bereits an der Börse Taschkent gelistet. UzNIF prüft eine internationale Notierung sowie eine Ausweitung der Zahl der im Inland verfügbaren Aktien.
Ein internationales Angebot könnte zusätzlichen Anlegern den Einstieg in die Aktie ermöglichen und dem Unternehmen frisches Kapital für neue Investitionen verschaffen.
Auf Fragen von Euronews erklärte Dan, dass die Vorbereitungen auch eine Prüfung von Uztelecoms Finanzberichten, der Unternehmensführung und der operativen Leistungsfähigkeit umfassen.
Zudem laufen fünf Auswahlverfahren für Aktienberater: für Uzbekistan Airways, Uztelecom, Regional Electric Networks, das Nationale Stromnetz Usbekistans und die Sanoat Qurilish Bank (SQB).
„In den nächsten 24 bis 36 Monaten werden rund 78 % des Nettovermögens des Fonds von nicht börsennotierten auf börsennotierte Unternehmen übergehen“, sagte Dan.
Damit läge der Großteil des UzNIF-Werts künftig in Unternehmen, deren Aktien frei an der Börse gehandelt werden.
Ein Präsidialerlass sieht vor, dass bis Ende 2028 sechs Portfoliounternehmen des UzNIF an die Börse gehen. Der Fonds betont, dass über Zeitpunkt und Reihenfolge der einzelnen Transaktionen noch nicht endgültig entschieden ist.
Unternehmenssteuerung wird umgebaut
UzNIF und Franklin Templeton stellen zudem die Corporate Governance im gesamten Portfolio neu auf. Dazu gehören die Besetzung der Aufsichtsräte und die Art, wie die Unternehmen planen, ihre Finanzen steuern und ihre Ergebnisse offenlegen.
„Wir haben in allen 13 Unternehmen Veränderungen vorgenommen. Wir haben die Mitglieder unseres Investmentteams benannt und 10 sehr renommierte internationale Direktoren gewonnen, die in den Aufsichtsräten eingesetzt wurden, teils in mehr als einem Unternehmen“, erläuterte Dan.
Im gesamten Portfolio wurden zehn unabhängige, nicht geschäftsführende Direktoren gewählt. In elf der 13 Unternehmen verfügen die Aufsichtsräte inzwischen über eine Mehrheit aus unabhängigen Direktoren und Vertretern von Franklin Templeton.
Neun Transformationspläne sind abgeschlossen, vier weitere sollen in den kommenden Monaten folgen.
Bei Uzbekistan Airways etwa hat der Fonds 120 Initiativen definiert, die Wachstum, Effizienz, Profitabilität, Kundenerlebnis und Expansion abdecken.
Diese Änderungen sind wichtig, denn ein Börsengang bedeutet mehr, als nur Aktien zu verkaufen. Die Unternehmen brauchen verlässliche Abschlüsse, transparente Entscheidungswege und Governance-Strukturen, die einer externen Prüfung standhalten.
UzNIF-Portfolio: 2,28 Milliarden Euro verwaltet
Das Nettovermögen von UzNIF lag zum 31. Juli 2026 bei rund 2,28 Milliarden Euro.
Für das erste Halbjahr 2026 meldete der Fonds einen Nettogewinn von 147 Millionen Euro, darunter einen Fair-Value-Zuwachs von 156 Millionen Euro und 24 Millionen Euro an Dividenden.
Energiebezogene Beteiligungen machten rund 37 % des Nettovermögens aus.
Dan erklärte, ein neues Regulated-Asset-Base-Rahmenwerk gehöre zu den Faktoren, die die Bewertungen mehrerer Energieunternehmen beeinflussen. Das System legt fest, wie regulierte Versorger Renditen auf Infrastrukturinvestitionen erzielen und wie sich die Tarife berechnen.
Am ersten August traten erste Tarifanpassungen in Kraft. Weitere Details werden bis Ende 2026 oder im ersten Quartal 2027 erwartet.
Börsengänge bringen frisches Kapital
Die möglichen Börsengänge könnten den Unternehmen direkt Geld zuführen, statt nur bestehenden Anteilseignern Verkäufe zu ermöglichen.
Dan sagte, die Regierung hätte Vorrang, falls sie Aktien verkaufen möchte. UzNIF könnte bei Bedarf ebenfalls einen Teil seiner Beteiligungen abgeben, um ausreichend Marktliquidität sicherzustellen.
„Die Unternehmen erhalten im Rahmen dieser IPOs ebenfalls Vorrang, wenn es um die Aufnahme von Kapital geht, denn es handelt sich um äußerst spannende Vermögenswerte. Sie haben umfangreiche Investitionsprogramme und benötigen weiteres Kapital“, sagte er.
Dieser Unterschied ist entscheidend: Der Verkauf bestehender Aktien verändert nur die Eigentumsverhältnisse. Die Ausgabe neuer Aktien verschafft den Unternehmen hingegen Mittel für Flugzeuge, Telekomnetze, Strominfrastruktur oder andere Investitionen.
Die endgültige Struktur jeder Transaktion steht noch nicht fest.
Das Jahr 2026 ist das erste volle Jahr, in dem Franklin Templeton UzNIF verwaltet, nachdem der Vermögensverwalter im Mai 2025 übernommen hat.
Dan meinte, die Ergebnisse dieses Jahres würden eine solidere Grundlage liefern, um die Profitabilität und die künftige Ausschüttungsfähigkeit zu beurteilen. Über eine erste UzNIF-Dividende soll 2028 entschieden werden, auf Basis des Geschäftsberichts für 2027.